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Kreml: Putin wirft USA Wettrüsten vor

Der russische Präsident Putin sieht die jüngsten Raketentests seines Landes als Antwort auf amerikanische Aggressionen. In Heiligendamm will Putin den Raketenstreit jetzt sogar zum Thema machen.

Knapp eine Woche vor dem G8-Gipfeltreffen in Heiligendamm hat der russische Präsident Wladimir Putin den USA ein neues Wettrüsten vorgeworfen. "Nicht wir sind die Initiatoren eines neuen Wettrüstens", sagte der Kremlchef nach einem Gespräch mit dem griechischen Staatspräsidenten Karolos Papoulias in Moskau. Die russischen Raketentests in dieser Woche seien eine direkte Reaktion unter anderem auf die US-Raketenabwehrpläne für Mitteleuropa. "Das ist keine aggressive Handlung unsererseits, sondern nur eine Antwort auf die ziemlich harten und durch nichts zu rechtfertigenden einseitigen Handlungen unserer Partner", sagte Putin, der US-Präsident George W. Bush beim Gipfel in Heiligendamm vom 6. bis 8. Juni treffen wird.

Der Kreml bezeichnete es als möglich, dass Putin den Raketenstreit in Heiligendamm zum Thema macht. "Vielleicht werden diese Fragen angeschnitten. Aber es gibt auch sehr viele andere Themen auf der Tagesordnung", sagte Putins G8-Beauftragter Igor Schuwalow nach Angaben der Agentur Interfax.

Topolanek: "Russland ist nicht militärisch gefährdet"

Putin bekräftigte im Gespräch mit dem griechischen Präsidenten die schweren Vorwürfe gegen die NATO. "Ein neuer Militärstützpunkt in Bulgarien, noch einer in Rumänien, ein Raketenstandort in Polen, ein Radar in Tschechien, was sollen wir tun?" Es dürfe nicht sein, dass sich nur Russland allein an Abmachungen halte. Die russischen Streitkräfte hatten Anfang der Woche nach eigenen Angaben erstmals eine neue Interkontinentalrakete mit atomar bestückbaren Mehrfachsprengköpfen sowie eine neue Kurzstreckenrakete getestet.

Der tschechische Ministerpräsident Mirek Topolanek wies Putins Kritik zurück. "Russland ist nicht militärisch gefährdet, sondern sieht bloß seine wiedergefundenen Machtambitionen bedroht", sagte der Regierungschef auf einer Konferenz in Prag. "Wir sind zum Dialog mit Moskau bereit, entscheiden aber über innere Angelegenheiten wie die mögliche Stationierung eines Radars allein. Wir möchten nicht mehr zum russischen Einflussgebiet gehören, in dem man Moskau für alles um Erlaubnis fragen muss", sagte Topolanek.

Unterdessen bleibt die Ablehnung einer Beteiligung ihres Landes an dem umstrittenen US-Raketenabwehrsystem in der tschechischen Bevölkerung hoch. Rund 61 Prozent hätten sich in einer aktuellen Umfrage gegen die Stationierung einer US-Radaranlage in Böhmen ausgesprochen, teilte das Meinungsforschungsinstitut CVVM in Prag mit. Etwa 30 Prozent seien dafür. Kommende Woche wird US-Präsident Bush nach Prag reisen, um persönlich für das geplante Projekt zu werben.

DPA / DPA