Massenvernichtungswaffen Bushs Kurzsichtigkeit


Die USA messen offenbar mit zweierlei Maß, denn auch Verbündete der Amerikaner sollen angeblich Massenvernichtungswaffen besitzen. Doch wenn es den Interessen seines Landes dient, drückt Präsident Bush anscheinend schon mal ein Auge zu.

Mit der angeblichen Existenz von Massenvernichtungswaffen in Irak haben die USA und Großbritannien ihren Krieg gegen das Regime in Bagdad begründet. Dass auch nicht wenige ihrer Verbündeten über Massenvernichtungsmittel verfügen, wird von der US-Regierung mit Schweigen übergangen.

Massenvernichtungswaffen als Vorwand

"Es wird behauptet, dass wir Massenvernichtungswaffen als Vorwand benutzen, wenn wir anderen Ländern am Zeug flicken wollen. Aber wir sehen weg, wenn es unseren Interessen dient. Das wird jetzt auf uns zurückfallen", warnt Jon Wolfsthal, stellvertretender Direktor des Nonproliferationsprojekts der Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden. Von Israel nimmt man laut Wolfsthal an, dass es rund 200 Atomsprengköpfe besitzt, mit denen Raketen und Flugzeuge bestückt sind. Im Jahr 2000 habe Israel auch drei Unterseeboote mit Atomraketen ausgerüstet und sich damit ein Atomschlagpotenzial verschafft, wie es nicht einmal die erklärten Atommächte Indien und Pakistan hätten und das möglicherweise selbst China nicht besitze.

Das Internationale Friedensforschungsinstitut in Stockholm nimmt an, dass die Israelis Atomraketen auf mobilen Startrampen in Höhlen verborgen bereit halten. Israel dürfte auch Vorräte an biologischen und chemischen Waffen haben, glauben die Carnegie-Stiftung und das Monterey-Institut für Internationale Studien in Kalifornien, die sich mit solchen Themen befassen. Israel selbst pflegt nicht zu seinem Arsenal an Massenvernichtungswaffen Stellung zu nehmen.

Nervengift in Ägypten vermutet

Auch von Ägypten, einem weiteren bedeutenden Verbündeten der USA, wird angenommen, dass es Chemiewaffen gelagert hat, darunter die tödlichen Nervengifte Sarin und VX. Das Monterey-Institut schließt nicht aus, dass Ägypten auch über Angriffswaffen verfügt, mit denen chemische Kampfstoffe kriegsmäßig eingesetzt werden können. Indien und Pakistan pflegen ihre Kernwaffentests nicht zu verheimlichen. Auch von ihnen nehmen die beiden amerikanischen Institute an, dass sie ebenfalls die Entwicklung von chemischen und biologischen Waffen betreiben. Ein Chemiewaffenprogramm gibt es nach Ansicht des Monterey-Instituts wahrscheinlich auch in Taiwan, das darüber hinaus möglicherweise auch Forschung auf dem Gebiet biologischer Waffen betreibt. Saudi-Arabien hat von China Mittelstreckenraketen erworben, die mit Atomsprengköpfen bestückt werden können. Man glaube jedoch, dass die Saudiaraber keine unkonventionellen Sprengköpfe hätten, sagt Wolfsthal.

Er warnte, es wäre kurzsichtig von der Regierung Bush, wenn sie sich nur Irak, Iran, Syrien und Nordkorea herauspicken und ignorieren würde, dass Verbündete wie Israel und Pakistan zur Weiterverbreitung der Atomwaffentechnologie beigetragen hätten. Israel hatte das - jetzt nicht mehr existierende - Nuklearprogramm des früheren weißen Regimes in Südafrika unterstützt, Pakistan soll zu solchen Programmen in Nordkorea und Iran beigetragen haben. Zu den weiteren Staaten, die Arsenale an biologischen und Chemiewaffen unterhalten, gehören laut Carnegie-Stiftung außer Russland und China auch Libyen und Sudan. Großbritannien hat nach Angaben der Expertin Amy Smithson vom Henry L. Stimson Center, einem Sicherheitsforschungsinstitut in Washington, seine Vorräte an biologischen und chemischen Waffen vernichtet. Die USA seien dabei, letzte Reste ihrer Chemiewaffen zu beseitigen, heißt es. Allerdings produzierten sie zu Abwehrzwecken weiter geringe Mengen an chemischen und biologischen Giftstoffen.

Jim Krane

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