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Irak: Zahlreiche Tote bei Selbstmordanschlägen

Bei einem Selbstmordanschlag im Zentrum der irakischen Hauptstadt Bagdad sind nach Angaben des Innenministeriums mindestens 20 Menschen getötet worden.

Die meisten Opfer waren Anwärter für den Polizeidienst. Südlich von Bagdad starben weitere fünf Menschen bei einem Anschlag auf einen Polizeiposten, zwölf wurden verletzt.

Al Kaida bekannte sich zu den Anschlägen

Der irakische Zweig der Extremistenorganisation Al Kaida bekannte sich zu dem Anschlag in der Hauptstadt. Die Zahl der Toten könne noch steigen, sagte ein hochrangiger Vertreter des Innenministeriums. Ärzte in einem Krankenhaus nahe des Anschlagsorts sagten, 21 Menschen würden behandelt, einige davon hätten schwere Verletzungen.

Dem Ministeriumsmitarbeiter zufolge hatte der Attentäter eine Weste mit Sprengstoff unter seiner Kleidung getragen und sich vor einer Rekrutierungsstelle für Sicherheitskräfte in die Luft gesprengt. Derselbe Posten nahe des Diplomatenviertels war zuvor schon mehrfach ins Visier von Selbstmordattentätern geraten. Die Bewerber für den Polizeidienst seien daher eigens an einem normalerweise arbeitsfreien Samstag einbestellt worden, sagte der Ministeriumsvertreter. Damit habe man die Freiwilligen schützen und die Aufständischen täuschen wollen. "Offenbar hat diese Vorsichtsmaßnahme nicht funktioniert", sagte er. Auch im südlich der Hauptstadt gelegenen Mahmudija waren einem Polizeisprecher zufolge Polizisten und Zivilisten unter den Opfern eines Selbstmordanschlages. Der dortige Attentäter war mit seinem Auto in einen Polizeiposten gerast und hatte sich dann mitsamt seines Fahrzeugs in die Luft gesprengt. Zwei weitere Polizisten wurden in den Städten Mossul und Musajjib in ihren Autos erschossen.

Gewaltserie nach Ruhephase

Anwärter auf Stellen bei den irakischen Sicherheitskräften und in der Verwaltung sowie deren Mitarbeiter sind immer wieder Anschlagsziele von Aufständischen, die gegen die US-Soldaten im Irak und die demokratische Wende des Landes kämpfen. Selbstmordanschläge sind dabei zur schärfste Waffe der Rebellen geworden, deren Gewalt seit dem Antritt der neu gewählten von Schiiten geführten Regierung im April noch zugenommen hat.

Die Anschläge am Samstag erschütterten den Irak jedoch nach einigen Tagen relativer Ruhe. Zusätzliche Unruhe brachte die Beisetzung des prominenten Geistlichen Kamal al-Din al-Ghureifi, die von tausenden Trauergästen in der Hauptstadt begleitet wurde. Der enge Verbündete des schiitischen Religionsführers Ajatollah Ali al-Sistani war am Vortag auf dem Weg zum Freitagsgebet von Unbekannten niedergeschossen worden.

Bush will Kampf gegen Aufständische fortsetzen

Der irakische UN-Botschafter Samir Sumaidaie warf unterdessen der US-Armee vor, bei einer ihrer Razzien einen 21-jährigen Verwandten erschossen zu haben. Die US-Armee kündigte eine Untersuchung der Vorgänge an.

US-Präsident George W. Bush würdigte in seiner wöchentlichen Radioansprache den Einsatz der US-Soldaten im Irak und kündigte an, den Kampf gegen die Aufständischen entschlossen fortzusetzen. "Wir werden mit diesem Kampf weitermachen, bis wir diesen Kampf gewonnen haben."

Reuters