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Italien im humanitären Notstand Flüchtlingsstrom in Italien wächst weiter an

Dramatische Szenen auf Lampedusa: Immer mehr Flüchtlinge erreichen die italienische Insel. Mehr als 4000 waren es nach Angaben der Behörden seit Mittwoch. Die italienische Regierung hat den Notstand ausgerufen.

Der Ansturm tunesischer Flüchtlinge auf Italien wird immer dramatischer. In der Nacht zum Sonntag seien fast 1000 illegale Einwanderer auf der Mittelmeerinsel Lampedusa angekommen, sagte der örtliche Chef der italienischen Küstenwache, Antonio Morana, am Sonntag. "Die Situation ist schwierig", sagte Morana. "Es kommen unaufhörlich weitere Schiffe an." Allein von Mittwoch bis Samstag hatten nach Behördenangaben rund 3000 illegale Einwanderer aus Nordafrika Italiens Küsten erreicht.

Weil sich die Lage auf der Insel innerhalb weniger Tage dramatisch verschärft hat, kam die Regierung in Rom am Samstag zu einer Sondersitzung zusammen und rief den humanitären Notstand aus. Mit einer Luftbrücke sollen jetzt alle Neuankömmlinge in kürzester Zeit von Lampedusa in süditalienische Auffanglager gebracht werden. Möglicherweise wird auch ein geschlossenes Empfangszentrum auf der Insel wiedereröffnet.

Auf Lampedusa herrscht Notstand, weil die Behörden überfordert und die Flüchtlingslager auf der kleinen Insel bereits seit vielen Monaten nicht mehr belegt worden sind. Die Ankömmlinge mussten also provisorisch untergebracht werden. Am Samstag sollten mindestens zehn Flüge die meisten Immigranten nach Bari und Crotone bringen, hunderte Menschen zudem per Schiff nach Sizilien gefahren werden. Ein Großteil der Immigranten war schon von der Insel gebracht worden.

Innenminister Roberto Maroni hatte bereits am Freitag vor dem Notstand gewarnt. Es bestehe auch die große Gefahr, dass sich in den Wirren nach dem Volksaufstand in Tunesien Terroristen unter die Immigranten mischen könnten. Es gebe wegen der Krise dort keine Kontrollen mehr. Außenminister Franco Frattini hat rasche Maßnahmen der EU zur Bewältigung des Flüchtlingsstroms verlangt und will mit der neuen Regierung in Tunis über eine Lösung sprechen. Rom hatte ein Abkommen mit Tunesien getroffen, schickt Flüchtlinge zumeist sofort zurück.

Lampedusa erlebt damit erneut eine massive Flüchtlingswelle aus Nordafrika. Maroni hat bisher ausgeschlossen, die ehemaligen Zentren für Flüchtlinge auf Lampedusa wiederzueröffnen. Etwa 1000 Menschen könnte das "Empfangszentrum" dort zumindest vorübergehend aufnehmen.

Die Lager der Insel südlich von Sizilien waren geschlossen worden, nachdem wegen der umstrittenen Flüchtlingspolitik der italienischen Regierung kaum noch Menschen dort eintrafen. Zuvor waren von Juli 2008 bis Juli 2009 noch mehr als 20 000 Bootsflüchtlinge dort angekommen.

liri/AFP/DPA DPA

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