Logistik Ein bisschen Heimat an der Front

"Amateure reden über Taktik, die Experten befassen sich mit der Logistik" urteilt Major David Nathanson. Er versorgt die Soldaten in Kuwait mit Diesel, Pasta und Post.

Die US-Truppen sind in Richtung Bagdad vorgeprescht. Die Geschwindigkeit, mit der ganze Verbände von Kampfpanzern, Geländewagen und Landefahrzeugen den Wüstensand durchfurchen, hat Militärbeobachter überrascht. Doch selbst, wenn die 3. Infanterie-Division der Armee und die 1. Einsatztruppe der Marineinfanterie die Sicherung des Terrains anderen Einheiten überlassen, sind Zwangspausen vorprogrammiert: der Nachschub muss gesichert werden.

Logistik ist was für Experten

"Wir haben ein Sprichwort: Amateure reden über Taktik, die Experten befassen sich mit der Logistik", sagt Major David Nathanson (33), der in Kuwait Nachschub organisiert. "Diese Arbeit steht zwar selten im Rampenlicht, aber sie kann kriegsentscheidend sein."

Größte Herausforderung ist das Heranschaffen schier unendlicher Mengen an Treibstoff. Die amphibischen Landefahrzeuge, die die Marineinfanteristen nach Bagdad bringen, brauchen mehr als 200 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Die Fahrzeuge sind eigentlich dazu gedacht, im seichten Wasser von Schiffen aus ans Land zu rollen. Der Vormarsch auf Bagdad ist die umfangreichste Invasion zu Lande, die die US-Marineinfanteristen je unternommen haben.

"Taktisch wäre es wahrscheinlich das beste, sofort bis nach Bagdad zu gehen, aber physisch sind wir nicht in der Lage dazu", erklärt John Wiener, Logistiker beim 1. Versorgungsbataillon des 7. Regiments der Marineinfanterie mitreisenden Reportern. Die Fahrzeuge haben zwar 600 Liter-Tanks, doch lassen Kommandeure sie auch halbleer wieder betanken. Sollten die Einheiten auf Widerstand stoßen, ist der Dieselverbrauch im Gefecht noch größer, und der Nachschub könnte blockiert sein. Deshalb halten die Konvois alle 50 bis 80 Kilometer zum Auftanken an.

Lange Ruhephasen sind nicht vorgesehen

Für die Soldaten sind das willkommene Atempausen. Wer keine Wache schiebt, drückt eine Mulden in den Sand und döst, in voller Montur, mit Gewehr im Anschlag. Lange Ruhephasen sind beim Vormarsch auf Bagdad nicht vorgesehen. Die Armee hält sich nicht damit auf, Zelte und Latrinen aufzubauen. Die Mulde muss zum Kurzschlaf, ein hastig geschaufelter Graben für die Notdurft herhalten.

Auch die Küchenkompanie kommt erst nach, wenn ein festes Lager - vor den Toren Bagdads - aufgeschlagen wird. Bis dahin versorgen die Soldaten sich mit so genannten MREs (Fertignahrung), Pakete im Taschenbuchformat. In der Außenhülle ist Magnesium, das sich in Verbindung mit Wasser erhitzt. "Pasta mit Alfredo-Soße" oder "Huhn, thailändisch", Käse, Kekse und Dessert gibt es. Die Mahlzeiten haben unerwartete Anhänger: "MRE, MRE!" rufen irakische Kinder, die den Vormarsch der Soldaten an mancher Straße beobachten. Vom Panzer werfen die Soldaten dann ein paar Tüten herab.

Briefe aus der Heimat

Die rund 1000 Mann des 1. Versorgungsbataillons der Marineinfanteristen haben in der Wüste westlich von Basra ein Nachschublager aufgebaut. Von hier aus rasen sie ununterbrochen an die Frontlinie. Auch hier wird nur im Stundentakt geschlafen. Sie transportieren in einem Konvoi mehr als 13 000 Liter Diesel an die Front. Truppentransporter sind bis unter das Dach mit Trinkwasser und MREs, Munition, Medizin und Ersatzteilen vollgepackt.

Und mit Briefen aus der Heimat. Die Versorgungstransporter bringen erstmals Post bis an den Schützengraben. "Die Leute wollen ein bisschen Heimat an der Front", sagt Darrell McKown. Er lässt in Kuwait in einem Lagerhaus jeden Tag tausende von Briefen und Paketen für die Soldaten sortieren. Pakete müssen warten, bis ein richtiges Lager aufgebaut ist. Dann dürfte die Freude über heimische Zeitschriften, CDs, selbstgebackene Plätzchen und vor allem das weiche Toilettenpapier, das viele Familien nach Beschwerden der Soldaten einpackten, besonders groß sein.

Christiane Oelrich DPA

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