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"Umfangreiche Ermittlungen": Offenbar gab es im Iran nun erste Festnahmen im Zusammenhang mit dem Flugzeugabschuss

Nach dem Abschuss einer ukrainischen Passagiermaschine im Iran wurden Berichten zufolge mutmaßliche Verantwortliche verhaftet. Irans Präsident Rouhani sagte, es könne nicht "eine Person allein" für das Unglück verantwortlich sein.

Iraner zünden Kerzen an während einer Mahnwache für die Opfer des Flugzeugabsturzes

Iraner zünden Kerzen an während einer Mahnwache für die Opfer des Flugzeugabsturzes

DPA

Im Iran sind offenbar mehrere Menschen für ihre Rolle beim versehentlichen Abschuss eines ukrainischen Passagierflugzeuges festgenommen worden, wie der Justizsprecher Gholamhossein Esmaili sagte. Dies berichten die Nachrichtenagenturen Reuters und Associated Press (AP) übereinstimmend.

Esmaili wurde laut AP von staatlichen iranischen Medien mit den Worten zitiert, dass "umfangreiche Ermittlungen stattgefunden haben und einige Personen festgenommen wurden". Weitere Details, wie etwa die Zahl der Verhafteten sowie ihre Namen, wurden demnach nicht genannt.

Rouhani: "Es war ein unverzeihlicher Fehler"

Wie die Agentur weiter berichtet, sei die Ankündigung erfolgt, nachdem der iranische Präsident Hassan Rouhani kurz zuvor die Einrichtung eines Sondergerichts zur Aufklärung des Abschusses gefordert hatte. "Die Justiz sollte ein Sondergericht mit einem hochrangigen Richter und Dutzenden von Experten bilden", sagte Rouhani laut AP in einer Rede, die am Dienstag im iranischen Fernsehen übertragen wurde. "Dies ist kein gewöhnlicher Fall. Die ganze Welt wird dieses Gericht beobachten."

Rouhani sagte laut Reuters weiter, dass der Iran alle bestrafen werde, die für den versehentlichen Abschuss verantwortlich seien. Rouhani nannte den Abschuss ein "tragisches Ereignis": "Es war ein unverzeihlicher Fehler (...) eine Person kann nicht allein für den Flugzeugabsturz verantwortlich sein", so der Präsident laut Reuters. "Iranische Streitkräfte, die ihren Fehler eingestehen, sind ein guter erster Schritt", fügte er demnach hinzu und forderte die Bestrafung aller dafür Verantwortlichen.

Der Iran hatte anfangs zurückgewiesen, dass das ukrainische Flugzeug des Typs Boeing 737 von einer Rakete abgeschossen wurde, gab später angesichts der zunehmenden Beweise aber zu, dass das Militär die Maschine versehentlich abgeschossen hatte. 176 Menschen kamen bei dem Abschuss ums Leben. Zuvor hatte der Iran als Reaktion auf die Tötung des iranischen Generals Soleimani durch die USA zwei Militärstützpunkte im Irak angegriffen, die auch vom US-Militär genutzt werden.

Der Abschuss der Passagiermaschine sowie die mangelnde Transparenz darüber haben im Iran zu Protesten gegen die Führung des Landes geführt. Online-Videos zeigten protestierende Menschenmengen in den Straßen.

Quellen: Nachrichtenagenturen Reuters und Associated Press

rw