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Irak: IS rückt auf kurdische Ölstadt Kirkuk vor

Bei einem Überraschungsangriff im dichten Nebel wollen IS-Kämpfer die Ölstadt Kirkuk einnehmen. Sie stoßen auf massive Gegenwehr kurdischer Soldaten und Bürger. Doch die Kämpfe dauern an.

Die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) ist am Freitag auf die kurdische Stadt Kirkuk vorgerückt. Nach Polizeiangaben griff sie am Morgen Peschmerga-Einheiten in vier Bezirken südwestlich der Öl-Metropole an. Ein Offizier der Peschmerga sagte, der Distrikt Mariam Bek sei im Verlauf der Kämpfe zurückerobert worden. In den drei übrigen hielten die Gefechte an. Ärzte berichteten von mindestens vier getöteten und 70 verletzten kurdischen Peschmerga-Kämpfern.

Kirkuk mit etwa einer Million überwiegend kurdischen Einwohnern ist ein Zentrum der irakischen Erdöl-Industrie. Seit sich die irakische Armee im vergangenen Jahr angesichts der Angriffe des IS zurückgezogen hat, verteidigen kurdische Peschmerga-Einheiten die Stadt.

Die Dschihadisten hatten die Attacken laut kurdischen Medien bei dichtem Nebel an drei Fronten vor allem im Süden Kirkuks gestartet mit dem Ziel, die Stadt zu erobern. Im Zentrum sei zugleich eine Autobombe vor einem Hotel detoniert. Kurz darauf hätten IS-Kämpfer dort das Feuer auf Zivilisten eröffnet.

Doppelanschlag in Bagdad

Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur "Basnews" sagte, dass Hunderte kurdische Bewohner Kirkuks sich nach Beginn der Angriffe bewaffnet hätten und den Peschmergasoldaten an den Fronten zu Hilfe geeilt seien. Zugleich sei eine Ausgangssperre verhängt worden. Die Kämpfe dauerten am Freitagmittag an, die Lage sei aber "unter Kontrolle", hieß es vonseiten der Peschmerga. Inzwischen hätten kurdische Soldaten mit Hilfe neuer Luftschläge der US-geführten internationalen Koalition die sunnitischen Extremisten zurückgedrängt.

Am Freitag kam es auch in anderen Teilen des Iraks zu neuer Gewalt. In der irakischen Hauptstadt Bagdad starben bei einem Doppelanschlag laut Medienberichten mindestens 44 Menschen. Die Sprengsätze seien auf einem zentralen Markt, auf dem auch gebrauchte Militäruniformen verkauft werden, explodiert berichtete das Nachrichtenportal "Sumaria News". Mindestens 70 Menschen wurden verletzt. Unter den Opfern seien auch Sicherheitskräfte. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand.

ivi/Reuters/DPA / DPA / Reuters
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