Kathmandu Mit Tränengas gegen Demonstranten


Chaotische Zustände herrschen derzeit in Nepals Hauptstadt Kathmandu: Nachdem der König seinen Rücktritt erklärt angeboten hatte, lehnt die Opposition das Angebot ab. Unterdessen prügeln Sicherheitskräfte mit Schlagstöcken auf die Demonstranten.

Trotz einiger Zugeständnisse von König Gynanendra im Streit um dessen Alleinherrschaft haben zehntausende Demonstranten in Nepal am Samstag abermals die Abschaffung der Monarchie gefordert. Als die Menge in Kathmandu in Richtung des Königspalastes zog, eröffneten Sicherheitskräfte das Feuer mit Gummigeschossen und scharfer Munition.

Mindestens vier Menschen wurden verletzt. 43 weitere wurden nach Krankenhausangaben von Schlagstöcken der Einsatzkräfte oder beim Versuch zu flüchten verletzt. Die Demonstranten setzten sich über ein Ausgehverbot hinweg, das die Regierung am Samstag erneut verhängt hatte. Die achtstündige Sperre galt für Kathmandu sowie die Vorstadt Lalitpur, wie der staatliche Rundfunk meldete.

Mindestens 43 Menschen im Krankenhaus

Außerhalb der Sperrzone gingen hunderttausende Menschen auf die Straße. Die Behörden blockierten später das Mobilfunknetz in der Hauptstadt. Die Opposition hat das Netz in der Vergangenheit zur Mobilisierung von Demonstranten genutzt. Die Opposition lehnte das Angebot König Gyanendras ab, einen Ministerpräsidenten zu nominieren. "Wir werden die Proteste fortsetzen", kündigte der Generalsekretär der Kommunistischen Partei, Madhav Kumar Nepal, am Samstag vor jubelnden Anhängern in Kathmandu an.

Der König will Demokratie wieder einsetzen

Gyanendra hatte am Freitag zugesagt, die demokratischen Institutionen wieder einzusetzen. In einer gemeinsamen Erklärung der Opposition hieß es, das Vorhaben des Königs sei bedeutungslos und unangemessen. Sein Angebot erfülle zwei wichtige Bedingungen nicht: die Rückkehr des Parlaments und die Wahl einer Sonderversammlung, die eine Verfassung schreiben soll. Westliche Diplomaten riefen die Opposition auf, das Angebot zu überdenken. "Wir glauben, das kann eine Basis sein, auf der man aufbauen kann", sagte der britische Botschafter Keith George Bloomfield. Zwei führende Oppositionspolitiker wurden am Samstag einen Tag nach ihrer Festnahme wieder freigelassen, wie die Kommunistische Partei mitteilte. Die Parteimitglieder Jhala Nath Khanal und Bamdev Gautam waren maßgeblich an Verhandlungen mit den maoistischen Rebellen beteiligt.

Indien verschärft Grenzkontrollen

Indien verschärfte unterdessen seine Sicherheitskontrollen an der Grenze zu Nepal, um die Einreise maoistischer Rebellen zu verhindern. In der vergangenen Woche waren dort fünf Nepalesen bei dem Versuch festgenommen worden, mit Waffen und Munition aus Indien zurück nach Nepal zu gelangen, wie ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AP sagte. Die Ankündigung Gyanendras, die demokratischen Institutionen wieder einzusetzen, war am Freitag von den Vereinten Nationen und den USA begrüßt worden.

Opposition nicht zufrieden mit Erklärung

Oppositionspolitiker hingegen bezeichneten die Erklärung als nicht befriedigend. Der König war darin nicht auf ihre Forderung nach einer Verfassungsversammlung eingegangen. Das Oppositionsbündnis aus sieben Parteien sowie die maoistischen Rebellen haben in den vergangenen Wochen mit einem Generalstreik und Massenprotesten den Druck auf Gyanendra verstärkt, um ein Ende seiner seit einem Jahr andauernden Alleinherrschaft zu erreichen.

AP AP

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