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Russische Invasion Kampfjets können der Ukraine helfen – aber nur, wenn der Krieg noch lange dauert

Zwei Kampfjets vom Typ F16 fliegen über Polen
Zwei F-16 bei einer Nato-Übung im polnischen Luftraum.
© Radoslaw Jozwiak / AFP
Soll der Westen Kampfjets an die Ukraine liefern? Staaten wie die Niederlande, Polen und Großbritannien sagen Ja. Doch eine Hilfe für das Land sind die Flugzeuge nicht – jedenfalls nicht so schnell. 

Die Debatte um westliche Kampfjets für die Ukraine eskalierte rasant, flaute aber erstaunlich schnell wieder ab. Kaum hatte Bundeskanzler Olaf Scholz Ende Januar grünes Licht für die Lieferung von Leopard-Panzern gegeben, forderten die Verantwortlichen in Kiew bereits die nächsten Waffenladungen: vor allem Kampfjets. Von Scholz kam schnell ein klares Nein, andere Länder dagegen waren und sind nicht so zimperlich. Mittlerweile schließt auch die Niederlande nicht aus, der Ukraine Flugzeuge zu überlassen – was kaum noch eine Meldung wert zu sein scheint.

Ein Dutzend Menschen für die Wartung eines Jets

Wer sich mit Experten über den Einsatz von Kampfflugzeugen in der Ukraine unterhält, stellt fest, dass bei der Diskussion ein paar grundsätzliche Aspekte vergessen werden. Etwa der Faktor Zeit. Sprich: Wie schnell wären ukrainische Piloten überhaupt in der Lage, eine Maschine, zum Beispiel eine F-16 zu beherrschen? Optimisten in den USA gehen davon aus, dass das Pilotentraining ein halbes Jahr in Anspruch nehmen würde. Ein Bundeswehr-Offizier, der nicht genannt werden will, sagte dem stern: "Die gesamte Ausbildung für solche Flugzeuge geht über vier, fünf Jahre. So gesehen lohnen sich Kampfjets nur, wenn man davon ausgeht, dass der Ukraine-Krieg nach Jahre dauern wird."

Aber auch mit fähigen Piloten alleine ist es nicht getan. Pro Kampfjet wird rund ein Dutzend Frauen und Männer benötigt, die das Flugzeug einsatzfähig machen und halten. Auch die müssten entsprechend ausgebildet werden. Oder aus den Geberstaaten in die Ukraine entsandt werden – was allerdings einer Kriegsbeteiligung gleichkommen würde. "Dann wären wir genau in der Situation, die wir vermeiden müssen", so der Offizier.

Der Militärexperten Carlo Masala von der Bundeswehr-Uni München glaubt, dass Kampfjets der Ukraine zwar prinzipiell helfen würden, derzeit aber andere Dinge wichtiger seien – etwa Kurzstreckenraketen und der Nachschub von Munition und Material. Möglicherweise sind solche Erwägungen wie auch der generelle Aufwand ein Grund dafür, dass relativ viele Staaten relativ schnell die Kampfjet-Lieferung "nicht ausschließen" wollten – weil sie ahnen, dass die Solidaritätsgeste aufgrund der komplexen Umsetzung nicht mehr als ein Angebot bleiben wird.

Klares Signal an Russland

Doch ganz gleich, ob Deutschland, die USA oder Frankreich Maschinen in die Ukraine schicken oder nicht, allein die Bereitschaft dazu ist ein klares Signal an Russland. Wenn Kremlchef Wladimir Putin bereit zu sein scheint, jeden Preis für seinen Krieg zu bezahlen, dann sind große Teile der Welt bereit, über ihre Schmerzgrenzen zu gehen, wenn es um die Unterstützung des angegriffenen Landes geht.

Quellen: DPA, AFP, "Die Welt", t-online

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