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Korea-Konflikt: USA kritisieren Abbruch der Beziehungen

Zuletzt hatte es Zeichen der Annäherung gegeben. Doch nun scheinen alle Bemühungen dahin. Nordkorea hat wegen des Streits um den Untergang des südkoreanischen Kriegsschiffs "Cheonan" alle Beziehungen zum Süden abgebrochen. Die Situation scheint sich ständig zu verschärfen.

Die USA haben den Abbruch der innerkoreanischen Beziehungen durch den kommunistisch regierten Norden als abwegig kritisiert. Der Schritt sei nicht im langfristigen Interesse Nordkoreas, erklärte das US-Außenministerium am Dienstag in Washington. Südkorea sei eine der dynamischsten Volkswirtschaften der Welt, während die Wirtschaft Nordkoreas nach dessen Eingeständnis erfolglos sei. "Nordkorea ist nicht in der Lage, für seine Menschen zu sorgen und sie zu ernähren", sagte Ministeriumssprecher P. J. Crowley.

Die Führung in Pjöngjang hatte zuvor den Abbruch aller Beziehungen zu Südkorea erklärt und dem Nachbarland mit Krieg gedroht. Das schürte die ohnehin schon großen Spannungen auf der koreanischen Halbinsel weiter. Nordkorea zog nach eigener Darstellung die Konsequenzen aus den Sanktionen der Regierung in Seoul, die diese im Streit über die Versenkung eines ihrer Kriegsschiffe verhängt hatte.

Alle Kommunikationsverbindungen gekappt

Alle Kommunikationsverbindungen würden gekappt und südkoreanisches Personal im gemeinsamen Industriepark in der nordkoreanischen Grenzstadt Kaesong des Landes verwiesen, formulierte das Komitee für die Friedliche Wiedervereinigung Koreas in Pjöngjang die Folgen des Abbruchs der Beziehungen. Die Schuldzuweisungen Südkoreas im Zusammenhang mit dem Schiffsuntergang kämen einer Kriegserklärung gleich, hieß es. Zuvor hatte Nordkoreas Militär schon seine kriegerischen Drohgebärden Richtung Südkorea fortgesetzt. Eine Gruppe von nordkoreanischen Überläufern in Südkorea berichtete unter Berufung auf Informaten im Norden, Machthaber Kim Jong Il habe die Truppen des Landes bereits in Kampfbereitschaft versetzt. Eine Bestätigung für diese Angaben gab es von der Regierung in Seoul allerdings nicht.

Mit der Erklärung des Komitees - einer Organisation der herrschenden Arbeiterpartei - reagierte Nordkorea unmittelbar auf die Strafmaßnahmen, die Südkorea am Vortag gegen Pjöngjang als Vergeltung für den Torpedo-Angriff auf die Korvette "Cheonan" beschlossen hatte. Südkorea macht den Norden für den Schiffsuntergang verantwortlich, bei dem Ende März vor der Westküste Südkoreas 46 Matrosen getötet wurden. Dabei stützt sich Südkorea auf Untersuchungen eines internationalen Expertenteams. Nordkorea bestreitet, das Schiff versenkt zu haben.

Südkorea strahlt wieder Propagandasendungen aus

Das Komitee erklärte "formal, dass von nun an die resoluten Maßnahmen wirksam werden, die innerkoreanischen Beziehungen komplett einzufrieren, den Nichtangriffspakt zwischen Nord- und Südkorea zu annullieren und die Zusammenarbeit einzustellen", berichteten die nordkoreanischen Staatsmedien. Auch dürfen südkoreanische Flugzeuge und Schiffe nicht mehr Nordkoreas Luftraum beziehungsweise Gewässer benutzen. Alle Probleme, die sich bezüglich der innerkoreanischen Beziehungen ergäben, würden unter dem "Gesetz für Kriegszeiten" behandelt, hieß es weiter. Was mit dem Industriekomplex in Kaesong passieren soll, ist unklar. In dem Komplex arbeiten rund 42.000 Nordkoreaner für mehr als 100 Unternehmen aus Südkorea.

Südkoreas Präsident Lee Myung Bak hatte am Montag einen Handelsstopp und ein Durchfahrtverbot für nordkoreanische Schiffe in südkoreanischen Gewässern verkündet. Auch soll der Fall "Cheonan" vor den UN-Sicherheitsrat gebracht werden. Südkoreas Militär nahm die Ausstrahlung von Propagandasendungen nach Nordkorea nach sechsjähriger Unterbrechung wieder auf. Seit Montagabend wird ein Radioprogramm mit Nachrichten und Musik unter dem Titel "Stimme der Freiheit" nach Nordkorea ausgestrahlt. Eine Sprecherin des Präsidialamts in Seoul kündigte an, dass die Regierung auch die Wiedereinführung der Bezeichnung Nordkoreas als "Hauptfeind" des Landes überprüfen werde.

USA wollen China einbeziehen

US-Präsident Präsident Barack Obama stellte sich demonstrativ hinter Südkoreas Vorgehen. US-Außenministerin Hillary Clinton will mit China gemeinsam an einer internationalen Antwort auf den Untergang der "Cheonan" arbeiten. Zum Abschluss zweitägiger Gespräche mit der chinesischen Führung sagte Clinton am Dienstag in Peking: "Die Chinesen verstehen die Ernsthaftigkeit der Situation." Clinton wird an diesem Mittwoch in Seoul sein.

Reuters/DPA / DPA / Reuters