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Coronakrise in den USA: Kein Pandemie-Handbuch für Trump? Ex-Obama-Mitarbeiter entlarvt Republikaner-Lüge

Donald Trump und die Republikaner machen immer wieder Barack Obama für die Coronakrise in den USA verantwortlich. Republikanerführer Mitch McConnell ist dabei jetzt von einem früheren Obama-Mitarbeiter bloßgestellt worden.

Barack Obama kritisiert Donald Trumps Corona-Krisenmanagement

Seit drei Jahren und fast vier Monaten ist Donald Trump mittlerweile im Amt. Doch noch immer machen der US-Präsident und seine republikanische Partei regelmäßig Amtsvorgänger Barack Obama für eigene Unzulänglichkeiten verantwortlich. So auch in der Coronakrise.

Die Schuld an den fehlgeschlagenen Tests und dem Mangel an medizinischer Ausrüstung trage Obama, versuchte Trump die vielfach kritisierte Reaktion seiner Regierung auf die Pandemie im April zu verteidigen. "Wir sind mit einem kaputten System gestartet. Wir haben ein kaputtes, schreckliches System geerbt", erklärte er auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus. "Und ich sage es immer - unsere Schränke waren kahl. Wir hatten sehr wenig in unserem Vorratslager."

Republikanerführer verbreitet Unwahrheit über Obama

In einem von Trumps Wahlkampfteam veranstalteten Online-Interview nahm auch der republikanische Mehrheitsführer im US-Senat, Mitch McConnell, Obama ins Visier. "Sie behaupten, dass Pandemien nur einmal alle hundert Jahre auftreten, aber was ist, wenn das nicht mehr stimmt?", sagte McConnell in dem Gespräch mit der Schwiegertochter und Wahlkampfberaterin des Präsidenten, Lara Trump. "Wir wollen frühzeitig bereit sein, bereit für die nächste, denn die Obama-Regierung hat dieser Regierung eindeutig keinerlei Art von Handbuch für so etwas hinterlassen."

"Das ist genau richtig", bestätigte Lara Trump die Behauptung.

Tatsächlich ist das aber genau falsch.

Obamas Nationaler Sicherheitsrat hinterließ der Trump-Regierung detaillierte Ausführungen darüber, mit welchen Taktiken und politischen Schlüsselentscheidungen auf eine Pandemie zu reagieren sei, enthüllte die US-Nachrichtenseite "Politico" bereits im März. Das Dokument trägt den Titel: "Handbuch für eine frühzeitige Reaktion auf neu auftretende Infektionskrankheiten und biologische Zwischenfälle mit schwerwiegenden Konsequenzen".

Jeder Abschnitt der Handlungsanleitung enthält "Politico" zufolge spezifische Fragen, die gestellt und Entscheidungen, die innerhalb des nationalen Sicherheitsapparates getroffen werden sollten. Die Autoren drängten dazu, die Zahlen zur Virusverbreitung immer wieder infrage zu stellen, für ausreichende Diagnosekapazitäten zu sorgen und die Vorräte an Notfallressourcen zu überprüfen.

Und in dem 69 Seiten umfassenden Dokument taucht sogar der Begriff "Coronaviren" auf, wie Obamas ehemaliger Koordinator für den Umgang mit Ebola, Ronald Klain, jetzt als Antwort auf McConnells Falschbehauptung festhielt. "Wir haben ihnen buchstäblich ein 69-seitiges Pandemie-Handbuch hinterlassen, das sie ignoriert haben. Und eine Behörde namens "Behörde für Pandemiebereitschaft", die sie abgeschafft haben. Und ein globales Überwachungssystem namens Predict, dessen Mittel sie um 75 Prozent gekürzt haben", twitterte Klain, der mittlerweile als Wahlkampfberater des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Joe Biden tätig ist.

Und in einem zweiten Tweet schrieb er: "Ja, und dann haben mir Leute getwittert: 'Oh sicher, vielleicht hat die Obama-Regierung ein Pandemie-Handbuch hinterlassen, aber war es spezifisch für diese Art von Virus?' Hier ist Seite neun. Seite neun." Dazu postete Klain eine Seite des Dokuments, auf der die Autoren vor neuartigen Stämmen von Atemwegserregern warnen, die eine höhere Sterblichkeitsrate als ihre Vorgänger aufweisen würden. Aufgeführt unter diesen Viren:

"Coronaviren: Mers-Cov (Reservoir: Fledermäuse, Kamele) - 18-62% [Falltodesrate]

Quellen: "Team Trump Online", Ronald Klain auf Twitter"Politico", CNN, Vox

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