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Human Rights Watch: Systematische Folterungen in US-Gefangenenlagern

Die Menschenrechtorganisation Human Rights Watch berichtet von regelmäßigen Folterungen in amerikanischen Gefangenenlagern in Afghanistan und im Irak. Sie beruft sich auf Aussagen eines Offiziers und zwei Unteroffizieren.

"Jeder wusste, wer Lust hatte, sich abzureagieren, ging in das Zelt (mit den Gefangenen). Es war wie ein Sport", sagte einer der Unteroffiziere der Organisation. So wurde etwa einem Gefangenen das Bein mit einem Baseballschläger zerschmettert.

Nach Informationen der "Los Angeles Times" hat das Pentagon eine Untersuchung angeordnet. Die Anschuldigungen gingen auf Hauptmann Ian Fischback zurück, der sich in den vergangenen Tagen aus Frustration über mangelnde Resonanz bei seinen Vorgesetzten an den Streitkräfteausschuss im Senat gewandt habe. Fischback gehört zur Elite-Einheit der 82. Fallschirmdivision.

"Wir beschränkten uns auf gebrochene Arme und Beine"

In dem Gefangenenlager auf der dem Stützpunkt Mercury in der Nähe von Falludscha seien Gefangene 2003 und 2004 geschlagen und drangsaliert worden, berichtet Human Rights Watch. Einigen Gefangenen seien Chemikalien auf die Haut und in die Augen geschmiert worden. Soldaten hätten Gefangene auch gezwungen, sich wie zu einer menschlichen Pyramide aufeinander zu legen.

Bilder solcher Misshandlungen waren im vergangenen Jahr aus dem berüchtigten Gefängnis Abu Ghoreib bekannt wurden und hatten weltweit Empörung ausgelöst. Das US-Militär sprach nach mehreren Untersuchungen von Einzelfällen. Mehrere Soldaten wurden angeklagt und teils zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, jedoch niemand in leitender Position. Es ist das erste Mal, dass Soldaten der regulären Armee beschuldigt werden, Gefangene misshandelt zu haben. Der Skandal von Abu Ghoreib umfasste Reservisten und Angehörige der Nationalgarde. Die bekannteste der Angeklagten, Lynndie England (22), muss sich in Fort Hood in Texas zur Zeit vor einem Militärgericht verantworten.

Die Soldaten hätten ähnliche Misshandlungen bei Einsätzen an einem anderen Stützpunkt im Irak und in Afghanistan gesehen, berichtete Human Rights Watch. "Die Führung wollte geheimdienstliche Erkenntnisse, solange keiner der Gefangenen starb", berichtete ein Unteroffizier. "Wir hörten Gerüchte, das manche starben, deshalb waren wir vorsichtig. Wir beschränkten uns auf gebrochene Arme und Beine."

DPA