Kosovo Nato einigt sich auf Teilrückzug


Die Nato will angesichts der verbesserten Sicherheitslage ihre Truppen im Kosovo deutlich reduzieren. Voraussichtlich zum Jahreswechsel sollen 4000 Soldaten die früher serbische Provinz verlassen, in den folgenden Monaten will das Bündnis seine Präsenz weiter drastisch verringern.

Die Nato-Verteidigungsminister haben sich auf den Abzug von zunächst 4000 Soldaten aus dem Kosovo verständigt. Die KFOR-Truppe in der früheren serbischen Provinz solle "von 14.000 auf ungefähr 10.000" Soldaten verkleinert werden, sagte Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer am Donnerstag in Brüssel. Nato-Diplomaten zufolge soll innerhalb von zwei Jahren die Truppe auf nur noch 2200 Soldaten reduziert werden.

Der Abzug werde voraussichtlich zum Jahreswechsel erfolgen, ein genaues Datum stehe aber noch nicht fest, sagte der Generalsekretär. Weitere Verkleinerungsschritte würden dann erfolgen, wenn die Nato-Staaten nach einer politischen Bewertung der Lage im Kosovo zu dem Schluss kämen, "dass die Bedingungen erfüllt sind", sagte De Hoop Scheffer. Die Bundeswehr werde ihre Präsenz von zurzeit 2200 Soldaten ebenfalls stufenweise zurückfahren, erklärte Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung.

Die Nato ist seit zehn Jahren im Auftrag der Vereinten Nationen im Kosovo, um für Sicherheit zu sorgen. Im Krieg Serbiens gegen die Kosovo-Albaner 1998/99 hatte das Bündnis zweieinhalb Monate lang Serbien bombardiert, um die serbischen Truppen zum Abzug zu zwingen.

US-Verteidigungsminister Robert Gates sagte, die einst mehr als 50.000 Mann starke Nato-Truppe zur Sicherung des Kosovo solle auf eine "abschreckende Präsenz" verringert werden. Doch sollten die Truppen geordnet zurückgezogen werden. "Meine Sorge ist, dass wir als Allianz organisiert vorgehen und Länder nicht von sich aus herausgehen", sagte Gates beim Flug nach Brüssel. Die Nato-Staaten seien zusammen reingegangen und sollten jetzt auch zusammen rausgehen. Er hoffe, dass durch den Rückzug aus dem Kosovo der Einsatz in Afghanistan verstärkt werden könne.

Spanien hat schon länger angekündigt, fast alle seiner 600 stationierten Soldaten abzuziehen. Die Regierung in Madrid hatte die Unabhängigkeit des Kosovo Anfang vergangenen Jahres nicht anerkannt. Großbritannien will seine 167 Soldaten bis September ebenfalls nach Hause holen.

Die ehemals südserbische Provinz Kosovo hatte sich im Februar vergangenen Jahres gegen den Willen Serbiens abgespalten. Deshalb herrschte die Sorge, es könne zu massiven gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Albanern und der serbischen Minderheit unter den knapp zwei Millionen Einwohnern kommen, was jedoch nicht geschah.

Die Verteidigungsminister beraten bei ihrem zweitägigen Treffen außerdem über den Militäreinsatz gegen Piraten vor der Küste Somalias und die Lage in Afghanistan. Die Nato-Truppe Isaf soll um 3000 Soldaten verstärkt werden, um die Wahlen im August zu sichern.

AP/Reuters AP Reuters

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