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"Markus Lanz" Ex-Berater Bolton über Trump: "Er hört nur auf seinen Bauch, und das kann sehr gefährlich sein"

Sehen Sie im Video: "Wir müssen abwarten, was passiert": Trump will friedliche Machtübergabe nicht garantieren.


US-Präsident Donald Trump hat es abgelehnt, eine friedliche Übergabe der Macht nach der Wahl im November zu garantieren.  Auf die Frage eines Reporters, ob er bei "Sieg, Niederlage oder Unentschieden" bei der Wahl "hier und heute" eine friedliche Übergabe zusichere, antwortete Trump: "Wir müssen abwarten, was passiert." 
In seiner Antwort warnte Trump mit Blick auf die Zunahme der Abstimmung per Briefwahl erneut vor Betrug, ohne dafür stichhaltige Beweise vorzulegen. Der Präsident machte deutlich, dass es ohne Wahlbetrug seiner Ansicht nach nicht zu einem Machtwechsel, sondern zu einer Fortsetzung seiner Regierung kommen wird.  Sein Konkurrent Joe Biden sagte in Wilmington im US-Bundesstaat Delaware nach Angaben von Reportern zu Trumps Aussage: "Er sagt die irrationalsten Dinge. Ich weiß nicht, was ich sagen soll."
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Dem Enthüllungsbuch folgte kein Enthüllungsgespräch: Es hätte spannend werden können, doch Markus Lanz lieferte beim Talk mit John Bolton, der Trumps Wiederwahl verhindern will, keine Überraschungen. Fazit: Trump bleibt Trump – das war schon immer so.
Von Sylvie-Sophie Schindler

Naja, soll das wirklich ein Kronzeuge sein? Georg Streiter zeigte seine Skepsis, und auch Katja Kipping war nicht gerade "amused". "Der wäre als Präsident selbst ein Hardliner geworden", so das Statement des ehemaligen stellvertretenden Regierungssprechers. "Er steht für Isolationismus und Nationalismus", wandte die Bundesvorsitzende der Linkspartei ein.

Mit "der" und "er“ war Talkgast John Bolton gemeint, der aus Washington zugeschaltet war. Der Mann also, der Donald Trump 2016 bei der Präsidentschaftswahl unterstützte und während dessen Amtszeit siebzehn Monate lang der 27. Sicherheitsberater der USA war. Mit Boltons 600-Seiten-Bericht "Raum, in dem alles geschah" liegt nun ein nächstes Enthüllungsbuch über den US-Präsidenten vor – erst vor einigen Wochen hatte Mary Trump in "Zu viel und nie genug" über ihren Onkel ausgepackt. 

John Bolton in ZDF-Sendung "Markus Lanz"
Donald Trumps Ex-Sicherheitsberater John Bolton war in die ZDF-Sendung "Markus Lanz" zugeschaltet
© Screenshot / ZDF

John Bolton warnte vor zweiter Trump-Amtszeit

Abrechnungen mit dem mächtigsten Mann der Welt, die ihre Wirkung haben sollen. Für Bolton ist das Ziel eindeutig und das bekräftigte er am Donnerstagabend in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz: Trumps Wiederwahl verhindern. Mehr als eine Amtszeit könne die USA nicht vertragen. Käme sie doch, hätte das, wie er sagte, "eine verheerende Wirkung". Trump sei, das machte er gleich deutlich, überhaupt keiner Partei zuzuordnen: "Er ist einfach nur Trump." Ohne politische Leitlinien. Der nichts anderes erreichen wolle, als erneut ins Präsidentenamt gewählt zu werden. Es gäbe für Trump die Sieger und die Verlierer, und für ihn stehe es außer Frage, ein Sieger zu sein. So schlicht, so simpel.

Wenn das so ist, warum für einen derart gestrickten Mann dann arbeiten? Der nichts für andere will, aber alles für sich? Oder mit Markus Lanz an Bolton gefragt: "Warum fällt Ihnen das erst jetzt auf?" Der aber wollte sich nichts vorwerfen lassen und gab zu erkennen, dass er nie blind, sondern "die Augen weit offen" gehabt habe, als er in sein Amt eingetreten sei. Und er beteuerte, während seiner Amtszeit das Beste gegeben zu haben für politisch fundierte Entscheidungen – auch wenn das gar nicht gewollt gewesen sei. Denn Trump brauche keine gut durchdachten Pläne. "Er hört nur auf seinen Bauch, und das kann sehr gefährlich sein."

Dass Trump mit einer Schimpftirade gegen Bolton hetzte, sei erwartbar gewesen – sie wurde per Einspieler gezeigt. Demnach habe Bolton kein Herz und man solle ihn ins Gefängnis werfen. Any comment? Bolton wehrte ab, denn Trump sage das und Ähnliches über die verschiedensten Leute. Das sei "bedauernswert" und "nicht erwachsen". Menschen öffentlich derart zu verleumden, beschädige die Würde des Amtes. Den weiteren Vorwurf, er würde lügen, hätte sogar unterschrieben, dass er es täte, wies Bolton, nachdem Lanz nachhakte, entschieden von sich.

Talk mit Markus Lanz blieb oberflächliches Geplauder

Stichwort: Trump und Frauen. In einer Passage schreibt Bolton, das Verhältnis zu Angela Merkel und zu Theresa May habe zu den problematischsten gehört, "die ich beobachten konnte". "Warum? Angst vor klugen Frauen?", wollte Lanz wissen. "Ich bin kein guter Psychotherapeut", antwortete Bolton. Und meinte, die Beziehung zu Alliierten sei immer viel schwieriger. Über die Beziehung zu anderen Regierungsmächten denke Trump zudem sehr schlicht, ohne politische Überlegungen. Nach dem Motto, wenn ich eine gute Beziehung zu Putin habe, dann habe ich sie auch zu Russland.

Was wird in den entscheidenden Stunden der Wahlnacht passieren? Bolton prognostizierte, Trump würde in den ersten Stunden wie der sichere Sieger aussehen. Was sonst passieren werde, ob es Probleme bei der Auszählung gebe, sei schwierig zu sagen. Eines aber sei schon mal sicher: "Die Wahl wird knapp."

Gemessen an den 600 Seiten Enthüllung war das Gespräch mit Markus Lanz leider alles andere als eine weitere Offenbarung. Oberflächliches Geplauder, ohne kritische Nachfragen, vor allem nicht in Bezug auf Bolton selbst. Mit einem wenig überraschenden Ergebnis: Dass Trump so ist, wie Bolton es schildert, blieb der Öffentlichkeit bisher kaum verborgen.

"Markus Lanz" können Sie in der ZDF-Mediathek noch einmal sehen.

wue

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