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Libyen Gaddafis Sohn soll es richten


In Libyen demonstrieren Tausende gegen Muammar al Gaddafi. Ein Gesandter des Staatschefs soll im Zentrum der Proteste versuchen, die Lage zu beruhigen. Wegen der Proteste in Bahrain überprüft die britische Regierung ihre Waffenexporte.

Im libyschen Benghasi haben erneut tausende Demonstranten gegen Staatschef Muammar al Gaddafi demonstriert. Augenzeugen zufolge patrouillierten Soldaten in den Straßen der zweitgrößten Stadt des Landes. Später sollten in Benghasi und andernorts mehrere Regierungsgegner beigesetzt werden, die am Donnerstag bei heftigen Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften getötet wurden. Die Zahl der Todesopfer bei den Protesten der vergangenen Tage lag bei mindestens 20. In der nahe gelegenen Stadt Al Bayda, wo es ebenfalls Todesopfer gegeben hatte, trugen die Menschen BBC Radio zufolge Zelte auf die Straßen, um dort ein Lager zu errichten.

"Strebe nicht nach Verantwortung"

Libyens Staatschef Muammar al Gaddafi will einen seiner Söhne ins Zentrum des Aufstandes schicken. Die libysche Zeitung "Al Watan" meldet, Al Saadi al Gaddafi (37), der international bisher vor allem als Spieler bei italienischen Fußballvereinen aufgefallen war, wolle nach Bengasi im Osten des Landes umziehen, um dort einen Aktionsplan zur Verbesserung der Infrastruktur umzusetzen. Der Sohn des Revolutionsführers sagte der Zeitung: "Dabei wird sich keiner der bisherigen Verantwortlichen einmischen dürfen." Al Saadi al Gaddafi betonte, es gehe im darum, eine Aufgabe zu erledigen. Wer ihn kenne, wisse, dass er nicht nach Verantwortung strebe.

Der Sender CNN zeigte Bilder des staatlichen libyschen Fernsehens, die öffentliche Unterstützung für Gaddafi zeigen sollten. Dort waren Regierungsanhänger in Tripolis zu sehen. Einige von ihnen umringten die Limousine des Staatschefs, die sich einen Weg durch die Hauptstadt bahnte. Am Straßenrand standen Menschen mit Gaddafi-Porträts.

Medien berichten eingeschränkt von Protesten

In den von seinem Bruder Seif al Din al Gaddafi gegründeten semi-unabhängigen Medien wurde in eingeschränkter Weise über die Proteste berichtet, bei denen nach Angaben aus Oppositionskreisen mehr als 45 Menschen getötet worden waren. Allerdings wurden keine Opferzahlen genannt. Die Zeitung "Qurina" ließ jedoch einen Anwalt zu Wort kommen, der zusammen mit anderen Anwälten vor einem Justizgebäude in Bengasi gegen Korruption und für politische Reformen demonstriert hatte. Dieser sagte nach Angaben des Blattes: "Wir haben das Recht, unsere Meinung zu äußern, schließlich leben wir doch in einem Land, in dem alle Macht vom Volke ausgehen soll."

Gaddafi ist bereits seit mehr als 40 Jahren an der Macht. Viele Libyer beklagen Arbeitslosigkeit, Ungerechtigkeit und begrenzte politische Freiheiten. Gleichwohl halten Beobachter einen Volksaufstand wie im Nachbarland Ägypten für unwahrscheinlich. Denn die libysche Führung kann den Öl- und damit auch den Geldhahn aufdrehen und die meisten sozialen Probleme mildern.

Britische Regierung prüft Exporte nach Bahrain

Die britische Regierung prüft einen sofortigen Stopp von Waffen-Exporten nach Bahrain. Es gebe eine Genehmigung für den Export von Tränengas und weiterer Ausstattung für Sicherheitskräfte, erklärte das britische Außenministerium. Diese und andere Exporte würden umgehend gestoppt, wenn sie britische oder europäische Exportrichtlinien verletzen. "Wir werden keine Exporte genehmigen, von denen wir annehmen, sie könnten regionale oder nationale Konflikte auslösen oder ausdehnen, für Repressionen gegen die eigene Bevölkerung verwendet werden oder in irgendeiner anderen Form den Kriterien entgegenstehen."

Am Donnerstag hatte sich der britische Außenminister William Hague bereits "tief besorgt" über die Lage in Bahrain geäußert. Er habe mit seinem Amtskollegen in Bahrain und dem Botschafter in London gesprochen und auf das Recht der freien Meinungsäußerung hingewiesen. Ein Sprecher von Premierminister David Cameron erklärte: "Wir denken, es ist wesentlich, dass Bahrain nun weitere Reformschritte macht, die der Hoffnung der Menschen auf größere politische und soziale Freiheiten entgegenkommen."

Historisch enge Verbindungen zu Bahrain

Bei Demonstrationen in der bahrainischen Hauptstadt Manama war es am Donnerstag zu blutigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Dabei kamen nach Augenzeugenberichten mehrere Demonstranten ums Leben, mehrere hundert wurden verletzt. Großbritannien ist historisch eng mit dem Königreich Bahrain verbunden. König Hamad bin Issa al Chalifa hatte London erst im vergangenen Juli besucht.

tkr/Reuters/DPA DPA Reuters

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