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Koalitionstruppen: Wie man eine Irakerin richtig grüßt

Auch sie sind sich - ebenso wie die Soldaten der kleineren Kontingente aus insgesamt zwei Dutzend Ländern - der täglichen Gefahr bewusst. Wenn die bulgarischen Soldaten in Irak auf Patrouille gehen, sehen sie jedoch ein kleines Buch als ihre Geheimwaffe.

Maschinengewehre, Pistolen und Granaten gehören zur Grundausstattung, wenn die bulgarischen Soldaten in Irak auf Patrouille gehen. Als ihre Geheimwaffe jedoch sehen sie ein kleines Buch: Die Broschüre vermittelt irakische Bräuche und Sitten, listet einfache arabische Wendungen auf und erklärt den ausländischen Soldaten, wie sie Frauen und ältere Menschen zu grüßen haben. Angesichts des anhaltenden Widerstands gegen die Koalitionstruppen werben die Bulgaren mit ihrem Verhalten um Verständnis für ihren Einsatz.

Der täglichen Gefahr bewusst

"Wir tun, was wir können", sagt der stellvertretende Verteidigungsminister Ilko Dimitrow mit Blick auf die Bemühungen seiner Truppen, gewaltsamen Widerstand einzudämmen. "Wir wollen, dass die Iraker verstehen, dass wir nicht dort sind, um sie zu bestrafen. Wir sind dort, um zu helfen." 470 Soldaten aus Bulgarien sind in Irak im Einsatz. Anders als die Amerikaner und Briten haben sie noch keine Opfer in ihren Reihen zu beklagen. Doch auch sie sind sich - ebenso wie die Soldaten der kleineren Kontingente aus insgesamt zwei Dutzend Ländern - der täglichen Gefahr bewusst.

Nach dem Tod zweier Zivilisten, auf die dänische Soldaten gefeuert hatten, weil sie sie fälschlicherweise für Angreifer hielten, bemüht sich die Regierung in Kopenhagen um Entspannung. Die Familien der Getöteten und sechs weiterer Personen erhalten 19,6 Millionen Dinar (rund 10.600 Euro) Entschädigung. Damit sollen laut dänischer Regierung die guten Beziehungen der 400 Soldaten starken Truppe in Basra zur irakischen Bevölkerung aufrechterhalten und Racheakte vermieden werden.

Zum Schutz der rund 300 Tschechen in Basra warben die Gastgeber in der Bevölkerung für die Mission der Soldaten. "Willkommen, Experten aus Tschechien" stand auf einem Transparent, das demonstrativ an der Fassade ihrer Unterkunft aufgehängt wurde. Das Hotel wollte nach Prager Zeitungsberichten damit Gerüchte in der Bevölkerung zerstreuen, dass es sich bei den Gästen um - in Irak verhasste - Israelis handelte.

"Tödliches Risiko einkalkuliert"

Ungarn, das mit rund 300 Soldaten in Hillah südlich von Bagdad vertreten ist, hat bereits öffentlich erklärt, dass es bei einer weiteren Verschlechterung der Sicherheitslage einen Rückzug in Erwägung zieht. Rumänien, das rund 700 Soldaten nach Irak entsandt hat, zeigt sich hingegen pragmatisch. "Wir haben das tödliche Risiko einkalkuliert", sagt Militärsprecher Gelaledin Nezir. "Es wurden Maßnahmen ergriffen, die Truppen zu schützen." Alle Soldaten seien freiwillig nach Irak gegangen.

"Wir sind nie davon ausgegangen, dass dort paradiesische Zustände herrschen", bekräftigt der bulgarische Außenminister Solomon Pasi. "Es ist eine ernsthafte Herausforderung für alle in der Koalition." Erst vor wenigen Tagen explodierte eine Granate vor einem bulgarischen Patrouillenfahrzeug, verletzt wurde niemand. Am Freitag nahmen Angreifer einen bulgarischen Stützpunkt unter Beschuss.

Doch die bulgarische Zusage sei nicht befristet, betont Minister Pasi. Auch Vizeverteidigungsminister Dimitrow bekräftigt: "Wir haben eine politische Entscheidung getroffen. Wir stecken mitten in einer Mission, die unsere Stärke und Fähigkeit auf den Prüfstand stellt, die Probleme der Welt anzupacken."

William Kole