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Kämpfe in Syrien: Dissidenten planen Konferenz am Montag

Seit mehr als drei Monaten demonstrieren Hunderttausende in Syrien für politische Reformen. Das Regime von Machthaber Assad antwortet mit brutaler Gewalt. Nun wollen Dissidenten bei einer Konferenz nach einer Lösung suchen.

Rund 100 namhafte syrische Dissidenten wollen an diesem Montag in einem Hotel in Damaskus zusammenkommen, um nach einem Ausweg aus der Krise zu suchen. Seit drei Monaten andauernde Massenproteste gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad werden von den Sicherheitskräften blutig unterdrückt und legen das Land lahm. Beobachter befürchten, dass auch das Dissidententreffen mit Gewalt verhindert werden könnte.

"Die Teilnehmer der Konferenz sind zwar nicht die Wortführer der Demonstrationen", sagte ein syrischer Aktivist im Nordlibanon der Nachrichtenagentur dpa. "Aber es sind Persönlichkeiten der Opposition, die in den vergangenen Monaten wegen ihres Rufes nach Reformen zeitweilig verhaftet worden waren."

Als Organisator der Konferenz tritt der Schriftsteller Luai Hussein hervor. Auch er saß wegen seiner Kritik am Regime schon mehrfach im Gefängnis. Im Mai führte er nach Medienberichten Gespräche mit Assad-Beratern. Die Aktivisten der Opposition hoffen, dass sich das Treffen zu einer Art Kommunikationskanal entwickelt, über den die Protestbewegung ihre Anliegen an das Regime herantragen kann.

Syrische Truppen rückten am Sonntag in die Ortschaft Al-Kusair ein, die zwischen der Großstadt Homs und der libanesischen Grenze liegt. Schüsse seien selbst noch auf der libanesischen Seite der Grenze zu hören gewesen, hieß es. Nach Angaben von syrischen Aktivisten durchkämmte das Militär die Umgebung nach Oppositionellen. Neue Flüchtlinge kamen über die Grenze in den Libanon, bestätigten libanesische Sicherheitskreise.

Sicherheitskräfte schossen am Samstag im Vorort Kiswa bei Damaskus auf Trauernde, die ihre bei einer Demonstration getöteten Angehörigen begraben hatten. Dabei starben zwei Menschen, berichteten syrische Menschenrechtsaktivisten. Panzer waren in Kiswa eingerückt, um Trauerzüge für die getöteten Demonstranten zu unterbinden. Tausende Menschen demonstrierten am Ende dennoch. Am Freitag waren bei Anti-Assad-Kundgebungen im ganzen Land 20 Menschen gewaltsam ums Leben gekommen, gaben die Aktivisten bekannt.

Das brutale Vorgehen der syrischen Sicherheitskräfte löste eine neue Flüchtlingswelle aus. Rund 1600 Menschen flohen bis zum Wochenende in die Türkei, etwa 1000 in den Libanon. Dort kamen auch Menschen an, die am Freitag bei den Demonstrationen in der Stadt Homs verletzt worden waren. Sieben von ihnen wiesen Schusswunden in verschiedenen Körperteilen auf, berichteten libanesische Sicherheitskräfte am Grenzübergang Wadi Chalid.

In Syrien demonstrieren seit mehr als drei Monaten Hunderttausende Bürger für politische Reformen und für einen Regimewechsel. Die Führung in Damaskus entzog sich den Forderungen mit vagen Versprechungen und ließ ihre Sicherheitskräfte mit Schusswaffen auf die Regimegegner losgehen. 1300 Demonstranten und 300 Armee- und Polizeiangehörige kamen nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten bisher ums Leben.

DPA/DPA