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Militäroffensive: Massiver US-Luftangriff auf den Irak

Bei dem größten Luftangriff der US-Armee seit ihrem Einmarsch in den Irak vor drei Jahren wurden mehr als 40 Personen festgenommen und mehrere Waffenlager aufgespürt. 1500 Soldaten und 50 Kampfjets sind an der "Operation Schwärmer" beteiligt.

Amerikanische und irakische Truppen haben im Nordirak nach eigenen Angaben den bisher größten Luftangriff seit der Invasion im Frühjahr 2003 begonnen. Mehr als 50 Flugzeuge seien dabei am Donnerstag eingesetzt worden, erklärte das US-Militärkommando in Tikrit. Ziel der Militäroffensive sei es, die Region von "mutmaßlichen Aufständischen zu säubern", hieß es. Die Operation solle mehrere Tage dauern. Nach ersten Angaben des US- Verteidigungsministeriums vom Donnerstag wurden mindestens 41 Verdächtige festgenommen. Einige größere Waffenverstecke seien ausgehoben worden, berichtete das amerikanische Militär nach US- Medienberichten.

Insgesamt mehr als 1500 Soldaten drangen in ein Gebiet nordöstlich der Stadt Samarra vor, in dem sich Extremisten verschanzt haben sollen. In der Region war vor drei Wochen die Reporterin Atwar Bahgad ermordet worden, die für den Nachrichtensender Al-Arabija arbeitete. Laut US-Armee fanden die Soldaten in den ersten Stunden der Operation mehrere Waffenverstecke, Material zur Herstellung von Bomben sowie Militäruniformen.

Gerüchte von geplanten Terroranschlägen

Der Außenminister der irakischen Übergangsregierung, Hoschiar Sibari, sagte dem britischen Fernsehsender BBC irakische Sicherheitsdienste hätten Erkenntnisse, dass Aufständische dort zusammengekommen seien, um Terroranschläge zu planen.

Aus Sicherheitskreisen in der Provinzhauptstadt Tikrit hieß es, die Truppen hätten das Gebiet, das im Westen bis zum Tigris und im Norden vom Harmein-Gebirge begrenzt wird, am frühen Morgen von mehreren Richtungen aus angegriffen.

Parlamentssitzung als symbolischer Akt

Unterdessen trat drei Monate nach der Wahl im Irak das Parlament zu seiner ersten Sitzung zusammen. Die konstituierende Sitzung, die in der streng abgeriegelten "Grünen Zone" von Bagdad stattfand, blieb jedoch ein rein symbolischer Akt. Da sich die Parteien noch nicht über die Verteilung der Schlüsselpositionen in der Regierung einig sind, wählten die 275 Abgeordneten auch keinen Parlamentspräsidenten. Als Alterspräsident hielt der säkulare Sunnit Adnan Padschadschi die Eröffnungsrede. Er rief die Abgeordneten auf, nicht immer nur an die Interessen der eigenen Religionsgruppe zu denken. Padschadschi verurteilte die jüngste Welle von Anschlägen auf Moscheen und warnte, "die Gefahr eines Bürgerkrieges ist noch nicht gebannt".

Regierungsbildung nicht abgeschlossen

Unterbrochen wurde Padschadschi von dem Vorsitzenden der religiösen Schiiten-Allianz, Abdul Asis al-Hakim, der ihn aufforderte, nicht über die Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten zu sprechen. Die Allianz ist die stärkste Fraktion im Parlament.

Die Abgeordneten wurden vereidigt. Anschließend erklärte Padschadschi die Sitzung für beendet und sagte, das Parlament werde seine Arbeit nach weiteren Verhandlungen zwischen den Parteien aufnehmen. Ein Datum nannte er nicht. Der umstrittene designierte Ministerpräsident Ibrahim al-Dschafari erklärte, die Bildung der neuen Regierung könne noch einen Monat in Anspruch nehmen. Er deutete erstmals an, dass er eventuell auf das Amt des Regierungschefs verzichten würde. Übergangspräsident Dschalal Talabani sagte, er hoffe, die Verhandlungen über die Regierung könnten bis Ende März abgeschlossen werden. Um Anschläge zu verhindern, blieben alle öffentlichen Einrichtungen am Donnerstag geschlossen, und es herrschte Fahrverbot.

Studenten sterben nach Sprengsatz-Detonation

Der Nachrichtensender Al-Arabija meldete, in Bagdad seien seit Mittwochabend 25 Leichen von Mordopfern entdeckt worden, darunter mehrere Polizisten. Nach Polizeiangaben wurden unter anderem zwischen Feldern in Dscharf al-Sachr südlich von Bagdad die Leichen von sieben Irakern gefunden worden, unter ihnen drei Polizisten. Unbekannten erschossen bei Mossul sechs Studenten in einem Bus. Fünf weitere Insassen des Busses wurden entführt.

In Al-Ghalibija nordöstlich von Bagdad starben am Donnerstag drei Studentinnen, als ein Sprengsatz in der Nähe ihrer Hochschule explodierte. In Halabdscha erschossen kurdische Sicherheitskräfte drei Demonstranten, nachdem die jungen Männer bei einer Zeremonie zum Gedenken an die Opfer des Giftgasangriffes auf die Stadt 1988 Politikern den Weg versperrt hatten.

DPA