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"SZ"-Journalisten über Ibiza-Affäre: Angeblich reiche Russin, die FPÖ-Chef Strache in die Falle lockte, soll dafür kein Geld bekommen haben

In einem heimlich gemachten Video auf Ibiza machte Österreichs Vizekanzler und FPÖ-Chef Strache einer angeblich reichen Russin einen Vorschlag mit hoher politischer Sprengkraft. Der weibliche Lockvogel soll  - da sind sich Investigativjournalisten sicher - dafür kein Geld bekommen haben. 

Der ehemalige österreichische Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ)

Erklärte nach der Ibiza-Affäre seinen Rücktritt: Der ehemalige österreichische Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache

AFP

Es war ein handfester Skandal: Im Mai tauchten Filmaufnahmen von Österreichs FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und seinem Parteifreund Johann Gudenus aus Ibiza aus dem Jahr 2017 auf. Darauf war zu sehen, wie die Runde bei einem Treffen die Möglichkeit einer Übernahme der einflussreichen "Kronen Zeitung" durch die angeblich schwer reiche Frau auslote. Strache trat nach dem Vorfall zurück, die Koalition mit der ÖVP zerbrach. Im September stehen Neuwahlen an.

Am Donnerstag erscheint das Buch "Die Ibiza-Affäre", geschrieben von den beiden Journalisten der "Süddeutschen Zeitung", Frederik Obermaier und Bastian Obermayer. Darin heißt es: Der weibliche Lockvogel im "Ibiza-Video" hat kein Geld für die Falle bekommen. 

Lockvogel hat kein Geld bekommen

Die beiden Investigativjournalisten berichten in dem Buch von einem Treffen mit der Frau. "Wir können sagen, dass sie uns - entspannt und glaubhaft - versichert, gewusst zu haben, worauf sie sich einlässt, nicht erpresst worden zu sein und auch kein Geld bekommen zu haben", heißt es in dem Buch. Sie sei zudem erstaunt gewesen, wie leichtfertig Strache und sein FPÖ-Parteifreund Johann Gudenus ihr Dinge anvertraut hätten, die die beiden in enorme Schwierigkeiten bringen könnten. 

Strache und Gudenus waren im Sommer 2017 auf Ibiza in eine Falle getappt und wurden bei einem stundenlangen Gespräch mit einer vermeintlichen russischen Oligarchen-Nichte gefilmt. Die Frau hatte sich als Nichte eines russischen Oligarchen ausgegeben und gesagt, sie wolle eine Viertelmilliarde Euro in Österreich investieren. Sie soll mehrmals angedeutet haben, dass es sich dabei um Schwarzgeld handeln könne. Trotzdem seien Strache und der heutige FPÖ-Politiker Johann Gudenus sechs Stunden lang bei dem Treffen sitzen geblieben und hätten über Anlagemöglichkeiten in Österreich diskutiert, berichtete damals der "Spiegel".

Rücktritt nach Ibiza-Affäre 

Strache habe im Verlauf des Abends solche Deals mehrfach abgelehnt, heißt es im Buch. Der 50-Jährige hatte in diesem Zusammenhang zuletzt immer wieder betont, dass die Journalisten die folgenreiche Nacht falsch dargestellt hätten. Obermaier und Obermayer werfen Strache im Gegenzug vor, bei all diesen offensichtlich korrupten Angeboten das Gespräch nicht früher beendet zu haben. Zudem ließ sich der Ex-FPÖ-Chef letztlich doch zu Zusagen hinreißen. So erklärte er etwa, der vermeintlichen Oligarchen-Nichte staatliche Bauaufträge zuschanzen zu wollen, sollte die FPÖ mit Unterstützung der "Kronen-Zeitung" an die Macht kommen. 

Die Veröffentlichung des Videos löste ein politisches Beben in Österreich aus. Strache und Gudenus räumten die Zusammenkunft gegenüber den beiden Medien ein. Es sei "ein rein privates" Treffen in "lockerer, ungezwungener und feuchtfröhlicher Urlaubsatmosphäre" gewesen, teilte Strache schriftlich mit. Beide erklärten danach ihren Rücktritt von allen politischen Ämtern. Nach Straches Rücktritt zerbrach die gesamte Regierung, letztlich konnte sich auch der junge Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) nicht im Amt halten. Am 29. September stehen Neuwahlen an.


jek / DPA