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Staatsdinner: Das Dessert kam im Schuh - diplomatischer GAU bei Abe-Besuch in Jerusalem

Wie brüskiert man am schnellsten einen Japaner? Man stellt ihm beim Essen einen Schuh vor die Nase. Dieser diplomatische GAU klingt nach einem Witz, hat sich aber so ereignet, als Japans Regierungschef Shinzo Abe zu Gast in Israel war.

Shinzo Abe Benjamin Netanjahu

Shinzo Abe zu Besuch bei Benjamin Netanjahu (r.) in Jerusalem

AFP

In Schuhen möchte man, außer draußen, ja oft nicht stecken. Im Orient sind sie als Wurfgeschoss eine schmerzhafte Beleidigung, im Haus getragen gelten sie fast überall auf der Welt als unreine Unsitte und der hiesige Aberglaube will es sogar, dass neue Schuhe auf einem Tisch einen zu Fall bringen werden. Man kann natürlich auf all das nichts geben und den Nachtisch bei einem festlichen Dinner in Schuhen servieren und dem Gast vor die Nase stellen. Das kann man schon, aber das ist dann eben ein Affront - so wie jüngst beim Staatsbesuch des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe in Jerusalem.

Dessert im Budapester

Um eine Sache vorweg zu nehmen, bei dem Schuh, der da auf dem Tisch herumstand, handelt es sich nicht um einen echten Treter. Sondern um ein Exemplar aus Metall, ein Kunstwerk des Designers Tom Dixon - aber das ist nur Nebensache. Am Tag nach den Treffen auf höchster Ebene jedenfalls waren der Japaner mit seiner Frau zu Gast beim israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu. Gekocht wurde vom israelischen Starkoch Segev Moshe. Zum Abschluss des Menüs wurden Pralinen serviert – in eben den bereits erwähnten Schuhen, ein Herrenmodell im Budapester-Stil.

Wie genau Shinzo Abe auf das Dessert reagiert hat, ist nicht überliefert, mutmaßlich aber dürfte er mindestens im höchsten Maße irritiert gewesen sein, glaubt man den Äußerungen  eines nicht näher genannten japanischen Diplomaten in der "Washington Post": "Es gibt keine Kultur auf der Welt, in der man Schuhe auf den Tisch stellt. Wenn das ein Witz gewesen sein soll, war er nicht lustig - im Namen des Premierministers, es war beleidigend." Auch auf israelischer Seite gab es Kritik an der Art, den Nachtisch zu servieren: "In der japanischen Kultur gibt es nichts niederes als Schuhe. Das war eine unsensible Entscheidung und eine Respektlosigkeit erster Güte", so ein anonymer Mitarbeiter der israelischen Regierung laut der Zeitung.

Es ist doch kein echter Schuh!

Der Starkoch selbst scheint die Aufregung nicht ganz zu verstehen. Auf Instagram präsentiert er stolz ein Bild seines Werks. Die israelische Zeitung "Yediot Aharonot" zitiert seinen Sprecher mit den Worten: "Das Dessert wurde in einer Skulptur des Künstlers Tom Dixon serviert, dessen Arbeiten in den großen Museen der Welt gezeigt werden. Es ist ein hochqualitatives Stück aus Metall in Form eines Schuhs. Es ist kein echter Schuh." Der diplomatische GAU war offenbar nur der Höhepunkt einer pannenreichen Staatsvisite. So hatte Netanjahu fälschlicherweise behauptet, die Presse würde den Besuch verschweigen, die Presse wiederum beschwerte sich darüber, dass die beiden Regierungschefs keine Pressekonferenz abgehalten haben.

nik