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John Edwards: Die schmutzigen Tricks im US-Wahlkampf

Senator John Edwards - Demokrat und Kandidat für das US-Vizepräsidentenamt - hielt auf dem Parteitag in Boston eine umjubelte Rede, in der er den "schmutzigen Wahlkampf" der Republikaner kritisierte.

John Edwards nutzte seine Chance. In seiner ersten von allen großen US-Sendern übertragenen Rede wurde Edwards seinem Ruf als begnadeter Redner, charismatischer Südstaatler und geschickter Politiker gerecht. Die Delegierten auf dem Parteitag in Boston dankten es ihm mit minutenlangem Jubel. Edwards präsentierte sich als Sachwalter der einfachen Leute, er pries den Präsidentschaftskandidaten John Kerry als "starken und entschlossenen" Führer, der eine "optimistische Vision" für ein gerechteres, geachtetes Amerika habe.

Aber Edward überraschte mit einem heftigen Angriff auf die Republikaner und indirekt auf die konservativen US-Medien wegen ihres schmutzigen Wahlkampfs. Sie täten alles, so Edwards, "um den Wahlkampf um das höchste Amt auf das niedrigste Niveau zu drücken". Und bis zum November werde es noch schlimmer werden mit "den negativen Attacken". Die turbulenten Tage des demokratischen Konvents in Boston haben in der Tat einen Vorgeschmack auf den sicher teuersten, möglicherweise aber auch schmutzigsten Wahlkampfs in der US-Geschichte gegeben.

Erinnerungen an den Wahlkampf 1988

Ausgerechnet die Weltraumbehörde NASA, die besonders stark von Geldern aus Washington abhängig ist, hat Kerry in eine missliche Lage gebracht. Kaum etwas bringt derzeit die Demokraten mehr auf, als ein angeblich gezielt lanciertes Foto von Kerry, auf dem er bei einem NASA-Besuch am Montag eingehüllt in einen hellblauen Raumanzug, der lediglich sein Gesicht frei lässt, etwas verkrampft lächelnd aus einer Röhre kriecht.

Erinnerungen an den Wahlkampf 1988 werden wach, als der damalige demokratische Kandidat Michael Dukakis sich überreden ließ, mit einem - für den eher kleinen Mann - viel zu großen Helm auf dem Kopf aus der geöffneten Luke eines Panzers in die Kameras zu strahlen. Das unglückliche Bild gab ihn der Lächerlichkeit preis - und galt später als nicht unwesentlich für seine Niederlage gegen George Bush. Nun publizieren manche konservative Medien mehrfach und zuweilen ganzseitig das unglückliche Foto mit Kerry - viele unabhängige und liberale Medien dagegen gar nicht. Die Spaltung Amerikas hat längst auch die Medien erfasst.

Besonders beliebte Zielscheibe für unfaire Attacken ist Teresa Heinz Kerry, die Frau des Präsidentschaftskandidaten. Ausgerechnet über den hoch geachteten demokratischen Senator Edward Kennedy hatte sie vor Jahren gesagt, wenn es stimme, dass er seine Ehe nur aus Rücksicht auf katholische Wähler aufrechterhalte, sei er ein "echter Bastard". Dass sie sich mit Botox die Falten hat wegspritzen lassen und eine Abtreibung hinter sich hat, wird natürlich auch immer wieder erwähnt.

"Propagandafilm" von Moore

Die Konservativen beklagen das weit verbreitete "irrationale Bush- Bashing", dessen schlimmster Auswuchs der Michael-Moore-Film "Fahrenheit 9/11" sei. Die Demokraten profitierten von diesem "Propagandafilm", in dem Politiker wie Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz in entwürdigender Weise präsentiert und Fakten übel verdreht würden. Der "Boston Globe" brachte als Beleg für die Nähe Moores zu den Demokraten ein Foto, auf dem er in der Konventsloge von Ex-Präsident Jimmy Carter sizzt.

Edwards weiß, dass auch die Demokraten keine Waisenknaben im Wahlkampf sind. Aber seine Empörung hat auch mit der Macht der Massenmedien wie Fox News zu tun, die aus ihrer Parteilichkeit kaum einen Hehl machen. Edwards besetzte geschickt das Thema "Schmutziger Wahlkampf" - schließlich ist er nicht nur der Vize Kerrys, sondern auch sein möglicher Nachfolger, sollte Kerry verlieren. Dann muss sich Edwards allerdings im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur mit einem anderen charismatischen Liebling der Partei auseinander setzen: mit Senatorin Hillary Clinton.

Laszlo Trankovits/DPA / DPA