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NAHOST: Israel rückt erneut in Hebron ein

Dabei gab es nach palästinensischen Angaben sieben Tote und mindestens 15 Verletzte. Selbst nach der Einigung auf ein Ende von Arafats Belagerung kehrt also keine Ruhe ein.

Die israelische Armee ist Augenzeugenberichten zufolge am Montagmorgen mit Panzern in die Stadt Hebron im Westjordanland eingerückt. Dabei hätten Soldaten aus Hubschraubern mit Maschinengewehren geschossen. Nach palästinensischen Angaben wurden dabei sieben Menschen getötet. Zuvor hatten Israel und die Palästinenser einem amerikanischen Kompromissvorschlag zugestimmt, der ein Ende der Belagerung des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat vorsieht.

Wieder Vorstoß in Palästinenserteil

Die Augenzeugen berichteten, Panzer und gepanzerte Fahrzeuge seien aus allen vier Richtungen etwa zwei Kilometer weit in das Stadtgebiet vorgedrungen. Die Armee habe mehr als die Hälfte des palästinensischen Teils von Hebron besetzt. Normalerweise kontrolliert Israel nur drei jüdische Enklaven, die etwa ein Fünftel der geteilten Stadt ausmachen.

Größter Einsatz seit MonatenEinmarsch ist Vergeltungsschlag

In einer Erklärung der israelischen Armee hieß es, der Einsatz folge »dem grausamen Massaker vom Samstagmorgen« in der nahe gelegenen Siedlung Adora. Dort hatten militante Palästinenser vier Menschen getötet, darunter ein fünf Jahre altes Mädchen. Zu der Tat bekannte sich die Hamas. Die Operation in Hebron sei zeitlich befristet, hieß es in der Erklärung weiter. Ziele seien die Festnahme von Extremisten und die Suche nach Waffen. Israel war zuletzt am Donnerstag kurzzeitig in Hebron eingerückt, um mutmaßliche Extremisten festzunehmen. Anders als die meisten Städte im Westjordanland war Hebron von der groß angelegten israelischen Militäroffensive seit Ende März weitgehend verschont geblieben.

Bush begrüßte Belagerungsende

US-Präsident George W. Bush begrüßte die Zustimmung beider Seiten zu dem von ihm in die Wege geleiteten Plan zur Aufhebung von Arafats Belagerung. Zugleich rief er Arafat am Sonntag erneut auf, den Kampf gegen den Terrorismus in der Region zu verstärken. Bushs Vorschlag zufolge sollen sechs von Israel gesuchte palästinensische Extremisten von Amerikanern oder Briten bewacht werden. Im Gegenzug darf Arafat sich nach einmonatiger Belagerung erstmals wieder frei in den Autonomiegebieten bewegen.

Untersuchung in Dschenin verzögert sich weiter

Der Beginn der UN-Untersuchung im Flüchtlingslager Dschenin verzögerte sich am Sonntag weiter. UN-Generalsekretär Kofi Annan erwartete für (den heutigen) Montag eine Zustimmung Israels zu der Mission. Sein Stellvertreter Kieran Prendergast erklärte nach einer zweieinhalbstündigen Sondersitzung des Sicherheitsrats, die UN-Delegation werde in jedem Falle am Montag in die Region reisen, gleichgültig ob Israel zustimme oder nicht.

Neuer aufschub bewilligt

Israel hat am 19. April grundsätzlich in eine Untersuchung der Kämpfe in Dschenin eingewilligt, seitdem jedoch mehrfach um einen Aufschub gebeten. Die Kommission soll palästinensischen Vorwürfen nachgehen, dass die israelische Armee ein Massaker an der Zivilbevölkerung des Lagers verübt habe.