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Menschen, die Mut machen: Kämpfer für die Rechte der Indigenen

In der Adventszeit stellen wir jeden Tag einen Menschen vor, den sein Engagement für andere oder der Umgang mit dem eigenen Schicksal auszeichnet. Heute: Antônio Ferreira da Silva Apurinã. Der Mann mit dem poetisch klingenden Namen leitet die Geschicke von 14 indigenen Völkern im Amazonas-Dschungel - und hilft ihnen auch gegen die Übergriffe durch Holzfäller, Viehzüchter und Goldsucher.

Von Werner Rudhart

Als Chef der staatlichen Indianerschutzbehörde FUNAI im brasilianischen Bundesstaat Acre ist Antônio Ferreira da Silva Apurinã mitverantwortlich für die Geschicke von 14 verschiedenen indigenen Völkern. Diese leben verteilt über ein Amazonasdschungel-Gebiet an der Grenze zu Bolivien und Peru, so groß wie die Bundesrepublik Deutschland vor der Wiedervereinigung. "Die Entfernungen hier sind genauso groß wie die Probleme", sagt der 48-Jährige.

Indianerbehörde stark verändert

Antônio ist Indianer des Apurinã Volkes. Vor 28 Jahren ist er in die Landeshauptstadt Rio Branco gekommen. "Aus Neugier und um zu lernen." Damals kam er zum ersten Mal in Kontakt mit der Indianerbehörde FUNAI, die jedoch mit der von heute kaum zu vergleichen ist. Sie war ein Instrument der Militärregierung, um die Indianer zu kontrollieren.

1982 kam es zum Widerstand der Indianer. Antônio gründete damals die Union Indigener Nationen (UNI). Eine der zentralen Forderungen war das Ausweisen und die staatliche Anerkennung von Reservaten. Denn ohne gesicherten Landbesitz haben landwirtschaftliche und andere Hilfsprojekte für indigene Völker keine sinnvolle Basis. 1991 begann mit der finanziellen Unterstützung und strategischen Beratung durch "Brot für die Welt" die von den Madijá-Indianern selbst durchgeführte Vermessung ihres Landes. "Die UNI wurde zur öffentlichen Stimme der Indigenen in der Gesellschaft und Politik Brasiliens", sagt Apurinã stolz. Der Schritt in die staatliche Anerkennung war damit geglückt.

1995 wechselte Antônio Ferreira da Silva Apurinã von der UNI zur FUNAI. Das Eintreten für die Rechte der Indianer, und besonders für das Recht auf ihr Land, steht bis heute im Mittelpunkt seiner Arbeit. Die Aufgabe der FUNAI ist es, dafür zu sorgen, die Gebiete der Indianervölker vor Eindringlingen zu schützen. Schon alleine von Weißen eingeschleppte Krankheiten könnten das Ende dieser Völker bedeuten.

Vor Eindringlingen schützen

Der Übergriffe von Holzfällern, Goldsuchern und Viehzüchtern müssen sich auch die meisten der in bereits anerkannten Reservaten lebenden Völker noch erwehren. Apurinã hilft ihnen dabei, soweit es die beschränkten Mittel zulassen.

Dass man unter Weißen leben und trotzdem seinen Wurzeln treu bleiben kann, zeigt Apurinã mit seinem eigenen Leben. Um die "Nicht-Indianer" und ihre Gesetze kennenzulernen ist er damals in die Stadt gekommen. Seine Frau stammt vom Volk der Banawá und spricht eine andere Sprache: "Wir beide unterhalten uns auf Portugiesisch, aber unsere Kinder müssen alle drei Sprachen lernen." Die Familie will in Rio Branco bleiben. Aber so oft es geht, besuchen sie ihre ehemaligen Dorfgemeinschaften, damit die Kinder in beiden Kulturen verwurzelt bleiben.

Sein Amt bei der staatlichen Indianerbehörde betrachtet er als Herausforderung und Privileg zugleich: "Ich vermittle zwischen zwei Welten und vergesse dabei nie, dass ich als Indianer immer unseren Völkern verpflichtet bin."