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Nach Erschießung zweier Jugendlicher: In Palästinensergebieten herrschen Wut und Trauer

Der Tod eines Palästinensers in Haft hatte bereits Proteste ausgelöst. Nach der Erschießung von zwei Palästinensern durch die isralische Armee überwiegen Wut, Trauer - und der Ruf nach Rache.

Die #Link;http://www.stern.de/politik/ausland/gewalt-in-nahost-zwei-jugendliche-palaestinenser-getoetet-1992830.html;Tötung zweier Jugendlicher durch Israels Armee# hat die Spannungen in den Palästinensergebieten am Donnerstag weiter angeheizt. Tausende wütende Trauernde beerdigten die beiden Cousins in ihrem Heimatort im Norden des Westjordanlands. Im südlich gelegenen Hebron trug unterdessen ein großer Trauerzug den in israelischer Haft verstorbenen Palästinenser Maisara Abu Hamdijeh zu Grabe, dessen Tod die neuen Spannungen ausgelöst hatte.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas reagierte auf die Erschießung der beiden Heranwachsenden mit einer scharfen Warnung: "Die israelische Regierung betreibt diese Eskalation und ist damit verantwortlich für die negativen Folgen auf die Anstrengungen der USA und der internationalen Gemeinschaft, neue Verhandlungen in die Wege zu leiten," sagte Abbas nach Angaben seines Sprechers Nabil Abu Rudeina.

Der 17-jährige Amer Nasser und sein zwei Jahre älterer Cousin Nadschi Balbisi waren nach palästinensischen Angaben am späten Mittwochabend nahe der Kleinstadt Anabta (östlich von Tulkarem) von Soldaten erschossen worden, als sie nach Angaben eines Militärsprechers einen Kontrollposten der Streitkräfte mit Brandflaschen angriffen. Während Nasser unmittelbar nach den Schüssen mit tödlichen Kopfverletzungen geborgen wurde, war Balbisis Leiche den Angaben zufolge erst Donnerstagfrüh mit Schusswunden in der Brust entdeckt worden. Die israelische Armee bestätigte zunächst nur den Fund einer Leiche.

Racheakte gegen Israel gefordert

Rund 6000 Trauernde beerdigten die beiden in palästinensische Flaggen gehüllten Heranwachsenden am Nachmittag in Anabta. Viele Teilnehmer forderten Racheakte gegen Israel, wie ein AFP-Korrespondent berichtete.

Zur gleichen Zeit bildeten etwa gleich viele Landsleute in Hebron ein Ehrenspalier für Abu Hamdijeh, der am Dienstag in israelischer Haft im Alter von 63 Jahren an Krebs gestorben war. Die Palästinenserführung warf den israelischen Justizbehörden daraufhin eine absichtliche medizinische Unterversorgung des Häftlings vor. Der aus Hebron stammende frühere General der palästinensischen Sicherheitskräfte war 2002 zu lebenslanger Haft verurteilt worden, weil er laut Urteil während der zweiten Intifada die Täter eines fehlgeschlagenen Bombenanschlags auf ein Jerusalemer Café rekrutiert hatte.

Tod des Gefangenen hatte Spannungen deutlich verstärkt

Der Anwalt des verstorbenen Häftlings gab jetzt eine eidesstattliche Versicherung ab, derzufolge sein Mandant seit August 2012 über starke Halsschmerzen geklagt hatte, aber bis Januar nur mit Antibiotika behandelt wurde. Erst dann sei er näher untersucht und die fortgeschrittene bösartige Erkrankung diagnostiziert worden.

Der Tod des Gefangenen hatte die Spannungen in den seit 1967 von Israel besetzten Palästinensergebieten deutlich verstärkt. Auch islamistische Kräfte im Gazastreifen begründeten wiederholte Mörser- und Raketenangriffe auf israelisches Territorium mit dem Tod Abu Hamdijehs. Auch am Donnerstag wurde der Süden des Landes mit mindestens einer Mörsergranate beschossen.

#Link;http://www.stern.de/politik/ausland/john-kerry-90295610t.html;US-Außenminister John Kerry# will am Wochenende erneut in die Region reisen, um den Friedensprozess im Nahen Osten wieder in Gang zu bringen.

ger/AFP / AFP