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Irak: Dutzende Tote bei Bombenanschlägen

Bei einer Anschlagserie mit drei Autobomben sind in der irakischen Stadt Balad mindestens 50 Menschen getötet worden. Durch die Explosionen in der 80 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Stadt gab es außerdem viele Verletzte.

Im Irak sind am Donnerstag bei mehreren Bombenanschlägen bis zu 50 Menschen getötet worden. Bis zu 100 weitere Menschen seien verletzt worden, als in der überwiegend von Schiiten und Sunniten bewohnten Stadt Balad drei Autos explodierten, berichteten Polizeivertreter weiter. Balad, das auch Stützpunkt der US-Truppen ist, liegt etwa 90 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad.

Anschläge im Abstand von 15 Minuten

Den Angaben nach wurden die Bomben nach Einbruch der Dunkelheit scheinbar koordiniert gezündet. Einwohner der vorwiegend von Schiiten bewohnten Stadt berichteten, die Anschläge hätten sich im Abstand von rund 15 Minuten ereignet. Nach ihren Angaben sprengte sich zuerst ein Attentäter auf einer Geschäftsstraße in die Luft. Als die Menschen von dort in Panik flohen, fuhr ein zweiter Attentäter mit seiner Autobombe mitten in die Flüchtenden und zündete seinen Sprengsatz. Die dritte Bombe explodierte auf dem Bab al-Sur Markt in der Nähe des Grabes des Imams Mohammed bin Ali al-Hadi, der von den irakischen Schiiten verehrt wird. Die Verletzten wurden auf mehrere Krankenhäuser der Region verteilt.

In der Nähe der Anschlagsorte befindet sich auch eine Polizeiwache. In der Region hatte es in der Vergangenheit wiederholt Anschläge von Aufständischen gegeben. Die überwiegend von Sunniten angeführten Aufständischen in dem Golfstaat haben bei ihren Anschlägen wiederholt die schiitische Bevölkerungsgruppe ins Visier genommen. Für etliche Anschläge wird die Al-Kaida-Organisation im Irak verantwortlich gemacht, die vom Jordanier Abu Mussab al-Sarkaui angeführt wird. Vor knapp zwei Wochen waren bei der folgenschwersten Anschlagsserie seit Jahresbeginn im Irak in der Hauptstadt Bagdad rund 150 Menschen getötet worden. Zu den Attentaten hatte sich der irakische Ableger der Terrorgruppe El Kaida bekannt.

Neue Welle der Gewalt befürchtet

US-Präsident George W. Bush rechnet im Zusammenhang mit der Verfassungsabstimmung im Oktober und den Wahlen im Dezember mit einer neuen Welle von Gewalt im Irak. Das sei das übliche Muster, die Aufständischen wollten den demokratischen Prozess torpedieren, sagte Bush am Mittwoch (Ortzeit). Das werde ihnen aber nicht gelingen. Der Befehlshaber der Koalitionstruppen, General George Casey, betonte am Donnerstag in Washington, trotz einer erwarteten Gewaltwelle hielten die USA an der geplanten Truppenreduzierung im Irak fest. Der genaue Zeitplan hänge vom politischen Prozess im Irak ab. «Die nächsten 75 Tage sind entscheidend», sagte Casey bei einer Anhörung im Streitkräfteausschuss des Senats. Im Irak sind insgesamt gut 130.000 US-Soldaten stationiert. Wieviele genau abgezogen werden sollen, wird aus taktischen Gründen nicht gesagt.

AP, Reuters / AP / Reuters