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US-Bundesstaat Louisiana Kampf gegen Abtreibungsverbot: Kandidatin für US-Kongress zeigt in Wahlspot, wie sie ihren Sohn gebärt

Katie Darling aus Louisiana bei der Geburt ihres Sohnes
Katie Darling, Kandidatin für die Kongresswahlen aus Louisiana, bei der Geburt ihres Sohnes: "Wir sollten schwangere Frauen beruhigen und nicht ihr Leben aufs Spiel setzen".
© Screeenshot Youtube-Video Katie Darling
Louisiana hat wie viele republikanisch regierte US-Bundesstaaten ein rigides Abtreibungsgesetz erlassen. Katie Darling war darüber so entsetzt, dass sie nun für den US-Kongress kandidiert – und mit einem intimen Spot um Stimmen wirbt.

Eine Kandidatin für den US-Kongress aus Louisiana hat sich in einem ungewöhnlich intimen Wahlwerbespot mit dem kürzlich verschärften Abtreibungsgesetz in ihrem Bundesstaat auseinandergesetzt. Die Demokratin Katie Darling verbreitete Anfang der Woche über ihre Social-Media-Kanälen ein Video, das zeigt, wie sie hochschwanger in einem Rollstuhl in ein Krankenhaus gerollt wird. Wenige Augenblicke später sieht man die 36-Jährige in den Wehen und bei der Geburt des Kindes. Am Ende der Aufnahmen hat sie ihren neugeborenen Sohn an der Brust liegen. Allein auf Twitter wurde das Video bis Donnerstagnachmittag mehr als 1,1 Millionen Mal aufgerufen.

Louisiana hat Abtreibungen weitestgehend verboten

"Heutzutage mache ich mir Sorgen über Stürme, die aufgrund des Klimawandels stärker und häufiger werden, über die schlechten öffentlichen Schulen unserer Kinder und über das neue Abtreibungsverbot in Louisiana, eines der strengsten und härtesten im ganzen Land", sagt Darling, die noch eine sechs Jahre alte Tochter hat, in dem Clip und fügt hinzu: "Wir sollten schwangere Frauen beruhigen und nicht ihr Leben aufs Spiel setzen."

Louisiana hat wie mehrere weitere von Republikanern regierte Bundesstaaten Schwangerschaftsabbrüche weitestgehend verboten, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA im Juni das Recht auf Abtreibung durch die Aufhebung des Urteils Roe v. Wade gekippt hatte. Das Verbot gilt, sobald bei dem Fötus eine Herztätigkeit festgestellt wurde – also etwa nach der sechsten Woche, wenn Frauen oft noch gar nicht wissen, dass sie schwanger sind. Ausnahmen sieht die Neuregelung nur vor, wenn das Leben der Schwangeren bedroht ist. Opfer von Vergewaltigungen oder Inzest müssen ihre Kinder dagegen austragen.

Darling erzählte der "Washington Post", sie und ihr Mann hätten überlegt, Louisiana zu verlassen, nachdem das Abtreibungsverbot in Kraft getreten war. Doch dann hätte sie beschlossen, stattdessen lieber bei den Wahlen im November gegen den mächtigen republikanischen Kongressabgeordneten Steve Scalise anzutreten und für das Repräsentantenhaus zu kandidieren.

"Ich wollte mitteilen, dass dies für mich real ist", sagte Darling der Nachrichtenagentur Associated Press über ihren Wahlwerbespot. "Ich bin buchstäblich diejenige, die im Krankenhausbett an Maschinen und Infusionen angeschlossen ist und eine Geburt durchmacht, und niemand sonst sollte entscheiden, wie ich damit umgehe."

Dass ihr Video in den sozialen Medien für so viel Wirbel sorgt, hat die Kandidatin und ihr Team nicht überrascht, obwohl keiner ihrer anderen Beiträge bis dahin mehr als 60 Retweets generiert hatte, wie "USA Today" berichtet. "Wir haben damit gerechnet", sagte Darling. "Wir wussten, dass es eine besondere Botschaft braucht, also haben wir uns Gedanken über den Inhalt und seine Bedeutung gemacht."

Darling, die früher Geschäftsführerin einer Rum-Brennerei in New Orleans war und jetzt als Kundenbetreuerin bei einem Technologieunternehmen im Bildungssektor arbeitet, berichtete, dass die Aufhebung des Urteils Roe v. Wade sie dazu bewogen habe, ins Rennen um den Abgeordnetensitz einzusteigen. "Fortpflanzungsrechte und Gesundheit sind die Grundlage meiner Kampagne", erklärte sie. "Ich denke, dass viele Menschen es nachempfinden können, eine Familie zu haben und mit den Herausforderungen umzugehen, mit denen wir in Louisiana konfrontiert sind – Klimawandel, Bildung und ein strenges Abtreibungsverbot. Das ist der Grund, warum die Anzeige bei so vielen Menschen Anklang findet."

Quellen: Katie Darling auf Twitter, "Washington Post","USA Today", Associated Press

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