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Israel Elf Menschen sterben bei neuer Gewalt in Nahost


Trotz einer angeblichen Waffenruhe sind bei einem erneuten Gewaltausbruch zwischen Israel und den Palästinensern elf Menschen ums Leben gekommen. Militante Palästinenser hatten ihre Raketenangriffe fortgesetzt, Israels Luftwaffe hat als Reaktion darauf Ziele im Gazastreifen bombardiert.

Beim heftigsten Gewaltausbruch zwischen Israel und den Palästinensern seit August sind am Wochenende elf Menschen getötet worden. Zehn Kämpfer militanter Palästinensergruppen starben bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen, in Israel kam ein Zivilist beim Einschlag einer Rakete ums Leben. Auf einen von Palästinensern ausgerufenen Waffenstillstand ab Sonntagmorgen folgte nur Stunden später ein weiterer israelischer Luftangriff.

Nach Angaben der israelischen Polizei wurden am Sonntag ab 7 Uhr Ortszeit (6 Uhr MEZ) vom Gazastreifen aus keine Raketen mehr auf den Süden Israels abgefeuert. Ein Sprecher der Palästinensergruppe Islamischer Dschihad sagte, seine Organisation werde sich an den von Ägypten vermittelten Waffenstillstand halten, solange auch Israel dies tue. Der Dschihad behalte sich aber das Recht vor, auf Eskalationen seitens Israels zu reagieren, fügte Daud Schahab hinzu.

Ungeachtet des Waffenstillstands griff ein israelisches Kampfflugzeug am Sonntagnachmittag östlich von Rafah im Süden des Gazastreifens nach Armeeangaben ein "terroristisches Kommando" an, das Raketen auf Israel habe abfeuern wollen. Dabei wurde ein Palästinenser getötet und ein weiterer schwer verletzt. Beide gehörten der Demokratischen Front zur Befreiung Palästinas (DFLP) an, die das Waffenstillstandsabkommen ebenso wie die Hamas unterzeichnet hatte.

Luftangriff gegen "Gruppe von Terroristen"

Die israelische Luftwaffe hatte bereits am Samstag mehrere Luftangriffe im Gazastreifen geflogen, bei denen neun Kämpfer militanter Palästinensergruppen getötet und mehrere verletzt wurden. Bei einem ersten Angriff nahe Rafah wurden zunächst fünf Kämpfer der El-Kuds-Brigaden getötet, des bewaffneten Arms des Islamischen Dschihad. Nach israelischen Militärangaben richtete sich der Angriff gegen eine "Gruppe von Terroristen", die gerade einen Raketenangriff vorbereiteten.

Bei der Bombardierung weiterer Ziele im Gazastreifen wurden vier Palästinenser getötet. Mindestens zwei von ihnen hatten den El-Kuds-Brigaden zufolge versucht, eine Grad-Rakete Richtung Israel abzufeuern. El-Kuds-Sprecher Abu Ahmad warf Israel vor, mit den Angriffen auf den Gazastreifen die Spannungen erhöhen und die vereinbarte Freilassung von 550 palästinensischen Gefangenen bis zum Jahresende hintertreiben zu wollen. Im Tausch gegen den von militanten Palästinensern verschleppten israelischen Soldaten Gilad Schalit waren am 18. Oktober bereits mehr als 470 palästinensische Häftlinge auf freien Fuß gekommen.

Nach israelischen Polizeiangaben schlugen am Samstag und Sonntag insgesamt 31 Raketen im Süden Israels ein. Zwölf davon wurden demnach nach Mitternacht abgefeuert, die letzte schlug am Sonntag um 6.40 Uhr Ortszeit ein. In Südisrael waren am Samstag ein Mensch durch vom Gazastreifen abgefeuerte Raketen getötet und vier weitere verletzt worden. Zu den Raketenangriffen bekannten sich militante Palästinenser. Alle weniger als 40 Kilometer vom Gazastreifen entfernten israelischen Schulen blieben am Sonntag geschlossen.

UN und EU sind besorgt

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte am Sonntag, es gebe "keinen Waffenstillstand". Solange die Angriffe der Palästinenser nicht aufhörten, würden diese einen "noch höheren Preis bezahlen als jetzt". Der UN-Sonderkoordinator für den Nahen Osten, Robert Serry, rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton äußerte sich "beunruhigt" über die Gewalteskalation. Sie verurteilte zugleich den "wahllosen Beschuss von Zivilisten" und forderte alle Seiten zur Einhaltung des Waffenstillstands auf.

Beim letzten schweren Gewaltausbruch im August waren 27 Palästinenser und ein Israeli getötet worden. Der daraufhin am 26. August vereinbarte Waffenstillstand hatte größtenteils gehalten.

kave/mlr/AFP AFP

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