Madeleine Albright Optimistisch und zupackend


Als Kind floh die dreifache Mutter mit ihrer Familie vor den Nazis aus Prag. Später wurde sie Politologie-Professorin, dann selbst Politikerin: Madeleine Albright war die erste Frau an der Spitze des US-amerikanischen Außenministeriums.

Ihre Mundwinkel verziehen sich zu einem breiten Grinsen. "Das ist aus dem Jahr 1933", sagt Madeleine Albright, lacht über den Scherz und deutet auf ihr klobiges, nicht mehr ganz modernes Aufnahmegerät, das höchstens ein Jahrzehnt alt ist. Dann formen die Lippen der ehemaligen amerikanischen Außenministerin schnell wieder den charakteristischen Strich. Ernst, ohne jede Ermüdungserscheinung beantwortet Madam Secretary Fragen zu Irak, übt Kritik an US-Präsident George W. Bush und erweist sich als erbitterte Streiterin für die Demokratie - so wie in Hunderten Interviews zuvor.

Unglaublich professionell

Seit rund vier Wochen ist die 66-Jährige für ihre eben erschienene Autobiografie auf Promotiontour - erst in den USA, dann in Prag, Amsterdam, Paris und in Berlin. Kompetent, beharrlich, überzeugend, geduldig, dabei immer freundlich und charmant, kurz: Unglaublich professionell ist Albright dabei. Das sind Eigenschaften, der sie 1997 die Berufung zur Außenministerin des damaligen demokratischen Präsidenten Bill Clinton verdankte. Wie zu Amtszeiten trägt sie auch heute noch symbolträchtige Broschen, dieses Mal sitzt auf der schwarzen Jacke mit den breiten Schulterpolstern eine Libelle, was aus dem Lateinischen übersetzt Waage bedeutet.

Es ist eines ihrer Ziele, ausgleichend, vermittelnd zu wirken. Das erklärt ihren Erfolg. Sie war die erste Frau, die das State Departement leitete. Dabei ist sie nicht in den USA geboren: Am 15. Mai 1937 kam sie in Prag mit dem Namen Marie Jana Körbelova auf die Welt. Ihr Vater, ein Diplomat jüdischer Herkunft, floh mit seiner Familie 1939 nach dem Einmarsch der Deutschen nach London, 1948 erhielt die Familie Asyl in den USA. Seit dem Amtsantritt von Jimmy Carter 1977 beriet die Politologie-Professorin alle demokratischen Präsidenten und Kandidaten. 1993 berief sie Clinton zur UN-Botschafterin. Erst 1997 erfuhr sie, dass drei Großeltern in Vernichtungslagern ermordet worden waren.

Sie spricht offen

Albright, Mutter von drei Töchtern, wirkt ehrlich. Sie scheut sich nicht, offen über Persönliches zu sprechen, beispielsweise über ihre gescheiterte Ehe. Es war im Januar 1982, als ihr Gatte das Ende mitteilte: "Joe sagte nur, dass sie erheblich jünger und sehr schön sei". Das schreibt sie in ihren Memoiren und es wirkt keinesfalls so, als ob sie kokettiere. Vielmehr spricht Stolz, viel Mut und Aufrichtigkeit aus ihren Worten. Eine Frau, die sich der Wahrheit verpflichtet fühlt, sei sie auch noch so schmerzhaft.

"Ich bin froh, dass mein Buch geschrieben ist, das ist ein gutes Gefühl", sagt Albright und lächelt wieder. "Meine Haupteigenschaft ist, dass ich eine Optimistin und eine zupackende Person bin und dass ich fast nie aufgebe", beschreibt sie sich und wartet dann geduldig auf das nächste Interview. Die Lippen bilden wieder den Strich. Sie ist eine Perfektionistin.

Holger Mehlig

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