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Protestwelle Weitere neun Tote bei Unruhen in Iran - Sturm auf Polizeiwache


Landesweite Proteste haben Iran weiter fest im Griff. Nach Berichten staatlicher Medien gab es dabei weitere Todesopfer. Präsident Ruhani fordert, die Proteste auch als Chance zur Besserung zu begreifen.

Bei Protesten im Iran in der Nacht zum Dienstag sind nach staatlichen Medienberichten neun Menschen getötet worden. In der Region um Isfahan im Zentrum des Landes seien sechs Demonstranten, ein Mitglied der Revolutionsgarden, ein Passant sowie ein Polizist getötet worden, berichtete das Staatsfernsehen. Der Tod des Polizisten war zuvor bereits gemeldet worden.

Die sechs Demonstranten seien bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften getötet worden, als sie versucht hätten, eine Polizeiwache in der Stadt Kahderidschan zu stürmen. Das Mitglied der Revolutionsgarden sowie der Passant seien im nahegelegenen Kahris Sang getötet worden. Überdies seien in der Nacht rund hundert Menschen in der Region festgenommen worden.

Polizist mit einem Jagdgewehr erschossen

In früheren Berichten war überdies der Tod eines Polizisten gemeldet worden. Dieser wurde den Medienberichten zufolge mit einem Jagdgewehr in Nadschafabad erschossen.

Damit wurden bislang schätzungsweise insgesamt 21 Menschen bei den Protesten getötet, die am Donnerstag in Maschhad begonnen und sich auf andere Landesteile ausgeweitet hatten. Präsident Hassan Ruhani räumte ein, dass die Regierung die Lage nicht mehr völlig kontrolliere. Die USA und Israel unterstützten die Proteste und äußerten ihre Hoffnung auf einen politischen Umsturz in Teheran. Die EU, Großbritannien und Deutschland appellierten an die Regierung des Irans, eine öffentliche Debatte zuzulassen.

Ruhani: Proteste auch als Chance sehen

Bei einer Krisensitzung am Montag im Parlament hatte Ruhani erklärt, es wäre ein Fehler, die Proteste nur als ausländische Verschwörung einzustufen. "Auch sind die Probleme der Menschen nicht nur wirtschaftlicher Natur, sondern sie fordern auch mehr Freiheiten." Er kritisierte damit indirekt die Hardliner im Klerus, die seine Reformen blockieren. Ruhani zufolge sollten die Proteste nicht als Gefahr, sondern als Chance angesehen werden.

In einer ersten Reaktion am Sonntag hatte der Präsident aber auch vor Ausschreitungen gewarnt, die die Sicherheit des Landes gefährden könnten. Er rief die Regimekritiker dazu auf, Proteste über legale Kanäle zu beantragen.

dho AFP DPA

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