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Nach Schulmassaker in Newtown: Investor trennt sich von Waffenhersteller

Unter anderem mit einem Bushmaster-Sturmgewehr hatte der Amokläufer von Newtown getötet. Der Finanzinvestor, dem der Waffenhersteller gehört, gerät unter Druck - und steigt aus dem Geschäft aus.

Die ersten zwei getöteten Kinder des Amoklaufs in Newton sind am Montagnachmittag beigesetzt worden. Derweil geht in den USA die Debatte um das Waffenrecht weiter. Auch wirtschaftliche Folgen zieht das Massaker von Newtown mit sich: Der US-Finanzinvestor Cerberus Capital Management will sich unverzüglich vom Waffenhersteller Freedom Group trennen. Der Finanzkonzern hatte den Waffenhersteller Bushmaster im Jahr 2006 gekauft und gemeinsam mit anderen Unternehmen in der Freedom Group aufgehen lassen. Der Attentäter von Newtown in Connecticut benutzte am Freitag ein Sturmgewehr vom Typ Bushmaster AR 15. Cerberus steht unter Druck des kalifornischen Lehrerpensionsfonds CalSTRS, der mit Stand Ende März mehr als 750 Millionen Dollar bei dem Finanzinvestor angelegt hatte.

Als Zeichen für einen möglichen Wandel gab sich der republikanische Senator Joe Manchin am Montag im TV-Sender MSNBC offen für eine Reform. das NRA-Mitglied rief die Waffenlobby auf, sich einer "vernünftigen Diskussion" nicht zu verweigern. Niemand benötige für die Jagd 30 Schuss Munition im Magazin, sagte der Senator. "Das sind Dinge, über die geredet werden müssen." Nach ihrer Ankündigung eines neuen Gesetzesvorstoßes zum Waffenrecht in den USA hat die demokratische Senatorin Dianne Feinstein jetzt Details zu den Plänen veröffentlicht. Dem Entwurf zufolge sollen der Verkauf, der Transfer, die Herstellung sowie der Import von rund einhundert Modellen von Sturmgewehren verboten werden, wie es am Montag in einer Erklärung hieß. Auf der Liste stehen ihren Angaben zufolge halbautomatische Gewehre und Pistolen sowie Magazine mit mehr als zehn Schüssen. Feinstein reagiert mit ihrem Vorstoß auf den am Freitag verübten Amoklauf in Newtown.

Die geplanten Verbote betreffen dem Entwurf zufolge nur neue Waffen, Besitzer solcher Modelle sollen diese auch behalten dürfen. Außerdem sieht der Text eine Reihe von Ausnahmen für Waffen, die für den Sport oder die Jagd bestimmt sind, sowie für antike Waffen vor. Sie sei nun dabei, sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus für das Gesetz zu werben, erklärte Feinstein. Nicht zuletzt wegen der starken Waffenlobby dürfte es indes schwierig werden, das Gesetz durch beide Kammern des gespaltenen US-Kongresses zu bringen.

Obama will sich in den kommenden Wochen zu Plänen äußern

US-Präsident Barack Obama hatte bereits kurz nach dem Massaker politische Konsequenzen angekündigt und seine Aufforderung zum Handeln am Sonntag bei einer Trauerfeier bekräftigt. Am Montag beriet Obama mit Vize-Präsident Joe Biden, Justizminister Eric Holder, Bildungsminister Arne Duncan und Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius über die nächsten Schritte. Ein Sprecher von Obama sagte, der Präsident werde sich in den kommenden Wochen näher zu seinen Plänen äußern. Generell befürworte Obama aber ein Verbot von Sturmfeuerwaffen.

Das Ausmaß der Tragödie von Newtown scheint auch einige bisherige Verfechter der Waffenfreiheit zum Umdenken zu bewegen: So schlossen sich die beiden ranghohen Demokraten Joe Manchin, Senator aus West Virginia, und Mark Warner, Senator aus Virginia, der wachsenden Zahl von Politikern in Washington an, die sich für schärfere Waffengesetze einsetzen wollen. Dies hatten sie bislang entschieden abgelehnt. In der Vergangenheit hat die Waffenlobby, namentlich die National Rifle Association (NRA) eine strengere Reglementierung des Waffenbesitzes in den USA stets zu verhindern gewusst.

Erste Kinder beigesetzt

Begleitet von hunderten Trauernden sind die ersten zwei Opfer des Schulmassakers von Newtown beerdigt worden. Der sechsjährige Noah Pozner und sein gleichaltriger Schulkamerad Jack Pinto wurden am Montagnachmittag zu Grabe getragen worden, berichteten US-Medien. Viele Menschen legten Blumen, Stofftiere und Ballons vor die kleine Synagoge des Nachbarortes Fairfield, wo die Trauerzeremonie für den aus einer jüdischen Familie stammenden Pozner stattfand, und ein Bestattungsinstitut in Newtown, wo Pinto betrauert wurde.

Kamerateams waren zu den Beisetzungen nicht zugelassen worden. Pozner, der erst vor wenigen Wochen sechs Jahre alt geworen war, war das jüngste der insgesamt 27 Opfer des Amoklaufs. Seine Zwillingsschwester Arielle überlebte die Bluttat in einem anderen Klassenzimmer. Weitere Opfer sollen diese Woche beigesetzt werden.

kmi/DPA/Reuters / DPA / Reuters