Litwinenko-Tod Radioaktive Substanz im Körper


Der frühere KGB-Agent Alexander Litwinenko ist an dem radioaktiven Stoff Polonium 210 gestorben. Russlands Präsident Wladimir Putin wies unterdessen die Vorwürfe, er trage die Verantwortung für Litwinenkos Tod, entschieden zurück.

Der wahrscheinlich an einer giftigen radioaktiven Substanz gestorbene frühere russische Geheimdienstmitarbeiter Alexander Litwinenko hat in seiner Abschiedserklärung Präsident Wladimir Putin des Mordes beschuldigt. Das von Freunden in London verlesene Schreiben hatte der frühere Offizier der Geheimdienste KGB und FSB kurz vor seinem am Donnerstag eingetretenen Tod diktiert. Putin wies am Rande des EU-Russland-Gipfels die Vorwürfe zurück. "Solche Spekulationen sind unbegründet", sagte er in Helsinki und bedauerte zugleich den Tod seines Kritikers. Der Fall des 43-Jährigen spielte finnischen Angaben zufolge beim Gipfel keine Rolle.

Radioaktives Polonium 210 im Körper entdeckt

Das Nationale Gesundheitsamt teilte in London mit, in der Leiche Litwinenkos sei eine große Menge des giftigen radioaktiven Isotops Polonium 210 entdeckt worden. "Noch steht nicht fest, wie es in seinen Körper kam. Das untersucht die Polizei", erklärte das Amt. Experten des Amtes waren von Ermittlern herangezogen worden. Polonium 210 wirke hochgiftig, wenn es in den Körper gelange. Das Uran-Isotop war 1898 von der polnischen Chemikerin und späteren Nobelpreisträgerin Marie Curie entdeckt worden. Zunächst hatte es lange geheißen, Litwinenko sei das als Rattengift bekannte Thallium verabreicht worden.

"Sie werden mich vielleicht erfolgreich zum Schweigen bringen, aber dieses Schweigen hat seinen Preis. Sie haben sich genau so barbarisch und unbarmherzig gezeigt, wie es Ihre schärfsten Kritiker behaupten", heißt es in der Erklärung Litwinenkos, der am 1. Oktober britischer Staatsbürger geworden war. "Aber eine riesige Protestwelle weltweit wird Ihr ganzes restliches Leben in Ihren Ohren widerhallen, Herr Putin. Möge Gott Ihnen vergeben für das, was Sie getan haben."

Sollten sich die Anschuldigungen Litwinenkos und seiner Freunde gegen Russland und Putin bestätigen, könnte das ernsthafte diplomatische Konsequenzen haben. Es wäre das erste Giftattentat im Westen seit dem Ende des Kalten Kriegs.

Putin warnt vor politischem Missbrauch des Todes

Putin nannte den Tod Litwinenkos eine Tragödie. Er habe dessen Familie sein Beileid ausgesprochen. Er sei bereit, der britischen Regierung jede Unterstützung zukommen zu lassen. Putin warf den Freunden Litvinenkos vor, politisches Kapital aus dem Tod des früheren Geheimagenten schlagen zu wollen. "Es ist sehr bedauerlich, dass ein tragisches Ereignis wie der Tod eines Menschen für politische Spekulationen missbraucht wird." Es gebe zudem eine Tendenz, auf Morde in Russland zu zeigen, solche Verbrechen in anderen Ländern aber zu ignorieren. "Schauen Sie auf europäische Länder, wo die Mafia systematisch Polizisten, Journalisten und Richter umbringt."

Litwinenko hatte sich am 1. November in einem Hotel mit mehreren Russen getroffen. Der frühere Agent recherchierte im Fall der regierungskritischen russischen Reporterin Anna Politkowskaja, die am 7. Oktober in Moskau erschossen worden war. Am Tag nach dem Treffen mit seinen angeblichen Informanten begab er sich mit Vergiftungserscheinungen in ein Krankenhaus, wo er jetzt starb.

"Die Bastarde haben mich erwischt"

"Die Bastarde haben mich erwischt, aber sie kriegen nicht jeden", sagte Litwinenko nach einem Bericht der "Times" seinem Freund, dem Filmemacher Andrej Nekrasow. Ein anderer Freund Litvenenkos machte "böse Kräfte in Russland" für dessen Tod verantwortlich. Auch Alexander Goldfarb, der Litwinenko und seiner Familie im Jahr 2000 bei der Flucht in den Westen geholfen hatte, vermutet Russland hinter dem Tod seines Freundes. Der Ex-Agent sei Opfer eines Komplotts geworden.

In Moskau sagte der Geschäftsmann Andrej Lugowoj der Zeitung "Kommersant", er habe Litwinenko am 1. November mit zwei anderen Russen in einer Londoner Hotelbar getroffen. Sie hätten über Geschäfte geredet. Lugowoj äußerte die Bereitschaft, Fragen der britischen Polizei zu beantworten. Ein Sprecher der britischen Botschaft erklärte, der Geschäftsmann und Ex-Agent des FSB Lugowoj habe am Vortag mit Vize-Botschafter Sian MacLeod gesprochen. Über den Inhalt des Gesprächs machte er keine Angaben.

DPA DPA

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