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Meinungsstudie Jugendliche stehen der EU skeptisch gegenüber

In Rom fand im März eine Pro-EU-Demonstration statt
Deutsche Jugendliche stehen der EU weniger kritisch gegenüber
© Vandeville Eric/Picture Alliance
Die Länder der EU teilen wenige kulturelle Werte, wirtschaftlich ist das Bündnis jedoch ein Gewinn. Dieses Bild herrscht zumindest bei einem Großteil der jungen Europäer. In Deutschland fällt das Stimmungsbild positiver aus.

Wie sehen Europas Jugendliche die EU? Dieser Frage ging das Meinungsforschungsinstitut YouGov nach. Die Befragung von 6000 Heranwachsenden zeigt: Das europäische Gemeinschaftsgefühl schwächelt.

Die überwiegende Mehrheit der Befragten sieht die EU vor allem als Wirtschaftsbündnis. Für 76 Prozent der 16- bis 26-Jährigen aus sieben europäischen Staaten sehen die Gemeinschaft bei der Durchsetzung ökonomischer Ziele als bedeutend an. Dagegen finden nur 30 Prozent der Teilnehmer in Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Großbritannien, Polen und Griechenland, dass gemeinsame kulturelle Werte verbinden. "Ein Europa, dessen Wert vor allem in den Vorteilen des Binnenmarkts gesehen wird, droht austauschbar und beliebig zu werden", erklärte der Vorsitzende des Stiftungskuratoriums, Thomas Ellerbeck.

Demokratieskepsis in Frankreich und Polen

Er rief Politiker und alle anderen "gesellschaftlichen Akteure" dazu auf, über "die gemeinsamen Werte Europas" zu diskutieren. "Die wertebasierten Bindekräfte Europas wurden lange Zeit für selbstverständlich gehalten." Dies gelte heutzutage nicht mehr.

Der Studie zufolge herrscht unter jungen Menschen auch erhebliche Demokratieskepsis. Nur 52 Prozent betrachtet die Demokratie als die beste Staatsform. In Frankreich und Polen sind es lediglich 42 Prozent, in Italien 45 Prozent, in Deutschland 62 Prozent. Mehr als jeder dritte Befragte wünscht sich außerdem, dass die EU wieder Macht an nationale Regierungen abgibt. In Griechenland (60 Prozent) und Großbritannien (44 Prozent) ist diese Meinung besonders verbreitet. In Deutschland sieht das anders aus: Hier sind nur 22 Prozent der jungen Menschen für eine solche Rückübertragung.

Die meisten Deutschen stehen zur EU

Generell zeigt sich in Deutschland ein pro-europäisches Stimmungsbild: Die meisten jungen Menschen sind hier klare Fans der Europäischen Union. Mehr als zwei Drittel der Befragten sind demnach für einen Verbleib Deutschlands in der EU, nur 12 Prozent für einen Austritt. In Griechenland ist der Wunsch nach einem Austritt am größten: 31 Prozent der Jugendlichen möchten nicht in der EU verbleiben.

Der von der Stiftung hinzugezogene Experte Marcus Spittler vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung warnte davor, die Ergebnisse der Studie für eine "generelle Jugendschelte" zu nutzen. Prinzipiell unterstützten junge Erwachsene die "europäische Idee", sie hinterfragten aber "spezifische Politiken und institutionelle Arrangements".

"Ihre Zufriedenheit mit der EU ist begrenzt, sie basiert auf keinem gemeinsamen Wertegerüst", erklärte der Wissenschaftler. Entsprechend "fragil" sei ihre Zustimmung. Nach Angaben der Tui-Stiftung befragte Yougov die 6000 Teilnehmer zwischen dem 16. Februar und dem 3. März online. Für jedes Land wurden die Befragten demnach repräsentativ gewichtet.

fri AFP DPA

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