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KASCHMIR-KONFLIKT: USA und UNO fordern diplomatische Lösung

Nach verstärktem Truppenaufmarsch an der indisch-pakistanischen Grenze fordern USA und UNO die Konfliktparteien auf, eine diplomatische Lösung zu finden.

Nach dem sich zuspitzenden Konflikt zwischen Indien und Pakistan haben die USA und die Vereinten Nationen die beiden Atommächte aufgefordert, den Konflikt um Kaschmir im Dialog beizulegen. Die USA stuften zugleich zwei separatistische Gruppen als terroristisch ein, die Indien für einen Anschlag auf sein Parlament Mitte Dezember verantwortlich macht.

Indien bringt Mittelstreckenraketen in Position

Pakistan verlangte von Indien, seine »offensive und aggressive Haltung« aufzugeben und die Truppenverlegungen an der Demarkationslinie in Kaschmir rückgängig zu machen. Indien hatte zuvor eigenen Angaben zufolge Systeme zum Abschuss von Mittelstreckenraketen »in Position« gebracht und Kampfflugzeuge an die Grenze verlegt.

Streitpunkte müssen im Dialog beigelegt werden

»Kein Konflikt zwischen den beiden Ländern kann zu einem guten Ergebnis führen, für keinen der beiden«, sagte Philip Reeker, Sprecher von US-Außenminister Colin Powell, in Washington. Dies sei auch die Botschaft, die Powell bei mehreren Telefonaten den Regierungen beider Länder vermittelt habe. UNO-Generalsekretär Kofi Annan forderte die Regierungschefs beider Länder in Briefen auf, die Spannungen nicht weiter anzuheizen. Um die Atmosphäre zwischen den Ländern zu beruhigen, müsse jede Anstrengung unternommen werden, damit die Streitpunkte, »wie groß sie auch immer sein mögen, durch Dialog und Diplomatie gelöst werden können«.

Indien macht Pakistan dafür verantwortlich, dass sich die separatistischen Gruppen entwickeln und Anschläge wie den auf das indische Parlament ausführen können. Die Gruppen kämpfen entweder für die Selbstständigkeit der zu Indien gehörenden Region oder ihren Anschluss an Pakistan.

Seperatistengruppen in den USA auf der Liste »verbotener Vereinigungen«

Die USA erhöhten zugleich den Druck auf Pakistan. Die beiden Organisationen, die Indien hinter dem Anschlag auf das Bundesparlament vermutet, sollen verboten werden. Powell sagte in Washington, er habe die Separatistengruppen Lashkar-e-Taiba und Jaish-e-Mohammed auf die Liste der »terroristischen Vereinigungen« gesetzt und werde mit Indien und Pakistan gemeinsam daran arbeiten, die Gruppen aufzulösen. Ein Sprecher der Lashkar-e-Taiba teilte mit, die Gruppe werde ihren Kampf in Kaschmir fortsetzen. Er wies erneut eine Beteiligung der Gruppe an dem Attentat in Neu-Delhi zurück. 14 Menschen waren dabei getötet worden.

Indien verlangt die Zerschlagung der Gruppen

Pakistan hat inzwischen, den Anführer einer der beiden Gruppen verhaftet und zugesagt, gegen die Gruppen vorzugehen, wenn ihre Verwicklung in den Anschlag bewiesen sei. Indien verlangt zudem die Zerschlagung der Gruppen und ihrer Lager in Kaschmir. Pakistan müsse mehr tun, erklärte Indien am Mittwoch. Die beiden Länder haben bereits zwei Kriege um Kaschmir geführt. Die Region ist wie Pakistan mehrheitlich moslemisch. Kein anderer Bundesstaat Indiens hat eine moslemische Mehrheit.

Pakistan wolle den Konflikt im Gespräch lösen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums dem amerikanischen Sender CNN. »Wir möchten uns weiter dafür einsetzen, die Fragen mit friedlichen Mitteln zu lösen«, sagte er. Pakistans Präsident Pervez Musharraf sagte, im Streit mit Indien habe Pakistan Ergebnisse immer auf friedlichem Weg durch Dialog erreicht. Den islamischen Fundamentalisten im eigenen Land warf er vor, dem Ruf der Religion durch Extremismus und Hetze zu schaden. Pakistan und Indien unterstützen die USA im Kampf gegen den moslemischen Extremisten Osama bin Laden, der von den USA für die Anschläge am 11. September verantwortlich gemacht wird.

Größte Truppenkonzentration seit 15 Jahren

Beide Staaten haben an der Grenze die größte Truppenkonzentration seit fast 15 Jahren zusammengezogen. Indiens Armee verhängte eine Urlaubssperre und sagte die Parade zum Tag der Armee am 15. Januar ab. Das Sicherheitskabinett berät über das weitere Vorgehen.

12.000 Flüchtlinge verlassen Dörfer nahe der Grenze

In der Zwischenzeit sind im indischen Teil Kaschmirs nach Presseberichten bislang 12 000 Menschen aus ihren Dörfern nahe der Grenze zu Pakistan geflohen. Die Gefechte zwischen Truppen beider Länder mit Granatwerfern und Maschinengewehren hatten in den vergangenen Tagen stark zugenommen. Nach der Absage der traditionellen Armeeparade am 15. Januar wird der Nationalfeiertag am 26. Januar kleiner ausfallen als sonst. »Mit Blick auf die Situation an der Grenze und die Beanspruchung der Armee werden die Feiern diesmal begrenzt«, sagte Verteidigungsminister George Fernandes.