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Montenegro: 43 Tote bei schwerem Zugunglück

Bei dem schwersten Eisenbahnunglück in der Geschichte Montenegros sind mindestens 43 Menschen gestorben. Der Zug stürzte eine Schlucht hinab. Als Unfallursache wird Bremsversagen genannt.

Der Personenzug mit mindestens 250 Passagieren an Bord war im Umland der Hauptstadt Podgorica entgleist und in eine Schlucht gestürzt. Als Unfallursache nannte das Innenministerium des Balkanlandes Bremsversagen. Der verletzte Lokführer wurde festgenommen, ihm wird Fahrlässigkeit vorgeworfen. Der Mann musste ebenfalls im Krankenhaus behandelt werden. Viele Insassen hatten Glück im Unglück, da die in die tiefe stürzenden ersten Zugwaggons 40 Meter über dem Fluss Moraca von Bäumen aufgefangen wurden.

Nach einer Krisensitzung teilte die Regierung mit, es gebe 43 Todesopfer und mindestens 200 Verletzte - darunter 90 Kinder. Unter den Passagieren waren offenbar viele Familien, die aus den Skiferien zurückkehrten. Montenegro rief angesichts des Ausmaßes des Unglücks eine dreitägige Staatstrauer aus. Verkehrsminister Andrija Lompar und Eisenbahnchef Ranko Medenica reichten ihren Rücktritt ein.

Nationale Katastrophe

Polizei- und Armee-Hubschrauber kreisten über der Unfallstelle, während sich Rettungskräfte bemühten, die Opfer aus den Waggons herauszuholen. Die Rettungsaktion wurde durch die hereinbrechende Dunkelheit, dicht stehende Bäume und starke Winde erschwert. "Die ganze Nation wurde mobilisiert, um Leben zu retten", sagte Ministerpräsident Milo Djukanovic, der zusammen mit Präsident Filip Vujanovic zur Unfallstelle eilte. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, Blut zu spenden. Die Rettungsarbeiten waren am Abend abgeschlossen und Teams dabei, die letzten beiden Leichen zu bergen.

Mangelhafte Wartung des Abschnitts

Ein Überlebender sagte, er sei in einem Waggon gewesen, der nicht entgleist und in einem Tunnel stehen geblieben sei. "Wir hatten Glück, wegen des Tunnels", fügte er hinzu. Es sei der letzte Waggon des Zugs gewesen. Die vorderen Wagen habe es härter getroffen. Viele Menschen hätten in Panik geschrien. Ein Augenzeuge berichtete, der Zug sei offenbar wegen Bremsversagens auf der abschüssigen Strecke immer schneller geworden und an einem Tunnelausgang entgleist. Dennoch sei er nicht zum Stehen gekommen, sondern über die Bahntrasse hinausgeschossen. Der Bahnabschnitt gilt wegen mangelhafter Wartung als besonders gefährlich.

Reuters/DPA/AP / AP / DPA / Reuters