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Blutbad in Syrien TV-Sender zeigen Horrorbilder aus Homs


Ein britischer Sender und das syrische Staatsfernsehen zeigen Bilder von Folterungen und grausam getöteten Zivilisten. Ein US-Senator fordert nun Luftangriffe auf Syrien.

Ein britischer Fernsehsender hat Bilder gezeigt, auf denen seinen Angaben zufolge Patienten im Militärhospital der syrischen Stadt Homs gefoltert werden. In dem von "Channel 4" ausgestrahlten Film waren bandagierte Patienten zu sehen, die an den Knöcheln an Krankenhausbetten gekettet waren, während sich in der Nähe eine Peitsche und ein Stromkabel befanden. Die Brust eines Mannes mit verbundenen Augen wies horizontale rote Streifen auf, die nach Aussage eines vom Sender interviewten Gerichtsmediziners von Peitschenhieben zu stammen schienen.

Laut Channel 4 wurden die Bilder in den vergangenen drei Monaten von einem medizinischen Mitarbeiter in dem Krankenhaus aufgenommen und von einem französischen Journalisten aus Syrien herausgeschmuggelt. Eine unabhängige Untersuchung der Authentizität der Aufnahmen war dem Sender zufolge nicht möglich.

In dem Video sagt der medizinische Mitarbeiter, er habe Fälle von Folter durch Peitschen, Stockschläge und Elektroschocks gesehen. Einigen Patienten seien die Beine gebrochen, anderen die Köpfe gegen die Wand geschlagen worden. Operiert werde ohne Betäubungsmittel, und den Patienten werde Wasser verweigert.

Regimetreue syrische Medien zeigen Massaker-Bilder

Wahre Gräuelbilder zeigt auch das syrische Fernsehen. Fünf Tage nach dem Einmarsch der Armee in Homs haben die regimetreuen syrischen Medien Horrorbilder aus der einstigen Oppositionshochburg veröffentlicht. Der TV-Sender al Dunia zeigte am Dienstag Aufnahmen von Zivilisten, darunter auch Frauen und Kinder, die in der Stadt Homs mit Messern massakriert worden waren. Einigen von ihnen waren die Kehlen durchgeschnitten worden. Auch in diesem Fall ist ein unabhängige Überprüfung der Authentizität der Bilder nicht möglich.

Sollten sie echt sein, wäre zum jetzigen Zeitpunkt allerdings ebenfalls unklar, wer für die gezeigten Gräueltaten verantwortlich ist: Die Zivilisten seien von den Deserteuren der sogenannten Freien Syrischen Armee getötet worden, meldete der TV-Sender. Die Gegner von Präsident Baschar al Assad erklärten dagegen, die Truppen des Regimes hätten den Zivilisten am vergangenen Donnerstag bei ihrem Versuch, aus dem Viertel Baba Amro zu fliehen, die Kehlen durchgeschnitten. Das jüngste Opfer des Massakers sei ein einjähriges Mädchen namens Fatin.

Die syrischen Staatsmedien meldeten unterdessen, nach der "Säuberung" des Viertels Baba Amro kehrten nun die ersten Bewohner in das Viertel zurück. Dem Internationalen Rote Kreuz wird der Zugang zu dem Viertel jedoch immer noch verwehrt.

Assad will ein "neues Syrien aufbauen"

Nach den Worten von Staatschef Baschar al Assad sei Syrien zu weiteren Reformen und zum Kampf gegen den "Terrorismus" entschlossen. Das syrische Volk habe in der Vergangenheit bereits "Verschwörungen aus dem Ausland" getrotzt und einmal mehr gezeigt, dass es sein Land verteidigen und ein "neues Syrien aufbauen" könne, zitierte ihn die amtliche Nachrichtenagentur Sana am Dienstag. Dazu gehörten weitere Reformen und das Vorgehen gegen den "vom Ausland unterstützten Terrorismus".

Syrien sehe sich Versuchen von außen ausgesetzt, das Land zu destabilisieren und seine Rolle in der Region zu schwächen, sagte Assad demnach vor einer Delegation des ukrainischen Parlaments. Jedes Land ziehe seine Kraft aber aus der Unterstützung durch das Volk.

McCain fordert Luftangriffe

Unterdessen fordert US-Senator John McCain, Luftangriffe auf Syrien. Das sei "der einzig realistische Weg", um dort das "Gemetzel zu stoppen und unschuldige Leben zu retten", sagte der prominente US-Politiker nach amerikanischen Medienberichten im US-Senat. Mit einem militärischen Eingreifen, angeführt von den USA, solle die syrische Opposition unterstützt werden, forderte der ehemalige Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Für die Opposition müssten im Norden des Landes Rückzugsgebiete geschaffen werden. Die US-Regierung lehnt bislang ein gewaltsames Vorgehen ab.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan forderte das syrische Regime auf, den Weg für humanitäre Hilfe in die umkämpften Gebiete des Landes freizugeben. "Es müssen umgehend humanitäre Korridore geöffnet werden", sagte Erdogan am Dienstag in Ankara. Er warnte den syrischen Machthaber Assad vor weiterer Gewalt, für die dieser den Preis später zahlen werde, wie die türkische Agentur Anadolu berichtete. Für das Blutvergießen werde es Vergeltung geben.

Protestbewegung gibt nicht auf

Die Spaltung der syrischen Armee schreitet unterdessen weiter voran. In Foren der Protestbewegung wurden Namen und Wohnorte vermeintlicher "Mörder", "Plünderer" und "Verräter" unter den Offizieren veröffentlicht. Gleichzeitig verbreiteten Oppositionelle ein Video, das angeblich alawitische Deserteure zeigt, die sich der aus Fahnenflüchtigen bestehenden Freien Syrischen Armee anschließen. In dem Video, dessen Echtheit nicht überprüft werden konnte, fordert der Anführer der Gruppe die Alawiten in den syrischen Streitkräften zur Fahnenflucht auf.

Die Protestbewegung meldete unterdessen, die Armee habe eine Brücke nahe der libanesischen Grenze gesprengt, über die Aktivisten zuletzt Verletzte ins Nachbarland gebracht hätten. Am Dienstag seien landesweit zehn Menschen getötet worden. Gefechte zwischen Deserteuren und Regierungstruppen habe es in der Nähe des Flughafens von Aleppo gegeben.

be/DPA/AFP DPA

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