KANDAHAR Karsai überlebt Mordanschlag


Auf den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai ist am Donnerstag nach Augenzeugenberichten ein Mordanschlag verübt worden. Ein Wachmann schoss demnach in Kandahar auf das Fahrzeug, in dem Karsai saß. Die amerikanischen Leibwächter des Präsidenten erwiderten das Feuer.

Drei Personen getötet

Ein Attentat auf Präsident Hamid Karsai in Kandahar und ein schwerer Bombenanschlag in Kabul mit mindestens zehn Toten haben am Donnerstag Afghanistan erschüttert. Karsai überlebte den Anschlag eines Wachmannes offenbar unverletzt. Der Gouverneur von Kandahar, Gul Agha Schersai, wurde nach Angaben von Augenzeugen verletzt. Außerdem wurden drei Personen getötet, als amerikanische Leibwächter des Präsidenten das Feuer erwiderten. Nur wenige Stunden zuvor war in Kabul eine Bombe explodiert, die Dutzende Menschen tötete oder verletzte.

Verletzungen nicht lebensbedrohlich

Karsai hielt sich zur Hochzeitsfeier seines jüngsten Bruders in Kandahar auf, der ehemaligen Hochburg der Taliban. Laut Augenzeugen schoss ein afghanischer Wachmann auf das Fahrzeug, in dem Karsai saß. Der Zwischenfall ereignete sich, als Karsai die Residenz des Gouverneurs von Kandahar verließ. Nach dem Anschlag kehrte Karsai in das Gästehaus des Gouverneurs zurück. Es gehe ihm gut, erklärte er nach dem fehlgeschlagenen Attentat. Gouverneur Schersai wurde in ein US-Lazarett in Kandahar gebracht. Seine Verletzungen sind nach Angaben eines Sprechers nicht lebensbedrohlich.

Attentat mit Schüssen

Außenminister Abdullah sagte, es gebe keinen Zweifel, dass der Anschlag Karsai gegolten habe. Augenzeugen sagten, Karsais Wagen sei vom Haus des Gouverneurs weggefahren, als Schüsse in seine Richtung fielen. US-Sondereinsatzkräfte, die den Präsidenten bewachten, hätten ihm zugerufen, in Deckung zu gehen, und der Konvoi sei mit hoher Geschwindigkeit davongerast.

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Bombenattentat auf belebtem Markt

In Kabul ereignete sich nur wenige Stunden zuvor der blutigste Anschlag seit dem Sturz der Taliban im November vorigen Jahres. Bei der Explosion einer Bombe in einem Taxi auf einem belebten Markt in der Nähe des Informationszentrums wurden nach unterschiedlichen Angaben zehn bis 26 Menschen in den Tod gerissen. Über 60 Menschen wurden verletzt.

Mehrere Autos und Häuser beschädigt

Augenzeugen berichteten, zunächst sei in der Gegend ein kleinerer Sprengsatz detoniert, woraufhin viele Menschen auf den Marktplatz strömten. Die Autobombe explodierte vor einem Gebäude, in dem Fernsehgeräte und Satellitenschüsseln verkauft werden. Die Wucht der Detonation beschädigte mehrere Autos und Häuser, Fensterscheiben gingen zu Bruch. Die Polizei riegelte das Gebiet ab, ebenso wie mehrere Hauptstraßen. Sicherheitskräfte, teilweise bewaffnet mit Raketenwerfern und Maschinengewehren, bezogen an strategisch wichtigen Punkten in der Stadt Stellung.

Bombenserie in Kabul seit August

Die Explosion war die bislang schwerste in einer Serie, die Kabul seit dem 15. August erschütterte. Erst vor wenigen Tagen hatte der ehemalige Ministerpräsident und Mudschahedin-Führer Gulbuddin Hekmatjar zum Heiligen Krieg aufgerufen, um amerikanische Truppen aus Afghanistan zu vertreiben. »Wir wissen nicht, wer hinter der Explosion steckt, aber wir wissen, dass die letzten Bomben auf das Konto von El Kaida und Gulbuddin (Hekmatjar) gingen«, sagte Polizeisprecher Dul Aka. Hekmatjar ist seit seiner Ausweisung aus Iran untergetaucht. Es wird vermutet, dass er sich im Osten Afghanistans aufhält.

Keine Deutschen unter Opfern

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin sagte, unter den Toten und Verletzten seien keine Deutschen. Es werde jetzt »kräftig Hilfe geleistet«. Ambulanzfahrzeuge der internationalen Schutztruppe waren im Einsatz.

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