Krach beim Klimagipfel in Kopenhagen Geheimer Mitschnitt enthüllt Zerwürfnis zwischen Industrie- und Schwellenländern


Ein geheimer Mitschnitt enthüllt einem Bericht des "Spiegel" zufolge, wie groß das Zerwürfnis zwischen Industriestaaten und Schwellenländern beim gescheiterten Klimagipfel in Kopenhagen war.

Ein geheimer Mitschnitt enthüllt einem Bericht zufolge, wie groß das Zerwürfnis zwischen Industriestaaten und Schwellenländern beim gescheiterten Klimagipfel in Kopenhagen war. Die Tonaufnahme zeige, wie China und Indien eine Einigung auf konkrete Einsparziele bei Treibhausgasen blockiert hätten, berichtete der "Spiegel" am Sonntag vorab. Dabei hätten die Schwellenländer die westlichen Regierungschefs düpiert.

Der im "Spiegel" zitierte Mitschnitt ist dem Bericht zufolge bei einem Mini-Gipfel von 25 Staatschefs entstanden, auf dem eine Einigung auf konkrete Ziele zum Klimaschutz erreicht und ein Scheitern der Konferenz von weit über 100 Staaten hatte verhindert werden sollen. Indiens Premierminister Manmohan Singh drängte laut "Spiegel" darauf, nicht sofort konkrete Zusagen in das Abschlussprotokoll aufzunehmen. "Ich habe immer gesagt, keine Optionen vorwegzunehmen", sagte der Regierungschef dem Bericht zufolge.

Laut "Spiegel" rief Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) daraufhin aus: "Aber dann wollen Sie nichts rechtlich Bindendes!" Dies wiederum habe Singh aus der Fassung gebracht: "Warum greifen Sie vorweg? Das ist nicht fair!" Aus deutschen Teilnehmerkreisen verlautete allerdings, Singh selbst sei zu diesem Zeitpunkt nicht im Raum gewesen. Vertreten habe ihn ein anderes Mitglied der indischen Delegation.

Zu Verstimmungen kam es dem Mitschnitt zufolge auch mit China, das durch seinen Vize-Außenminister vertreten war und nicht durch den ebenfalls in Kopenhagen anwesenden Ministerpräsidenten Wen Jiabao. Der chinesische Vertreter ließ die Europäer mit Forderungen nach konkreten Verpflichtungen zum Senken des Ausstoßes von Klimagasen demnach auflaufen: "Danke für alle Ihre Vorschläge. Wir haben gesagt, dass wir das langfristige Ziel von 50 Prozent (Einsparung) nicht akzeptieren können. Wir sagen, es ist absolut inakzeptabel."

An diesem Punkt griff laut "Spiegel" Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy die Chinesen scharf an: Der Westen habe sich verpflichtet, seinen Klimagasausstoß um 80 Prozent zu verringern. "Und im Gegenzug sagt China, das bald die größte Wirtschaftsnation der Welt sein wird, gegenüber der Welt: 'Engagements gelten für euch, aber nicht für uns.'" Dieses Verhalten sei "nicht hinnehmbar".

Seit dem Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen im Dezember ist der Klimaschutzprozess festgefahren. Von Sonntag bis Dienstag wollten Umweltminister und Klimabeauftragte aus rund 45 Staaten auf dem Petersberg bei Bonn über das weitere Vorgehen beraten. Eröffnet wurden die Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Mexikos Präsident Felipe Calderón. Dessen Land ist Gastgeber der nächsten UN-Konferenz im Dezember in Cancún.

AFP AFP

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