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Trotz internationaler Proteste: Blutbad in Syrien nimmt kein Ende

Tod und Zerstörung: Syriens Regime geht weiter mit brutaler Gewalt gegen die Opposition vor. Aktivisten berichten von Hinrichtungen, Helfer werden behindert. Präsident Assad ignoriert jegliche internationale Proteste.

Das Blutvergießen in Syrien geht trotz internationaler Appelle an das Regime von Präsident Baschar al-Assad weiter. Aus den Protesthochburgen Homs und Idlib wurden weitere Hinrichtungen sowie heftige Gefechte zwischen Regierungstruppen und Deserteuren gemeldet. Rettern von Rotem Kreuz und Rotem Halbmond gelang es erneut nicht, das belagerte Viertel Baba Amro in Homs zu erreichen.

Der Aktivist Abu Imad berichtete im Libanon, Assads Milizen würden weiterhin die Bevölkerung in dem Stadtteil "terrorisieren" und junge Männer hinrichteten. Deshalb würden Rettungskräfte auch nicht in das Gebiet gelassen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) teilte in Genf mit, dass die Helfer von den Behörden bereits den zweiten Tag in Folge daran gehindert würden, Hilfsgüter in das Viertel zu bringen. "Wir sind in Homs, aber nicht in Baba Amro“, sagte Sprecher Bijan Farnoudi. Rund 20.000 Menschen warteten weiter auf internationale Hilfe.

Auch in anderen Landesteilen gingen die Kämpfe weiter. Das oppositionelle syrische Netzwerk für Menschenrechte berichtete, dass 44 fahnenflüchtige Soldaten in der Provinz Idlib hingerichtet worden seien. Von unabhängiger Seite gab es dafür zunächst keine Bestätigung. In der Provinz Hama wurden nach Angaben von Aktivisten mehrere Dörfer von Regierungstruppen gestürmt. Dabei seien mehr als 50 Menschen verhaftet worden. Wegen der vom Assad-Regime verhängten Medienblockade ist es schwierig, Meldungen aus dem Land zu überprüfen.

Satellitenbilder zeigen Zerstörung in Baba Amro

Seit Beginn des Aufstands gegen Assad vor einem Jahr sind nach UN-Schätzungen mehr als 7500 Menschen getötet worden. Menschenrechtler gehen von allein 700 Toten im vergangenen Monat in der Stadt Homs aus. Die Organisation Human Rights Watch (HRW) erklärte nach der Auswertung von Satellitenbildern und Zeugenaussagen am Freitag in New York: "Die neuen Bilder und Augenzeugenberichte zeigen, dass durch den Beschuss weite Teile zerstört wurden, Hunderte Menschen starben und unzählige verletzt wurden."

Deutlich werde auch "das Ausmaß einer ungezügelten Brutalität in Baba Amro." Das besonders umkämpfte Viertel werde demnach jeden Tag ab 06.30 Uhr morgens bis zum Sonnenuntergang unter Beschuss genommen. Auf Satellitenbildern sei zu sehen, dass rund 640 Gebäude in Baba Amro beschädigt seien, erklärte HRW. Es sei gut möglich, dass die Lage in Wahrheit noch schlimmer sei. Die Organisation zählte auf den Aufnahmen zudem rund 950 Einschuss-Krater.

Eine Journalistin habe allein am 6. Februar innerhalb von zwei Stunden 200 Explosionen gezählt, berichtete HRW weiter. Ein anderer Journalist habe am 15. Februar 55 Explosionen in 15 Minuten gehört. Die Organisation rief den UN-Sicherheitsrat zur Verabschiedung einer Resolution auf, in der das Ende des "wahllosen Beschusses von Städten" gefordert werde. Zudem müsse der Sicherheitsrat die syrische Führung auffordern, die Lieferung von humanitärer Hilfe zuzulassen und die Evakuierung von Verletzten zu ermöglichen.

Bewaffnung der Opposition weiter Thema

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die syrische Regierung derweil auf, seine Nothilfekoordinatorin Valerie Amos sofort in das Krisenland zu lassen. Amos habe tagelang in Beirut und in Amman vergebens gewartet, weil Damaskus sie nicht einreisen ließ, sagte er am Freitag in New York.

Auch die Türkei hat Präsidenten Assad scharf kritisiert: "Das syrische Regime begeht tagtäglich Verbrechen gegen die Menschlichkeit", sagte der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu am Samstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem italienischen Amtskollegen Giulio Terzi. Er forderte zudem, es müsse international Einigkeit im Vorgehen gegen die Führung von Präsident Assad geben, sonst werde diese weitere schwere Verbrechen begehen. Einsätze des Militärs, bei denen in Syrien mit scharfer Munition auf Demonstranten gefeuert und Wohnviertel mit Artillerie beschossen werden, seien selbst im Krieg verboten, so Davutoglu. Nach türkischen Medienberichten schließt er inzwischen auch eine Bewaffnung der syrischen Opposition nicht mehr aus.

cjf/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters