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Mohammed-Zeichnungen: Islamisten rufen zu Anschlägen auf

Der Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen weitet sich aus: Massendemonstrationen und erneute Veröffentlichungen erhitzen die Gemüter - irakische Aufständische rufen zu Anschlägen auf.

Der Streit über Karikaturen des Propheten Mohammed zieht immer weitere Kreise. Am Mittwoch druckten auch drei Tageszeitungen in Deutschland und Frankreich die Zeichnungen nach, die Ende September in der dänischen "Jyllands-Posten" erschienen waren und jetzt zu heftigen Protesten in der arabischen Welt geführt haben. Der Chefredakteur von "Jyllands-Posten" erklärte, die Proteste gegen die Karikaturen seien zu einem Sieg über die freie Meinungsäußerung geworden.

Die "Welt" veröffentlichte eine der Karikaturen auf ihrer Titelseite. Auch die "Berliner Zeitung" druckte zwei der insgesamt zwölf Karikaturen ab. Der Deutsche Journalistenverband (DJV) kritisierte den Nachdruck: Nach Paragraf 10 des Pressekodexes seien "Veröffentlichungen in Wort und Bild, die das sittliche oder religiöse Empfinden einer Personengruppe nach Form und Inhalt wesentlich verletzen können, mit der Verantwortung der Presse nicht zu vereinbaren", erklärte DJV-Sprecher Hendrik Zörner. Er räumte ein, die Zeitungen könnten mit der Chronistenpflicht argumentieren. Es sei verständlich, wenn sie den Lesern zumindest zeigen wollten, worum es bei dem Konflikt gehe. Dafür hätten sie sich aber auf eine einzelne Karikatur beschränken und darauf achten können, dass sie nicht gegen muslimische Grundsätze verstoßen.

Hat man das Recht, Gott zu karikieren?

"Ja, wir haben das Recht, Gott zu karikieren."

Auf der Titelseite der französischen Zeitung "France-Soir" hieß es: "Ja, wir haben das Recht, Gott zu karikieren." Begleitet wurde dies von einer weiteren Karikatur, die die buddhistischen, jüdischen, muslimischen und christlicher Götter auf einer Wolke zeigt. Im Innenteil des Blattes werden dann die dänischen Karikaturen gezeigt. "

Das Erscheinen der zwölf Zeichnungen in der dänischen Presse hat in der muslimischen Welt Emotionen ausgelöst, weil dort die Darstellung Allahs und seines Propheten verboten ist. Aber kein religiöses Dogma kann einer demokratischen und säkularen Gesellschaft auferlegt werden, 'France-Soir' druckt deshalb die kritisierten Karikaturen", schrieb das Blatt.

Irakische Aufständische rufen zu Anschlägen in Dänemark auf

Vor der dänischen Botschaft in Ankara protestierten mehrere Dutzend Mitglieder der islamischen Partei Glückseligkeit gegen die Veröffentlichung der Zeichnungen in Dänemark. Eine so "geschmacklose Beleidigung" könne nicht mit einer einfachen Entschuldigung wieder gut gemacht werden, erklärte ein Sprecher der Partei, Yayha Incetahtaci, und rief die Bevölkerung zum Boykott dänischer Produkte auf. Im Internet riefen irakische Aufständische ihre Anhänger zu Anschlägen in Dänemark und Norwegen auf.

"Jyllands-Posten" hatte sich am Montag auf ihrer Web-Site bei den Muslimen entschuldigt. Chefredakteur Carsten Juste erklärte, die Zeichnungen hätten nicht gegen dänische Gesetze verstoßen, aber unzweifelhaft viele Muslime beleidigt. In einem Interview mit der Zeitung "Berlingske Tidente" sagte Juste, er befürchte, dass nach diesen Protesten niemand in der nächsten Generation in Dänemark mehr eine Zeichnung von Mohammed anfertigen werde. "Sie haben gewonnen", sagte er. Hätte er geahnt, was die Karikaturen für Konsequenzen haben, hätte er sie niemals veröffentlicht, sagte Juste.

Islamisten wollen Server der dänischen Zeitung lahm legen

Die islamische Glaubensgemeinschaft in Dänemark akzeptierte die Entschuldigung nicht und wies sie als unzureichend zurück. Die Büros der "Jyllands-Posten" in Kopenhagen und im Westen Dänemarks mussten am Dienstagabend geräumt werden, nachdem ein Anrufer vor Bomben gewarnt hatte.

Unterdessen berichtete "Spiegel-Online" von der Absicht islamistischer Kreise, den Server der dänischen Zeitung "Jyllands Posten" zu attackieren, die die Karikaturen zuerst veröffentlicht hatte. In einem entsprechenden Internet-Appell mit genauen Anleitungen heißt es laut "Spiegel-Online": "Brüder, heute werden wir, mit Gottes Erlaubnis, damit beginnen, die Website der dänischen Zeitung lahm zu legen, die sich über unseren ehrenwerten Propheten lustig gemacht hat." Ziel sei es, den Server des Blattes durch Überlastung in die Knie zu zwingen.

DPA / DPA