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Islamischer Staat: Immer mehr Kämpfer schließen sich der IS-Terrormiliz an

Die Islamistische Organisation wächst unaufhaltsam, in Syrien ist die Miliz nun rund 50.000 Mann stark. Der syrische Präsident Assad will jetzt mit dem Westen gegen IS kämpfen - zu seinen Bedingungen.

Machtdemonstration eines IS-Terroristen in der syrischen Stadt Rakka: Der Islamische Staat will künftig Westeuropa verstärkt ins Visier nehmen

Machtdemonstration eines IS-Terroristen in der syrischen Stadt Rakka: Der Islamische Staat will künftig Westeuropa verstärkt ins Visier nehmen

Je mehr Gebiete die Dschihadisten vom Islamischen Staat in dem Land unter ihre Kontrolle bringen, desto größer ist ihr Zulauf. 320 Kämpfer schlossen sich am Wochenende dieser Terrormiliz an, die selbst von anderen extremistischen Kräften in Syrien für zu radikal gehalten wird.

Schon in der vergangenen Woche hatte die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die meist gut informiert ist, von 6300 Männern berichtet, die sich den sunnitischen Extremisten angeschlossen hätten. Das Terrormonstrum wächst scheinbar unaufhörlich.

50.000 Mann kämpfen mittlerweile in Syrien für die Dschihadisten. Etwa 20.000 von ihnen kämen aus dem Ausland - vor allem aus dem arabischen Raum und aus Europa, sagt Der Leiter der syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman.

IS-Kämpfer mit abgeschnittenen Köpfen syrischer Soldaten

Ihre Gewaltherrschaft dort können sie immer weiter festigen. Mit der Eroberung des Militärflughafens Al-Tabka im Nordosten des Landes gelang ihnen einer der bisher wichtigsten militärischen Erfolge.

Zugleich nutzten sie den mit hohem Blutzoll errungenen Sieg, um alle möglichen Gegner zu warnen: Nach der Schlacht zogen IS-Kämpfer mit abgeschnittenen Köpfen syrischer Soldaten durch die nahe gelegene Stadt Al-Tabka - eine Botschaft, die jeder versteht.

Dass die Brutalität der Extremisten kaum noch zu überbieten ist, bekommen ihre Feinde in Syrien und im Nachbarland Irak regelmäßig zu spüren. Bei fast allen Kämpfen setzen sie Selbstmordattentäter ein, die mit Autobomben in die Reihen ihrer Gegner rasen.

Das Leben der eigenen Kämpfer spielt für die Terrormiliz keine Rolle. Die Dschihadisten sind zu jedem Opfer bereit - auch darin dürfte ein Grund für ihre militärischen Erfolge liegen.

IS-Millizien zahlen gut

Zudem bezahlen die Extremisten ihre Kämpfer offenbar besser als andere Milizen, die Assad stürzen wollen. Jeder Syrer in den Reihen der IS-Miliz bekomme im Monat 400 US-Dollar, berichten die syrischen Menschenrechtsbeobachter. Verheirateten zahlen die Dschihadisten für jede Frau 100 Dollar und für jedes Kind noch einmal 50 Dollar. IS-Kämpfer erhalten auch Benzin für ihre Autos.

Allen anderen Assad-Gegner - radikale wie gemäßigtere - drohen in dem Konflikt unter die Räder zu kommen. Viele der neuen IS-Kämpfer kommen aus den Reihen konkurrierender Milizen. Nach dem Erfolg in Al-Tabka ist damit zu rechnen, dass der IS seine Angriffe auf die nordsyrische Metropole Aleppo verschärft - bislang eine Hochburg gemäßigterer Assad-Gegner. Einen Verlust der Stadt könnten die wahrscheinlich kaum verkraften.

Mit ihrem großen Herrschaftsbereich in Syrien verfügen die IS-Extremisten über sichere Rückzugsräume für ihre Kämpfer, die im Nachbarland Irak im Einsatz sind. So mögen die US-Luftschläge und kurdische Offensiven gegen die IS-Milizen auf irakischem Gebiet die Dschihadisten zwar schwächen - endgültig besiegen lassen sie sich so jedoch nicht, da sie immer in Syrien Schutz finden können. Vor allem deswegen denken die USA mittlerweile darüber nach, IS-Stellungen auch in Syrien aus der Luft anzugreifen.

Washington soll sich mit Assad abstimmen

Auch beim Regime in Damaskus schrillen nach der Niederlage in Al-Tabka offenbar die Alarmglocken. Bislang hielten Regimegegner der Assad-Regierung vor, sie habe die IS-Milizen groß werden lassen, damit sie die anderen Oppositionellen bekämpften. Die Einnahme des Militärflughafens zeigt jedoch, dass die Dschihadisten bald auch eine akute Gefahr für das Regime selbst werden könnten.

Vor diesem Hintergrund machte der syrische Außenminister Walid al-Muallem dem Westen am Montag ein diabolisches Angebot: Ja, sagte er in Damaskus, Syrien sei im "Kampf gegen den Terrorismus" auf syrischem Boden zur Zusammenarbeit mit den USA und Großbritannien bereit - beides bisher scharfe Gegner des Assad-Regimes.

Syrien will aber nur dann mit dem Westen kooperieren, wenn Damaskus selbst die Führung behält. Sprich: Washington müsste sich mit dem Regime abstimmen. Für den Westen wäre das ein Pakt mit dem Teufel, um einen anderen Teufel zu besiegen. Sich Damaskus unterzuordnen, käme für Washington allerdings gar nicht infrage.

mia/DPA / DPA