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Indonesien: Nach Unruhen in indonesischer Provinz Papua: 258 Häftlinge entkommen

Bei Demonstrationen und heftigen Krawallen in Papua ist ein Gebäude der Provinzverwaltung in Brand gesetzt worden. Außerdem seien bei einem Angriff auf ein Gefängnis mehr als 250 Gefängnisinsassen entkommen.

Rauch steigt während der Unruhen in Manokwari, Papua auf

Rauch steigt während der Unruhen in Manokwari, Papua auf

AFP

Bei einer Demonstration mit mehreren tausend Menschen für die Selbstbestimmung der indonesischen Provinz Papua ist am Montag das Gebäude der Provinzverwaltung in der Stadt Manokwari in Flammen gesetzt worden. Auch Autos und Geschäfte wurden angezündet.

Die Demonstranten seien aufgebracht gewesen, weil das Gerücht umlief, dass ein Demonstrant beim Durchgreifen der Sicherheitskräfte gegen eine Kundgebung am Freitag ums Leben gekommen sei, sagte der Polizei-Chef Tito Karnavian. "Die Situation ist unter Kontrolle", ergänzte er. Laut Nachrichtenagentur AFP waren Auslöser der Unruhen offenbar Übergriffe indonesischer Sicherheitskräfte in der Stadt Surabaya, bei denen am Samstag nach örtlichen Medienberichten 43 Studenten aus Papua festgenommen worden waren. Die Polizei stürmte demnach einen Schlafsaal, weil Studenten aus Papua eine indonesische Flagge verbrannt haben sollen.

258 Häftlinge in Papua entkommen

Tausende Menschen seien durch die Straßen gezogen und hätten das Gebäude angegriffen, berichtete ein lokaler Fernsehsender. Auch an anderen Orten gab es Proteste und Festnahmen von Demonstranten. Aktivisten erklärten, Demonstranten seien von rechten Gegendemonstranten angegriffen und rassistisch beleidigt worden. Indonesiens Präsident Joko Widodo rief die Bevölkerung zu Ruhe auf.

Wie die örtlichen Behörden mitteilten, suche die indonesische Polizei nach mehr als 250 Insassen, die aus einem Gefängnis in Papua geflohen waren, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.  Demonstranten hätten das Gefängnis angegriffen, sagte ein Sprecher. "Nachdem sie die Büroräume der Regionalregierung verbrannt hatten, gingen (Demonstranten) zum Gefängnis und warfen Steine, was Insassen provozierte", sagte er und fügte hinzu, dass ein Gefängniswärter bei den Unruhen verletzt worden war. Der Beamte teilte mit, dass 258 Insassen aus 547 im Gefängnis festgehaltenen Personen geflohen waren, fügte jedoch hinzu, dass einige seitdem wieder gefangen genommen worden seien, ohne näher darauf einzugehen.

Die Provinz Papua liegt auf der Insel Neuguinea, die sich Indonesien zusammen mit dem Staat Papua-Neuguinea teilt. Indonesien annektierte das bis dahin von den Niederlanden regierte Gebiet nach einem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum 1969. Den indonesischen Sicherheitskräften werden immer wieder Menschenrechtsverletzungen gegen die melanesische Bevölkerung vorgeworfen.

Quellen: Nachrichtenagenturen Reuters, DPA, AFP

rw