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Israel: Kabinett berät über Vergeltungsschlag

Nach dem Selbstmordattentat in Tel Aviv, das neun Menschenleben forderte, berät die israelische Regierung über Vergeltungsschläge. Der Vater des Attentäters wurde bereits festgenommen; die Hamas rechtfertigte das Blutbad als einen Akt der "Selbstverteidigung".

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert will am Dienstag über mögliche Vergeltungsschläge für den schweren Selbstmordanschlag in Tel Aviv entscheiden. Wie die israelische Zeitung "Haaretz" berichtete, tritt das Kabinett deswegen zusammen.

Israel müsse eine "strategische Entscheidung" über seine Haltung zur Hamas fällen, zitiert das Blatt Regierungsvertreter. "Die Situation hat sich verändert. In der Vergangenheit hat die palästinensische Regierung den Terror weder unterstützt noch gerechtfertigt. Heute unterstützen offizielle Vertreter der Hamas in der Öffentlichkeit den Terror und rechtfertigen den Terroranschlag. Da bleibt kein Platz für Analysen. Wir müssen eine Entscheidung treffen, wie auf eine Regierung, die Terror rechtfertigt, zu reagieren ist", schrieb "Haaretz" unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Regierungsvertreter weiter.

Der Vater des Selbstmordattentäters wurde unterdessen bei einer Razzia nahe Dschenin im Westjordanland am Dienstagmorgen festgenommen. Die Familie hatte bereits ihr Haus geräumt, weil sie annahm, die Isrealis würden es zerstören.

10 Tote, mehr als 60 Verletzte

Der Anschlag am Ostermontag war der erste, seitdem die radikal-islamische Hamas die Palästinensergebiete regiert. Der palästinensische Selbstmordattentäter hatte sich an einem Schnellimbiss in Tel Aviv in die Luft gesprengt und neun Menschen mit in den Tod gerissen. Die Hamas bezeichnete den Anschlag als "Selbstverteidigung".

Israelische Medien berichteten, mehr als 60 weitere Menschen seien bei dem Anschlag verletzt worden, einige davon schwer. Olmert sprach von einem "sehr schlimmen Vorfall", auf den Israel angemessen reagieren werde. Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri sagte in Gaza, solche Anschläge gehörten zum Recht des palästinensischen Volkes. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte die Tat hingegen als Terror.

Steinmeier fordert "Mäßigung"

Die US-Regierung verurteilte den Selbstmordanschlag scharf. Es handele sich um eine "verabscheuungswürdige Tat, für die es keine Entschuldigung oder Rechtfertigung geben kann", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier rief die neue palästinensische Regierung nachdrücklich dazu auf, ihren internationalen Verpflichtungen nachzukommen, "terroristische Gruppen zu entwaffnen und terroristische Infrastruktur zu zerstören". Steinmeier rief alle Seiten zur "Mäßigung" auf.

DPA / DPA