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Myanmar: Stiller Widerstand tausender Mönche

Den sechsten Tag in Folge protestieren in Myanmar tausende Mönche friedlich gegen die Militärjunta. Die sieht bisher tatenlos zu - wohl auch aus Rücksicht auf China, das die Diktatur unterstützt. Doch nun will die Regierung die Demonstrationen mit einem Aufruf an die Religionsführer beenden.

Die Protestbewegung gegen die Militärregierung in Myanmar (vormals Burma) geht weiter: Erneut versammelten sich nach Augenzeugenberichten rund 3000 buddhistische Mönche vor der Shwedagon-Pagode, um gegen die Militärregierung zu demonstrieren. Nach dem bislang größten Protest gegen das Regime seit fast 20 Jahren hatten in der Nacht zum Montag etwa 600 Mönche vor dem buddhistischen Heiligtum ausgeharrt. Sie wurden von der Bevölkerung, darunter zwei prominente Schauspieler, mit Lebensmitteln und Wasser versorgt. Die Proteste der Mönche dauern bereit seit sieben Tagen an. "Wir sind alle Buddhisten", sagte der Schauspieler Kyaw Thu. "Wir werden alles für die Versorgung der Mönche machen." Die Mönche protestierten im Namen des Volkes, betonte er.

China ist größter Unterstützer der Junta

Am Sonntag hatten 20.000 Menschen zusammen mit den Mönchen in Rangun demonstriert und dabei auch ihre Unterstützung für die unter Hausarrest stehende Oppositionsführerin Aung Sam Suu Kyi bekundet. Die Friedensnobelpreisträgerin wird seit Jahren als politische Gefangene unter Hausarrest festgehalten. Sie zeigte sich entgegen den Arrestauflagen erstmals seit vier Jahren kurz in der Öffentlichkeit, nachdem rund 2000 Mönche eine Straßensperre umgangen hatten und zu ihrem Haus gezogen waren. Größere Zusammenstöße gab es bisher nicht. 1988 hatte die Militärregierung die Demokratiebewegung blutig niedergeschlagen. Etwa 3000 Menschen kamen dabei ums Leben.

Die Junta toleriert nach Einschätzung eines südostasiatischen Diplomaten aus Rücksichtnahme auf China die Proteste. China übe als wichtigster Wirtschaftspartner Myanmars starken Druck auf Rangun aus, vor den Olympischen Spielen im kommenden Jahr Konfrontationen zu vermeiden. "Jeder weiß, dass China der größte Unterstützer der Junta ist", sagte der Diplomat. "Wenn die Militärregierung nun irgendwas unternimmt, wird das auch das Image von China beschädigen." China zählt auf die großen Öl- und Gasvorkommen Myanmars zur Versorgung seiner boomenden Wirtschaft. In diesem Jahr blockierte Peking eine Sicherheitsratsresolution, in der die Menschenrechtslage in Myanmar kritisiert werden sollte. Zugleich übte Peking in stiller Diplomatie Druck auf die Junta aus, einen Dialog für demokratische Reformen aufzunehmen.

Aufruf der Religionsführer

Die Protestbewegung begann am 19. August mit einer Demonstration gegen eine Erhöhung der Benzinpreise. Mit den Protestmärschen der Mönche, die in der traditionellen birmanischen Gesellschaft große Hochachtung genießen, gewann die Bewegung in der vergangenen Woche zusätzliche Brisanz. Beobachter sprechen von der größten Herausforderung für das Militärregime seit der gewaltsamen Unterdrückung von Studentenprotesten im Dezember 1996.

Die staatlich kontrollierten Religionsführer in Myanmar haben die seit Tagen zu tausenden im ganzen Land protestierenden Mönche zur Ordnung gerufen. Der Sangha Nayaka-Rat forderte die Klöster in der größten Stadt Rangun öffentlich auf, alle zu Besuch verweilenden Mönche aus dem Umland nach Hause zu schicken. An den Protestmärschen gegen die Militärjunta haben seit vergangenem Dienstag allein in Rangun tausende Mönche teilgenommen. Viele von ihnen sollen aus anderen Landesteilen kommen und angeblich zur Weiterbildung in Rangun sein.

USA beobachten die Situation

Das Militärregime hat den Demonstrationen seit Tagen tatenlos zugesehen. Eine Untergrundgruppe von Mönchen soll inzwischen den Sturz der Regierung anstreben. Die Gruppe soll auch Bürger aufgerufen haben, an den Demonstrationen teilzunehmen. In Myanmar gibt es schätzungsweise 400.000 Mönche. Wie viele davon sich dem Widerstand angeschlossen haben, ist unklar.

Angesichts der massiven Demonstrationen drängen die USA auf demokratische Reformen in dem südostasiatischen Land. Die Menschen dort verdienten ein Leben in Freiheit, sagte Außenministerin Condoleezza Rice am Sonntag vor einem Treffen mit ihrem chinesischen Amtskollegen Yang Jiechi in New York. Das Regime sei für seine Brutalität bekannt, und die USA beobachteten die Situation sehr genau. Auch US-Präsident George W. Bush werde sich mit dem Thema befassen, sagte sie.

AP/DPA/Reuters

Myanmar, Burma oder Birma?
Liebe Leser, wie Ihnen sicher schon aufgefallen ist, gibt es für das südostasiatische Land verschiedene Begriffe: Birma, Burma, Myanmar. In vielen deutschen Medien wird es Birma genannt, vereinzelt auch Burma, wie im englischen Sprachraum üblich. Seit 1989 heißt es offiziell Union Myanmar. So wird es von den Vereinten Nationen und von der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet. Einige Länder sind aus Protest gegen das dort herrschende Militärregime bei Birma/Burma geblieben, wie etwa die USA und Australien. stern.de hat sich entschieden, das Land Myanmar zu nennen.
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