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Presse-Akkreditierung Nahost-Korrespondent darf nicht aus der Türkei berichten: So reagiert der stern

Jonas Breng ist der Nahost-Korrespondent des stern, Cornelia Fuchs leitete lange die Auslandsredaktion
Jonas Breng ist der Nahost-Korrespondent des stern, Cornelia Fuchs leitete lange die Auslandsredaktion
Die türkischen Behörden haben dem neuen stern-Nahost-Korrespondenten Jonas Breng die Akkreditierung verweigert. Wie wir trotzdem berichten, schildert Cornelia Fuchs, langjährige Auslands-Ressortleiterin und heute verantwortlich für die stern-PLUS-Produkte. 

Die Türkei hat unserem Kollegen Jonas Breng die Akkreditierung verweigert – laut Reporter ohne Grenzen, die Anfang der Woche in einer Pressemitteilung Bezug auf unseren Reporter genommen haben, als einzigem deutschen Journalisten. Was steckt dahinter? 

Cornelia Fuchs: Schon unserem vorherigen Korrespondenten Raphael Geiger wurde nach drei Jahren Aufenthalt in Istanbul die Akkreditierung verweigert. Raphael Geiger verlegte dann seinen Standort nach Athen. Zu dieser Zeit geschah dies bei einigen Kollegen auch von anderen Medien. Raphael Geiger konnte aber dann für einzelne Recherchen und für kurze Zeiträume Akkreditierungen beantragen, die hat er auch bekommen. Bei unserem Korrespondenten Jonas Breng gab es nun keine Begründung der Ablehnung. Wir wurden nur informiert, dass sein Antrag negativ beschieden wurde. 

 Lässt sich dagegen vorgehen? 

Es gibt keinen offiziellen Weg, diese Entscheidung anzufechten. Über Akkreditierungen wird seit einiger Zeit direkt im Präsidialbüro in Ankara entschieden. Auch ist es uns bis jetzt nicht gelungen, mehr Informationen zu der Ablehnung zu erhalten. Es bleibt am Ende nur der Weg über die Öffentlichkeit.  

 Was bedeutet es für die journalistische Arbeit vor Ort, nicht mit der so genannten Pressekarte ausgestattet zu sein? 

Die Pressekarte beinhaltet gleichzeitig die Aufenthaltsgenehmigung im Land als ausländischer Reporter. Ohne Pressekarte kann man sich nicht legal ständig im Land aufhalten. Außerdem braucht man in der Türkei für bestimmte Regionen – zum Beispiel für die Kurdengebiete – Sondergenehmigungen für eine Recherchereise. Auch diese sind ohne Akkreditierung, also ohne offizielle Erlaubnis, nicht zu bekommen. 

 Wie wird der stern künftig aus bzw. über die Türkei berichten? 

Jonas Breng ist nun bereits in Athen – beziehungsweise gerade in Gaza, sein Berichtsgebiet ist ja groß und er wird sowieso viel reisen müssen. Wir werden, wie auch zuvor, für einzelne Recherchereisen Akkreditierungen beantragen und hoffen, dass diese dann erstellt werden. Und wir werden weiter an die Behörden in Ankara appellieren, unseren Korrespondenten mit einer Pressekarte auszustatten. Denn die Türkei verliert ja auch dadurch, dass unser Korrespondent nicht im Land ist: Direkt vor Ort erlebt und erfährt man ein Land ganz anders als von außen. Viele Geschichten über die Türkei, über die Menschen dort, die Kultur, die gesellschaftlichen Entwicklungen, all das, was ein Land ausmacht, erfährt ein Korrespondent, weil er den Alltag erlebt. Weil er mit den Menschen lebt. Dass dem stern dies jetzt nicht möglich ist, behindert uns auch, die ganze Vielfalt eines Landes abzubilden. 

Die Fragen stellte: Christina Pohl 

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