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Karikaturen-Protest: Müntefering symbolisch gehenkt

Muslime in der pakistanischen Stadt Peshawar haben ihre Wut über die Mohammed-Karikaturen an Puppen ausgelassen, die den deutschen Vizekanzler Franz Müntefering und den dänischen Ministerpräsidenten Anders Fogh Rasmussen darstellen.

Unklar blieb, warum sich der Protest gegen den in Pakistan eher unbekannten Vizekanzler richtete. Die Puppen trugen keinerlei erkennbare Gesichtszüge. Dänemark hat wegen der gewalttätigen Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen auch seine Botschaft in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad bis auf weiteres geschlossen. Ein Sprecher begründete den Schritt am Freitag mit Sicherheitsbedenken, nachdem bei den Demonstrationen gegen die zuerst in Dänemark erschienenen Zeichnungen mehrere Menschen ums Leben gekommen waren. Der frühere US-Präsident Bill Clinton kritisierte unterdessen die Veröffentlichung der Zeichnungen als "einen Fehler".

Kopfgeld auf Mohammed-Karikaturisten ausgesetzt

Ebenfalls in der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar setzte der Vorsitzende der zentralen Mohabat-Khan-Moschee, Malana Yousaf Qureshi, am Freitag ein Kopfgeld von 25.000 Dollar auf die Zeichner der Mohammad-Karikaturen aus. Das werde "die Menschen ermutigen, Gotteslästerer zu töten".

Nach Attacken auf diplomatischen Vertretungen hatte Dänemark bereits seine Botschaften in Indonesien, Iran, Syrien und Libanon vorläufig geschlossen. Die konsularischen Verpflichtungen der dänischen Vertretung in Pakistan sollen mit Hilfe der dortigen deutschen Botschaft wahrgenommen werden. Als Reaktion beorderte das pakistanische Außenministerium seinen Botschafter aus Kopenhagen zurück.

Der frühere US-Präsident Clinton sagte nach einem Treffen mit dem pakistanischen Premierminister Shaukat Aziz in Islamabad, religiöse Gefühle müssten "unter allen Umständen" auch von Medien respektiert werden. Auch die Präsidentin des deutschen Goethe- Instituts, Jutta Limbach, warnte vor einem einseitigen westlichen Blick auf die Auseinandersetzung.

Aus für russische Zeitung

Für 53 Prozent der Bundesbürger ist laut ZDF-Politbarometer im Karikaturen-Streit der Schutz der Pressefreiheit wichtiger als die Rücksichtnahme auf religiöse Wertvorstellungen. 37 Prozent sprachen sich dagegen für den Vorrang religiöser Wertvorstellungen aus, wie die Umfrage ergab.

Im russischen Wolgograd verkündeten die Behörden das Aus für die Zeitung "Gorodskije Westi", weil diese eine Mohammed-Karikatur veröffentlicht hatte. In Russland sind etwa 20 Millionen Menschen oder ein Siebtel der Bevölkerung Muslime.

DPA