Mosambik Hungerkrise im südlichen Afrika


In Mosambik und Simbabwe verschärft sich die Lebenslage der Menschen zusehends. Rund 14 Millionen Menschen waren auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen. Zudem nimmt AIDS den Familien den Ernährer.

Schüchtern steht ein kleiner Junge vor dem UNICEF-Team in der mosambikanischen Provinz Tete. Ein Mitarbeiter des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen legt ein Maßband um den Oberarm des Kindes: 13 Zentimeter. Gerade genug. Der Kleine scheint trotz der anhaltenden Lebensmittelknappheit in der Region noch ausreichend genährt - anders als viele seiner Freunde. Noch immer hungern Millionen Menschen im südlichen Afrika. Dürre, Katastrophen, politische und wirtschaftliche Misswirtschaft fordern weiter ihren Tribut.

"Die Krise ist noch lange nicht vorbei", sagt Jennifer Abrahamson vom Welternährungsprogramm (WFP) im südlichen Afrika. In der Region waren in den vergangenen Monaten noch immer rund 14 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Vermutlich gehe die Gesamtzahl jetzt mit der neuen Ernte zwar zurück - aber nur vorübergehend, bis die Vorräte wieder aufgebraucht seien, sagt Abrahamson.

Mosambik stärker betroffen

Während sich die Lage in einigen Ländern wie in Malawi und Sambia etwas stabilisiert habe, verstärke sich die Not in anderen immer mehr. "In Mosambik wird es immer schlimmer", berichtet die WFP-Sprecherin. "Die Situation ist sehr Besorgnis erregend." In weiten Teilen im Süden und in der Mitte des Landes sei auch in diesem Jahr wieder die Maisernte weitgehend ausgefallen - für manche Mosambikaner schon zum vierten Mal in Folge.

Rund eine Million Menschen haben dort nicht genug zu essen. Tendenz steigend. "Um zu überleben, greifen viele auf Gras und wild wachsende Pflanzen oder Wurzeln zurück, die nicht zu den traditionellen Nahrungsmitteln gehören. Und einige davon können giftig sein", berichtet Abrahamson. "Die Leute verkaufen ihr Vieh und ihren Haushalt, um an Geld zu kommen. Mädchen und Frauen prostituieren sich."

Tragisch entwickelt sich auch die Hungerkrise in Simbabwe. Allein dort hungern rund sechs Millionen Menschen. "Simbabwe produziert kaum genug, um 40 Prozent des Bedarfs zu decken", berichtet das WFP. Neben dem Klima sind auch der wirtschaftliche Niedergang sowie die umstrittene Landreformpolitik von Präsident Robert Mugabe für das Leid mitverantwortlich.

Zwar ist nach WFP-Angaben im südlichen Afrika insgesamt die Getreideernte in diesem Jahr weit besser als 2002. Doch selbst wenn es in einigen Regionen Überschuss gibt, scheitert oft die Verteilung. Die Hungernden haben kein Geld für Lebensmittel, schlechte Anbindungen und mangelnde Fahrzeuge blockieren den Transport.

"Wir werden eine Dauerkrise haben"

Der Hunger lähmt und schwächt, Krankheiten haben leichtes Spiel. Medikamente sind meist unerschwinglich. Was die derzeitige Krise scharf von allen bisherigen Hungersnöten abhebt, ist Aids. Bei Infektionsraten, die teilweise über 30 Prozent liegen, ist die Katastrophe deshalb auch langfristig kaum zu bewältigen. Fast 30 Millionen Menschen in Afrika südlich der Sahara tragen das Tod bringende Virus in sich. Allein in Simbabwe sind 2,3 Millionen Menschen betroffen.

"Die Infizierten sind meistens die Ernährer der Familien", sagt Ulrich Tietze, Soforthilfekoordinator für das Kinderhilfswerk terre des hommes. "Ihre Lebenskraft wäre für die Bewältigung der Hungerkrise dringend notwendig."

Die befürchtete Katastrophe mit unzähligen Hungertoten sei zwar erst einmal abgewendet worden, sagt WFP-Sprecherin Brenda Barton in Nairobi. Die Krise aber bleibe. "Die grundlegende Botschaft ist, dass diese Krise anhält. Wir werden eine Dauerkrise haben", meint Barton. "Wir müssen Hungersnot ganz neu definieren."


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