Mumbai-Massaker Terror-Planer in Pakistan gefasst

Die pakistanische Armee hat ein Terrorcamp der Extremistengruppe Lashkar-e-Taiba ausgehoben, die für das Massaker von Mumbai verantwortlich sein soll. Mehrere mutmaßliche Terrorhelfer sollen bei der Razzia in Kaschmir festgenommen worden sein - darunter offenbar auch der Drahtzieher der Anschläge.

Pakistanische Sicherheitskräfte haben offenbar einen der mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge von Mumbai festgenommen. Zaki-ur-Rehman Lakhvi sei am Sonntagabend bei der Erstürmung eines Lager der Extremistenorganisation Lashkar-e-Taiba in Kaschmir gefasst worden, hieß es am Montag in Kreisen von Geheimdienst und Extremistengruppen. "Ja, Lakhvi gehört zu einer Gruppe von vier oder fünf bei der Aktion Festgenommenen", sagte ein Vertreter einer der LeT nahestehenden Gruppe. Ähnlich äußerte sich auch ein pakistanischen Geheimdienstler, der ebenfalls nicht mit Namen genannt werden wollte.

Lakhvi soll ein Einsatzchef der LeT sein. Der einzige überlebende Attentäter von Mumbai hat ihn nach offiziellen Angaben aus Indien als Drahtzieher der Anschläge identifiziert. Die Täter hatten bei ihrem mehrtägigen Sturmlauf in der indischen Millionenmetropole Ende November 163 Zivilisten und Sicherheitskräfte getötet. Neun Terroristen kamen ums Leben. Indien hatte wiederholt erklärt, die Attentäter hätten Verbindungen zur LeT gehabt.

Offiziell wurde der Einsatz pakistanischer Sicherheitskräfte auf das LeT-Lager außerhalb der Kaschmir-Hauptstadt Muzaffarabad nicht bestätigt. Geheimdienstoffiziere sprachen lediglich von der Festnahme von sechs Männern. Wie die BBC berichtete, sahen Augenzeugen einen Hubschrauber und Dutzende von Soldaten in Aktion. Außerdem seien mehrere Explosionen zu hören gewesen. Das Lager sei abgeriegelt worden. Der Militäreinsatz richtete sich nach Angaben eines ranghohen Geheimdienstlers gegen die islamische Hilfsorganisation Jamaat-ud-Dawa, die Verbindungen zur LeT unterhalten soll.

Die Militäraktion geschah offenbar auf internationalen Druck hin. US-Außenministerin Condoleezza Rice hatte Pakistan zum Handeln aufgefordert. Es gebe Hinweise, dass nichtstaatliche Akteure die Anschläge auf pakistanischem Boden vorbereitet hätten, sagte Rice am Sonntag. Indien macht die LeT für die Anschläge in Mumbai verantwortlich. Zuletzt habe die Dachorganisation Jamaat-ud-Dawa das Lager zu Ausbildungszwecken genutzt, hieß es aus Sicherheitskreisen. Die Verdächtigen wurden auf mögliche Verbindungen zu den Terroranschlägen von Mumbai befragt. Lashkar-e-Taiba wurde nach Einschätzung von Experten in den 80er Jahren mit Hilfe des pakistanischen Geheimdienstes gegründet, um gegen die indische Herrschaft in einem Teil Kaschmirs zu kämpfen.

Aufständische setzen 100 Nato-Fahrzeuge in Brand

Terroristen in Pakistan griffen unterdessen erneut ein Lkw-Depot an, von dem aus die Nato-Truppen in Afghanistan versorgt werden. Augenzeugen berichteten von einer Explosion. Anschließend hätten mehrere Kämpfer das Gelände in Peshawar gestürmt. Rund 100 Militärfahrzeuge stünden in Flammen. Erst am Sonntag war bei einem Überfall auf ein Lkw-Depot in Nordwestpakistan ein Polizist ums Leben gekommen. Die Angreifer setzten 62 Lastwagen der Einrichtung in Brand, die der Versorgung von Nato-Truppen in Afghanistan dient. Es wird vermutet, dass Extremisten der Taliban-Miliz den Nachschub für die internationalen Truppen in Afghanistan treffen wollen, der zu einem großen Teil von Pakistan aus über den Khyber-Pass geführt wird.

AP/AFP/Reuters AP Reuters

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