MORDAUFRUF Israelischer Minister fordert Tötung Arafats


Machtprobe für Arafat: Zwei Polizeichefs weigerten sich, ihre am Vortag ausgesprochene Entlassung anzuerkennen. Der israelische Minister Effi Eitam forderte indes die Ermordung des PLO-Chefs.

Dem palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat steht offenbar eine Machtprobe bevor: Zwei Polizeichefs im Westjordanland und Gazastreifen weigerten sich am Donnerstag, ihre am Vortag ausgesprochene Entlassung anzuerkennen. Der Sicherheitschef im Westjordanland, Dschibril Radschub, versicherte jedoch, es werde keinen Aufstand und keinen Bürgerkrieg geben. Sein Kollege im Gazastreifen, Ghasi Dschibali, erwog, bei der Wahl im Januar gegen Arafat anzutreten. Der israelische Minister Effi Eitam forderte die Ermordung Arafats.

»Arafat und seine Mörderbande müssen getötet werden«

Der israelische Minister ohne Geschäftsbereich Eitam erklärte, Arafat und »seine Mörderbande« müssten getötet werden. Der Vorsitzende der rechtsextremen Nationalen Religionspartei sagte, auch Arafats Vertrauter Marwan Barghuti solle »auf ein Feld gebracht werden, wo ihm in den Kopf geschossen werde«. Barghuti war im April in Ramallah festgenommen worden. Israel verdächtigt ihn, an der Planung von Terroranschlägen beteiligt gewesen zu sein. Wenn es nach ihm ginge, »wäre Arafat in 15 Minuten tot«, sagte Eitam weiter.

Aus israelischen Regierungskreisen verlautete, Israel habe fast alle gesuchten Palästinenser festgenommen oder getötet. Die meisten seien während der sechswöchigen Offensive im Westjordanland im März und April oder während der jüngsten Militäraktion gefasst worden. Der Hamas-Führer im Gazastreifen, Abdel Asis Rantisi, erklärte jedoch, der Führungsriege seiner Organisation hätten die Operationen nicht geschadet. Die Selbstmordattentate könnten nicht gestoppt werden.

Die Regierung von Ministerpräsident Ariel Scharon hatte am Mittwoch eine Lockerung des Ausgehverbots in den besetzten palästinensischen Städten beschlossen. So sollen sich die Bewohner tagsüber wieder frei bewegen dürfen. Außerdem sollen etwa 5.000 Palästinenser zu ihren Arbeitsstellen in Israel zurückkehren dürfen.

Polizeichef Radschub erwägt erneute Kandidatur

Die am Mittwoch entlassenen Polizeichefs Radschub und Dschibali erklärten, sie hätten keine offizielle Mitteilung über ihre Entlassung erhalten. »Ich werde Präsident Arafats Anweisungen auf meine Art umsetzen«, sagte Radschub. Er werde seinen Posten erst räumen, wenn er offiziell entlassen worden sei. Aus palästinensischen Polizeikreisen verlautete, Dschibali wolle ebenfalls erst nach seiner Demission sein Amt zur Verfügung stellen und werde dann eine Kandidatur bei der Wahl erwägen.

Radschub machte Druck von außen für seine Entlassung verantwortlich. In israelischen Medien hieß es, seine Anhänger wollten sich weigern, einen anderen Kommandeur anzuerkennen. Radschub gilt im Westjordanland als stärkster Mann nach Arafat. Der palästinensische Präsident hatte Radschub und Dschibali am Mittwoch entlassen. Beobachter machten interne Streitigkeiten in der Autonomiebehörde für diesen Schritt verantwortlich.

Die israelische Regierung beschrieb die Entlassungen als bedeutungslos. Verteidigungsminister Benjamin Ben Elieser erklärte, nur die Ablösung Arafats könne die Palästinenser retten. Im Gazastreifen demonstrierten mehrere tausend Menschen für Arafat und gegen den amerikanischen Präsidenten George W. Bush, der einen Wechsel in der palästinensischen Führung gefordert hatte. »Wir wollen alle wissen lassen, dass Arafat der einzige Führer dieser Nation ist«, sagte der Sprecher von Arafats Fatah-Bewegung, Dieb el Luh.


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