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Leitartikel in der "Washington Post": "Eklatantes Defizit bei charakterlichen Qualitäten": Mitt Romney rechnet mit Donald Trump ab

Kurz vor seinem Einzug in den Senat hat Mitt Romney in der "Washington Post" seinen Parteikollegen Donald Trump scharf kritisiert. US-Medien spekulieren darüber, ob Romney 2020 gegen den US-Präsidenten antreten könnte.

Donald Trump und Mitt Romney

Mitt Romney (r.) wirft Donald Trump in einem Artikel in der "Washington Post" charakterliche Schwächen vor

AFP

Der frühere US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney wird am Donnerstag als US-Senator vereidigt. Vor seinem Amtsantritt hat der Republikaner einen Leitartikel in der "Washington Post" veröffentlicht, in dem er mit seinem Parteikollegen Donald Trump abrechnet. Der US-Präsident werde seinem Amt nicht gerecht, schrieb Romney über seinen Parteifreund. Das Land sei so "gespalten, aufgebracht und wütend", dass die "charakterlichen Qualitäten" des Präsidenten "unverzichtbar" seien. Auf diesem Gebiet aber sei das "Defizit" des Amtsinhabers besonders "eklatant". 

Romney kündigte an, er werde mit Trump umgehen wie mit mit jedem anderen Präsidenten. "Ich habe nicht vor, jeden Tweet oder Fehler zu kommentieren", schrieb der künftige Senator. "Aber ich werde gegen wichtige Stellungnahmen oder Handlungen Stellung beziehen, die spaltend, rassistisch, sexistisch, einwandererfeindlich oder unehrlich sind oder demokratische Institutionen beschädigen".    

Will Mitt Romney 2020 gegen Donald Trump antreten?

In US-Medien wird nach Romneys Abrechnung darüber spekuliert, ob er den scheidenden republikanischen Senator Jeff Flake als Trump-Kritiker ablösen wolle. Einige Kommentatoren glauben sogar, dass Romney bei der Präsidentschaftswahl 2020 gegen Trump antreten könnte.

   

Im Wahlkampf 2016 hatte der frühere Investmentbanker und Ex-Gouverneur des Bundesstaats Massachusetts Trump als "Hochstapler" und "Betrüger" kritisiert. Trump beschimpfte Romney, der 2012 gegen Barack Obama unterlegen war, als einen der "dümmsten und schlimmsten" Präsidentschaftskandidaten der Republikaner.    

Nach Trumps Wahlsieg fuhr Romney seine Kritik erst einmal deutlich zurück. Zwischenzeitlich wurde er sogar als möglicher Außenminister gehandelt. Später unterstützte Romney die Steuerreform des Präsidenten und erklärte, Trump habe in seinem ersten Jahr im Amt seine "Erwartungen übertroffen". Trump unterstützte seinerseits Romneys Senatskandidatur. Romney werde ein "großartiger Senator" sein, schrieb er seinerzeit im Onlinedienst Twitter.    

Romney beklagt: Trump ist seinem Amt nicht gerecht geworden

Romney erinnerte in seinem Zeitungsbeitrag daran, dass er Trumps Präsidentschaftskandidatur nicht unterstützt habe. Er habe aber gehofft, dass Trump als Präsident auf Beschimpfungen verzichten würde - diese Hoffnung habe sich trotz ermutigender Personalentscheidungen nicht erfüllt, schrieb Romney mit Blick auf Ex-Stabschef John Kelly und den zurückgetretenen Verteidigungsminister Jim Mattis, die im Weißen Haus als Ruhepole galten.    

Trump sei seinem Amt in den vergangenen zwei Jahren nicht gerecht geworden, besonders schlimm sei es aber im vergangenen Monat gewesen, schrieb Romney mit Blick auf Trumps Entscheidung zum Abzug der US-Truppen aus Syrien und Mattis' Rücktritt. Im Dezember sei es mit Trumps Präsidentschaft "steil" bergab gegangen.

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vit / AFP