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Ex-US-Außenministerin Albright "Trump ist der undemokratischste Präsident der Moderne - ich schäme mich"

Madeleine Albright
Madeleine Albright
© Alex Wong/Getty Images / AFP
Madeleine Albright war die erste Außenministerin der USA. Dem "Handelsblatt" hat sie ein Interview gegeben, in dem sie Donald Trump kritisiert, Angela Merkel lobt und vor Wladimir Putin warnt. 

Madeleine Albright blickt auf ein Jahrhundertleben zurück. Als Kind floh sie aus Prag vor den Nazis erst nach London, später in die USA. Sie studierte, wurde US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen. 1996 holte sie der damalige US-Präsident Bill Clinton als erste Außenministerin an den Kabinettstisch. In diesem Amt verhandelte sie persönlich mit Nordkoreas damaligem Staatschef Kim Jong Il, später dann wollte Vaclav Havel, tschechischer Staatspräsident, sie als seine Nachfolgerin haben. Kurzum: Wenn jemand etwas über den Zustand der Welt zu sagen hat, dann die 81-Jährige.

"Für Putin sind Demokratien eine Gefahr"

Zurzeit ist Albright auf Werbetour für ihr Buch "Faschismus – eine Warnung", das sie selbst "alarmistisch" nennt. Dem "Handelsblatt" hat sie ein Interview gegeben und sich darin auch über den aktuellen Chef des Weißen Hauses geäußert, seine Gipfel-Politik, Wladimir Putin und Angela Merkel.

  • Über Donald Trump: "Er ist der undemokratischste Präsident in der modernen Geschichte der USA. Er teilt die Welt in Gewinner und Verlierer ein und versteht nicht, dass Demokratie sowohl den Willen der Mehrheit als auch die Rechte der Minderheit umfasst.  Trump scheint besonderen Wert darauf zu legen, dass seine unhöflichen und störenden Botschaften in der Öffentlichkeit ankommen. Aber was wirklich hinter geschlossenen Türen passiert ist, wissen wir nicht."
  • Über Trumps Gipfel-Politik: "Die jüngsten Gipfel wurden anscheinend nicht gut vorbereitet. Das ist ein Problem. Selbst wenn das Treffen zwischen Trump und Kim in Singapur freundlich verlief, hat Nordkorea eine ganze Menge aus dem Gipfel herausholen können, ohne irgendetwas dafür tun zu müssen. Wir haben unsere Militärübungen in Südkorea gestoppt, Nordkorea hat noch nichts geliefert. Man hat sich nicht auf eine klare Definition von Denuklearisierung verständigt, geschweige denn auf einen Prozess der Überprüfung. Für Trumps Umgang mit der britischen Premierministerin Theresa May schäme mich und bin schockiert. Das widerspricht allem, wie Spitzendiplomatie funktioniert. Ein Teil der Geschehnisse ist mir, offen gestanden, ein Rätsel. "Nachdem Interview in der "Sun“ stellte sich Trump hin und sagte zu May: 'Wir hatten eine großartige Zeit.'"
  • Über Trumps Handelskrieg: "Trump spielt mit dem Gefühl eines Teils der US-Bürger, der Rest der Welt nutze Amerika aus. Er fügt dieser Gemengelage seine Beschwerde über angeblich unfairen Handel hinzu. Es benutzt den Welthandel als Werkzeug, um größere Differenzen zu säen, und sieht ihn als Instrument eines Kampfes zwischen Gewinnern und Verlierern, anstatt wie wir daran zu arbeiten, durch Handel unsere Gesellschaften zu verbessern, damit alle davon profitieren."
  • Über Wladimir Putin: "Er ist entschlossen, Russlands Größe wiederherzustellen und er sieht demokratische Regierungen als Feind für sein System. Deshalb will er die Demokratie untergraben, wo immer es möglich ist: bei seinen unmittelbaren Nachbarn, in Europa, in den USA. Er kommt aus dem Geheimdienst KGB, er ist sehr gut in Propaganda."
  • Über Russlands Expansionspläne: "Über die Möglichkeit, dass Russland das Baltikum besetzen könnte, bin ich besorgt. Russland hat für Expansionspläne schon zu Zeiten der Sowjetunion eine bestimmte Ausrede vorgeschoben. Als die Sowjets 1968 in die Tschechoslowakei einmarschierten, behaupteten sie, es hätten Menschen um die Hilfe der Russen gebeten. Das hat der Kreml auch über die Ukraine, die Krim, gesagt. Jetzt streckt angeblich eine russische Minderheit im Baltikum die Arme in Richtung Moskau aus. Wenn Russland aktiv werden sollte, würde es sein Vorgehen begründen wie immer. Russland wird zudem immer versierter in hybrider Kriegsführung. Und russische Einmischung in Wahlen haben wir auch in den USA gesehen."
  • Über Angela Merkel: "Sie war bemerkenswert in der Flüchtlingskrise. Ich bewundere sie für das, was sie getan hat, für ihre Großzügigkeit. Ich wünschte mir, andere Staaten würden ihrem Beispiel folgen. Ich würde es nicht gern sehen, wenn Deutschland den Weg der Aus- und Abgrenzung geht. Die Flüchtlingszahlen sind zurückgegangen, die EU hat sich auf einen Plan geeinigt. Aber Europa war überfordert, das fing schon bei einfachen Dingen wie der Registrierung über Computer an."

nik

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